Kreis Hildesheim - Die Zukunft des Schlosses Wrisbergholzen bietet schon seit Jahren Diskussionsstoff. Konkrete Perspektiven gibt es weiterhin nicht. Der Verein zum Erhalt von Baudenkmalen in Wrisbergholzen zeigt sich besorgt. Auch Bürgermeister Hans-Jürgen Köhler bangt um ein Aushängeschild der Gemeinde Sibbesse. Der Eigentümer will das Anwesen auf jeden Fall erhalten.
Immer noch elegant anzuschauen, verborgen im dichten Grün im kleinen Wrisbergholzen: Wer von der Moppenstraße durch den Ort abbiegt, gelangt zum Schloss, das zwischen 1740 und 1745 gebaut wurde. Der Adelssitz war in den vergangenen Jahren öfter Schauplatz von verschiedenen Filmdrehs. Die Produzenten waren nach Angaben des Vereins zum Erhalt der Baudenkmale in Wrisbergholzen begeistert. „Die haben gesagt: ,Wir brauchen hier nur ein paar Stühle verschieben. Dann ist man im 19. Jahrhundert“, berichtet Jens Beck. Er gehört zum Vorstand des Vereins, der unter anderem die nahe Orangerie besitzt.
Möglicher Standort für Musikakademie
Das alte Gewächshaus wird seit Mai für Hochzeiten genutzt, soll zudem noch mit Flügeln erweitert werden und geht offenbar einer guten Zukunft entgegen. Was aber mit dem nur einen Steinwurf entfernten Adelssitz künftig geschieht, ist völlig offen. Dort war auch schon eine Musikakademie im Gespräch. Dies war aber nicht realisierbar.
Das Anwesen soll keinesfalls verfallen. Alexander Graf von Goertz-Wrisberg ist fest entschlossen, das Schloss „zumindest äußerlich in Schuss zu halten.“ Kein Zweifel für ihn: Er will es erhalten. „Das ist meine Aufgabe“, stellt er auf HAZ-Nachfrage klar. Jüngst wurden etwa Dächer der Hofgebäude in Ordnung gebracht, der Hausschwamm im Gebäude war schon vor Jahren beseitigt worden. Das Schloss aber wirklich neu zu beleben, darin sieht der Eigentümer durchaus ein Problem.
Weitere Filmdrehs
Es habe schon Kontakte zu Interessenten gegeben, die aber seien angesichts hoher Investitionskosten wieder abgesprungen. Falls aber jemand auf ihn zukommt, der tatsächlich vielversprechende Pläne hat, dann wäre Graf von Goertz-Werisberg gesprächsbereit. „Wenn es passt.“
Willkommen sind ihm auch weitere Filmdrehs im Bereich des Schlosses. Dieses sei dafür inzwischen eine „bekannte Nummer.“ Sechs, sieben Filme seien es bislang gewesen. Und: „Wir hatten auch Kontakt zur Ufa.“ Deren Vertreter hätten sich sehr angetan gezeigt.
Eigentümer lehnt Verkauf ab
„Es wäre gut, wenn man dort die Filmprojekte verstetigen könnte“, meint auch Beck mit Blick auf ein Doku-Drama über die Holocaust-Überlebende Margot Friedländer mit Iris Berben, das im Sommer 2023 in Wrisbergholzen gedreht wurde.
Zudem gab es Überlegungen, das Schloss möglicherweise zu verkaufen. „Doch damit kann sich der Eigentümer nicht anfreunden“, sagt Beck. „Ich will es behalten“, betont auch Graf von Goertz-Wrisberg.
Völlig einig sind sich der Verein und der Schlossherr darin, das Anwesen als Herzstück des Ensembles in Wrisbergholzen unbedingt für die Nachwelt zu sichern.
Das will auch die Gemeinde Sibbesse. „Das Schloss ist eine kulturelle und touristische Perle. Mir blutet das Herz, wenn es verfallen würde“, so Bürgermeister Hans-Jürgen Köhler. Das Schloss sei „Kernthema“ bei den 1001-Jahr-Feiern in Wrisbergholzen gewesen. Und es müsse unbedingt bewahrt werden – so habe der Tenor unter den Menschen im August 2022 gelautet.
Englischer Landschaftspark
Das Schloss ließ Freiherr Rudolf Johann von Wrisberg (1677–1764) zwischen 1740 und 1745 im üppigen Barockstil errichten. Vor der dreiflügeligen Schlossanlage befinden sich auf einem Gutshofgelände sechs große Wirtschaftsgebäude, zwischen deren schmalem Durchlass die alte Hauptzufahrt zum Schloss liegt. Hinter dem Schloss erstreckte sich während des 18. Jahrhunderts ein Barockgarten, der im 19. Jahrhundert zum englischen Landschaftspark umgestaltet und ausgeweitet wurde und seit 1984 als „Alter Schlosspark Wrisbergholzen“ unter Naturschutz steht. Das Schloss ist als „Denkmal von nationaler Bedeutung“ anerkannt.
Über den Türsturz des Hauptportals ließ der Bauherr seinen Namen und den seiner Gemahlin Christina Henriette von Goertz setzen; im Dreiecksgiebel des Mittelrisalits benennt das Allianzwappen mit der Jahreszahl 1745 die Fertigstellung. Im Erdgeschoss befindet sich hinter einer weiträumigen Eingangshalle ein großer Speisesaal. Eine Freitreppe führt zu dem darüberliegenden, über zwei Stockwerke reichenden Prunksaal mit schönen Stuckverzierungen.

