Kreis Hildesheim - Die wichtigen Pendlerlinien S 4 und S 3 könnten bald in der Region Hildesheim ausfallen. Möglicher Grund wäre ein Warnstreik der Gewerkschaft Deutscher Lokomotivführer (GDL), der den S-Bahn-Betreiber Transdev Hannover betreffen würde. Tausende Fahrgäste, die mit der S 4 von Hildesheim oder anderen Orten via Sarstedt oder der S 3 über Lehrte nach Hannover fahren, müssten sich darauf einstellen.
Möglich ist also ein Ausstand bei der S-Bahn, aber auch ein Tarifergebnis am Verhandlungstisch. Am Dienstag und Mittwoch, 17. und 18. Februar, laufen finale Verhandlungen der GDL mit Transdev Hannover. „Es geht dabei darum, dass wir als Lokführer oder Zugbegleiter auch höhere Löhne haben möchten. Und zwar gerechte. Gerade zur Corona-Zeit haben wir gezeigt, dass wir wichtig für das System sind, weil wir die Leute zur Arbeit gefahren haben“, betont Claudia Laktin, Vorsitzende der GDL-Ortsgruppe Hildesheim, auf Nachfrage der Redaktion. „Und wenn ein Bundeskanzler sich hinstellt und sagt, dass wir mehr arbeiten müssen, dann muss das auch bezahlt werden.“
Vorerst noch Atempause
GDL und Transdev halten sich generell mit Prognosen zur weiteren Entwicklung der Verhandlungen zurück. Sie verweisen stattdessen auf die aktuelle Friedenspflicht bis Ende Februar, die einen Warnstreik ausschließt.
Die S-Bahn hatte den Fahrgästen diese Atempause mit Einmalzahlungen an die Beschäftigten im Herbst gesichert: Eigentlich begann die neue Tarifrunde zwischen GDL und der S-Bahn bereits am 15. Juli 2025, nachdem der 2024 geschlossene Tarifvertrag fristgerecht zum 30. Juni 2025 ausgelaufen war. Zwischen 350 Euro für Auszubildende und 700 Euro für Beschäftigte zahlte die S-Bahn im Herbst, GDL-Mitglieder erhielten weitere Zahlungen.
Massive Folgen für Fahrgäste
Ein möglicher Warnstreik würde die Fahrgäste erneut massiv treffen. Von den gut 500 Beschäftigten bei der S-Bahn Hannover gehörten 2023 etwa 80 Prozent der GDL an.
Bei früheren Streiks fielen die Züge auf fast allen Strecken komplett aus, zeitweise richtete die S-Bahn einen Ersatzverkehr mit Bussen ein. Auf die Frage, ob sich Fahrgäste bald darauf einstellen müssen, antwortet die S-Bahn so: „Bitte haben Sie Verständnis dafür, dass wir uns zum jetzigen Zeitpunkt nicht zu den Verhandlungen äußern werden.“
Das wird gefordert
Die Forderungen der Gewerkschaft umfassen unter anderem eine Gehaltserhöhung von mindestens 3,8 Prozent für alle Mitglieder und eine bessere Bezahlung von Ausbildern. Auszubildende sollen eine Vergütung erhalten, die mindestens 50 Prozent des regulären Gehalts beträgt.
Laufen die Verhandlungen für die Bahnfahrenden schlecht, dann drohen ihnen nicht nur Arbeitskämpfe bei der S-Bahn, sondern auch bei der Deutschen Bahn. Auch dort endet die Friedenspflicht zum Monatsende. Pendler sollten sich jedenfalls auf dem Laufenden halten.
Mit Antje Bismark
