Pilotprojekt in Hildesheim

Banner werben für mehr Rücksicht im Straßenverkehr

Hildesheim - ADAC, ADFC und Stadt wollen mit gemeinsamer Kampagne ein besseres Miteinander von Menschen im Auto, auf dem Fahrrad und zu Fuß erreichen. Dafür werden sechs Banner an Brückengeländern aufgehängt

"Nehmt bitte Rücksicht" : Mit dieser Botschaft auf Bannern wollen Stadt, ADAC und ADFC das Miteinander im Straßenverkehr verbessern. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Für mehr gegenseitige Rücksicht im Straßenverkehr werben die Stadt, der Allgemeine Deutsche Fahrradclub (ADFC) Hildesheim und der ADAC Niedersachsen/Sachsen-Anhalt mit einer Banner-Aktion: An Brückengeländern im Stadtgebiet werden insgesamt sechs Banner aufgehängt, die auf die Mindest-Sicherheitsabstände beim Vorbeifahren hinweisen – nämlich 1,5 Meter zwischen Auto- und Fahrradfahrenden sowie 1,2 Meter zwischen Rädern und Fußgängern oder Fußgängerinnen.

„Die Aggression hat zugenommen“, sagt Felix Kaufmann vom ADAC über die derzeitige Situation im Straßenverkehr. Da der ADAC, der ADFC und die Stadt im Arbeitskreis Mobilität zusammenarbeiten, hätten sie deshalb die Kampagne für ein besseres Miteinander gemeinsam geplant.

Rücksichtnahme werde immer wichtiger, denn: „Radfahrende werden in Hildesheim verstärkt auf der Fahrbahn geführt“, erklärt Dietmar Nitsche vom ADFC. Dass dies zu Konflikten führt, zeigen die Reaktionen auf die jüngsten Umbauten in der Straße Hohnsen und in der Goslarschen Straße. Sogenannte Schutzstreifen mit aufgemalten Fahrradsymbolen auf der Fahrbahn sollen den Radlern hier mehr Sicherheit geben.

Trotz Schutzstreifen fühlen sich viele Radfahrende nicht sicher

Die Reaktionen von Bürgerinnen und Bürgern zeichnen ein anderes Bild: Das Sicherheitsgefühl bei Radfahrenden bleibt vielfach aus, denn die Abstände beim Überholen werden trotz der Streifen oft nicht eingehalten, die Radwege vom motorisierten Verkehr als Ausweichflächen genutzt. Autofahrende dagegen fühlen sich ausgebremst, wenn sie bei Gegenverkehr hinter den Radelnden bleiben müssen.

Dass das Miteinander noch nicht immer richtig funktioniert, heißt für Stadtbaurätin Andrea Döring jedoch nicht, dass die Schutzstreifen als Maßnahme grundsätzlich falsch sind. Mehr Informationen über Regelungen wie beispielsweise die vorgeschriebenen Mindestabstände beim Überholen könnten aus ihrer Sicht helfen. Zwar seien ausgebaute Radwege mit klarer räumlicher Trennung wünschenswert, „aber die können wir uns nicht überall leisten.“ Und auch Dietmar Nitsche meint: „Wir müssen uns an die Gegebenheiten anpassen.“ Die optimalen Lösungen ließen sich nicht finanzieren.

Oft fehle es nicht nur am Geld, sondern auch am Platz, meint Felix Kaufmann. Bei der Aufteilung des Straßenraumes müssten ja alle Verkehrsteilnehmenden zu ihrem Recht kommen. Daher appelliere der ADAC für einen Perspektivwechsel: die Situation auch mal aus der Sicht der anderen zu sehen. Die meisten Menschen seien ja mal mit Auto, mal mit Rad und mal zu Fuß unterwegs.

Zusammenarbeit bisher einmalig

Die Banner hat der ADAC finanziert, aufgehängt werden sie von Mitarbeitenden des Bauhofs: über der Goslarschen Straße und der L485 in Ochtersum jeweils in beiden Richtungen, an der Schützenwiese sowie an der Struckmannstraße stadtauswärts.

Eine solche gemeinsame Aktion gebe es bisher im Bereich Niedersachsen/Sachsen-Anhalt nur in Hildesheim, sagt ADAC-Pressesprecherin Alexandra Kruse. Sie könne aber als Pilotprojekt für andere Städte dienen. Die Banneraktion soll zunächst 18 Monate laufen und innerhalb des nächsten halben Jahres durch Werbung auf Citylights-Werbeflächen an Bushaltestellen ergänzt werden. Außerdem werde die Botschaft der Kampagne über soziale Medien unterstützt.

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