Hildesheim - Gut zweieinhalb Jahre lag das rund 4200 Quadratmeter große Grundstück an der Steuerwalder Straße 96-98 brach und mancher in der Nordstadt fragte sich, ob sich daran überhaupt noch mal etwas ändern würde. Dann starteten kürzlich erste Erdarbeiten, seit einigen Tagen sondieren Kampfmittelexperten den Boden und klären ab, ob womöglich Blindgänger im Untergrund liegen. Geht es nun also tatsächlich los? Und wenn ja – was wird hier gebaut?
Investor überzeugt: Der Bedarf ist auf jeden Fall gegeben
Antworten liefern nun im Gespräch mit der HAZ Torsten Schulz und Uwe Weber von der Seelzer Gesellschaft für Wohnkonzepte (GWK) – das Unternehmen ist Eigentümer des Areals und hat in den vergangenen Monaten fortwährend an den Plänen für das Grundstück gearbeitet.
Länger gedauert als ursprünglich angenommen hat das alles, weil die GWK das Konzept noch einmal komplett umgeschmissen hat und das neue Abstimmungen mit verschiedenen Behörden nötig machte. Denn anstatt Reihenhäuser zu errichten, investieren die Seelzer nun rund 15 Millionen Euro in den Bau eines neuen Altenpflegeheims mit 122 Bewohnerplätzen. „Der Bedarf dafür ist in Hildesheim definitiv gegeben“, sagt Geschäftsführer Schulz. Sein Unternehmen legt bei Bauprojekten derzeit einen Schwerpunkt auf die Entwicklungen von Altenheimen, die das Portfolio neben Wohnhäusern und Supermärkten ergänzen. „Wir stecken da Herzblut rein“, versichert Schulz. „Es ist etwas anderes, ob man Gebäude für ältere Menschen baut, die dort in angenehmer Atmosphäre betreut werden sollen, oder ob man für einen Discounter einen standardisierten Bau errichtet.“ Wichtig sei dem Unternehmen deswegen auch die Kooperation mit inhabergeführten Firmen als Betreiber der Einrichtungen, sagt Uwe Weber. Man lege Wert auf eine enge Abstimmung über die Bedürfnisse der künftigen Bewohner. Beim Hildesheimer Vorhaben sei auch die Zusammenarbeit mit der Heimaufsicht reibungslos und gut verlaufen.
Als Pächter und Betreiber des neuen Heims in Hildesheim steht das Potsdamer Unternehmen Fontiva bereit, das bisher drei Einrichtungen in Potsdam, Geesthacht und Leimen führt. Die Kooperation mit der Seelzer Immobilienfirma scheint für beide Seiten zur vollsten Zufriedenheit zu laufen – denn wie Torsten Schulz im Gespräch mit der HAZ bestätigt, sind fünf weitere Altenpflegeeinrichtungen in Planung, die nach Fertigstellung ebenfalls von Fontiva betrieben werden sollen.
Frisch zubereitetes Essen aus eigener Küche
Das Heim in der Hildesheimer Nordstadt soll 122 Bewohnern Platz und Komfort bieten, vor allem in Einzelzimmern, aber auch mehrere Doppelzimmer für Paare sind vorgesehen. Zusätzlich sind unter dem Schlagwort Marktplatz Gemeinschaftsbereiche geplant, die auch mit komplett ausgestatteten Küchen eingerichtet sind, so dass die Bewohner, die noch fit genug sind, sich auch selbst Essen kochen können und in Gemeinschaft mit anderen dabei Zeit verbringen. Die grundsätzliche Verpflegung soll nicht über externe Caterer laufen, kündigt Fontiva an – stattdessen sollen alle Speisen in der eigenen Heimküche frisch zubereitet werden, das Restaurant und die Caféteria sollen auch für externe Gäste offen sein. Außerdem geplant: eine Bibliothek, ein Friseur sowie Gymnastik- und Therapieräume.
Tatsächlicher Baustart soll in gut drei Wochen sein, nachdem die Kampfmittelsondierer mit ihrer Arbeit fertig sind – vorausgesetzt, sie stoßen nicht doch noch auf Altlasten aus dem Zweiten Weltkrieg. GWK-Chef Torsten Schulz setzt bei dem Bau auf einzelne Firmen, nicht auf einen Generalunternehmer. „Wir bemühen uns immer, möglichst viele Firmen aus der jeweiligen Region dabei zu haben.“ So auch in Hildesheim: Den Rohbau wird das Hildesheimer Unternehmen Kubera errichten. Wenn alles nach Plan läuft, soll die Eröffnung des Altenpflegeheims im Spätsommer oder Herbst 2022 sein.
Später Azubi-WG in Nachbargebäude möglich
Für ein Gebäude in direkter Nachbarschaft zu der Einrichtung haben Schulz und Weber auch schon Ideen: Die Immobilie Steuerwalder Straße 92, in dessen Erdgeschoss sich eine Apotheke befindet, ist inzwischen auch im Besitz der GWK. Mittelfristig könnten in den Wohnungen in den oberen Stockwerken nach Umbauten eine Wohngemeinschaft für Auszubildende des Heims entstehen, verrät Schulz. Altenpflege sei auf gutes Fachpersonal angewiesen – und womöglich könne ein Wohnungsangebot in der Nähe ein Plus für den Arbeitgeber sein.


