Anschlussstelle Hildesheim

Abriss an der A7: Wie eine Autobahnbrücke bei Hildesheim über Nacht verschwindet

Hildesheim - Ein Wochenende ist Zeit, um unter Vollsperrung der Autobahn 7 die erste Hälfte der Brücke an der Anschlussstelle Hildesheim abzureißen: Wie das abläuft und was zu beachten ist.

Hildesheim - Samstagmorgen, 7 Uhr: 1600 Tonnen Brückenreste liegen auf der Fahrbahn der Autobahn 7. Deren Belag wird durch eine dicke Schicht Sand geschützt, den die Abbruchfirma Regrata aus Verden vorher aufgehäuft hat. Nun sind fünf Bagger mit der Trennung des Brückenmaterials beschäftigt. Sie ziehen das Stahlgeflecht aus dem Beton und packen es in separate Container. Danach wird der Beton abgefahren. Alles wird wiederverwertet, der Stahl eingeschmolzen, der Beton geschreddert und auf anderen Baustelle genutzt.

Durchgehender Verkehr fließt direkt an der Brücke vorbei

Ingenieur Martin Mispagel, Projektleiter der Autobahn GmbH des Bundes, blickt am Samstagmorgen zufrieden auf das Trümmerfeld. Die Arbeiten sind nicht nur im Zeitplan, sie sind ihm voraus. Auch der Verkehr fließt zu diesem Zeitpunkt gut: Er wird direkt über die Auf- und Abfahrten quer über die Bundesstraße 1 an der Sperrung vorbeigeleitet. Eine Premiere bei einem solchen Projekt in der Region. Umgeleitet wird nur, wer direkt nach Hildesheim oder auf der B1 in Richtung Osten will.

Die ganze Nacht über haben die Bagger die nördliche Brückenhälfte Stück für Stück zum Einsturz gebracht. „Dabei ist es ganz wichtig, synchron zu arbeiten“, erläutert Mispagel. Würden die Baufahrzeuge zur selben Zeit unkoordiniert gegen unterschiedliche Längsträger hämmern, bestünde die Gefahr, dass Teile der Brücke einstürzen und womöglich die südliche Hälfte beschädigen. Doch die soll ja stehen bleiben, bis der erste Teil des neuen Bauwerks den Verkehr aufnehmen kann. Das synchrone Schlagen wirkt im Scheinwerferlicht wie ein Bagger-Ballett. Alles ist abgestimmt, eingespielt. Schließlich bleibt nur ein enges Zeitfenster, um fertig zu werden. Montagfrüh soll der Verkehr wieder fließen. Bis dahin muss das gesamte Abrissmaterial samt schützender Sandschicht abtransportiert sein und auch die demontierte Mittelleitplanke wieder stehen.

Planung des Millionenprojektes läuft seit 2015

Für den Abbruch wurde dieses Wochenende bewusst gewählt. „Er sollte vor den Osterferien über die Bühne gehen, damit es möglichst wenig Störungen im Reiseverkehr gibt“, erläutert Mispagel. Am Montag beginnen die Vorarbeiten für den Bau der neuen Brücke. Die soll Ende 2023 komplett fertig sein. Das alte Exemplar stammt aus dem Jahr 1959 und stieß allmählich an die Grenzen seiner Haltbarkeit.

Abriss und Neubau sind ein Großprojekt. „Die Planung begann im Jahr 2015“, berichtet Mispagel. Besonders aufwändig war das Verfahren, weil im Rahmen des Brückenneubaus auch die Einfädelung an der Anschlussstelle verändert und dadurch sicherer gemacht werden soll. Dafür werden neue Flächen beansprucht. Wer bisher in Hildesheim auf die Autobahn fährt, muss unten vor der Beschleunigungsspur noch einmal vorsichtig und bremsbereit sein – da lauert Unfallgefahr, die durch einen Umbau entschärft werden soll.

Sprengung war keine Option

Der Brückenersatz ist ein Millionenprojekt. Allein der Abriss einer Brückenhälfte kostet laut Mispagel rund 140 000 Euro, der Neubau der gesamten Brücke acht Millionen Euro, weitere Millionen kommen durch die Neuordnung der Einfädelung dazu.



Während der Bauarbeiten an der neuen Brücke wird die A7 in dem Bereich ein Nadelöhr bleiben. Besonders knifflig ist allerdings die erste Etappe mit einem Wochenende Vollsperrung. „Da ist man schon ein bisschen aufgeregt“, sagt Mispagel, kann nach dem nächtlichen Baggereinsatz am Samstagmorgen aber erst einmal aufatmen. „Es läuft rund.“

Eine Sprengung war bei dem Abriss übrigens keine Option. „Hier kommt man ja von der Fahrbahn aus prima mit Baggern an die Brücke ran“, erklärt der Ingenieur. „Das Anbringen von Sprengladungen hätte viel länger gedauert.“ Das sei ein Verfahren, das eher bei höheren Brücken zum Einsatz kommt.

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