Ottbergen - Seit 1730 ist der landwirtschaftliche Betrieb Ernst in Ottbergen in Familienhand. Seitdem hat sich in der Landwirtschaft so einiges getan und tut es sich auch künftig. So ist Martin Ernst aus Ottbergen jetzt Mitglied des Netzwerks Leitbetriebe Pflanzenbau geworden. Das wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft (BMEL) initiiert und ist ein Leuchtturmprojekt im Rahmen der BMEL-Ackerbaustrategie 2035. Klingt sperrig, ist es aber eigentlich nicht. Denn unter anderem geht es darum, dass Landwirte und Verbraucher ins Gespräch kommen. „Die Diskussion um Landwirtschaft ist mit Reizworten gespickt und wird sehr emotional geführt“, erklärt Ernst. Ansprechbare und präsente Landwirte sollen dem entgegenwirken.
Ein großes Problem in der Landwirtschaft sei der fehlende Mut, etwas Neues auszuprobieren, beklagt Ernst. Doch das ist auch gar nicht immer so einfach. Ernst zum Beispiel beackert Land, das er von zwölf Eigentümern gepachtet hat. Einige davon waren selbst Landwirte und beobachten mit Argusaugen, was auf dem Feld geschieht. „Wenn ich da mal Unkraut wachsen lasse, dann melden die sich schon“, sagt Ernst. Jetzt hat er sogar welches ausgesät, zwischen den Raps, der im nächsten Frühling goldgelb blühen soll.
Ein Acker ohne Insektizide und Herbizide
Das Begleitgrün, wie der Unternehmer erklärt, soll den Boden zwischen den Rapsflächen beschatten. Damit schießen keine anderen Unkräuter hoch. Auf Insektizide und Herbizide will Ernst auf diesem Acker verzichten. Der Plan ist, dass der schädliche Rapsfloh sich nicht in den Stängel des Raps bohrt. „Die Idee kommt aus Frankreich, ein Saatguterzeuger hat dafür eigens eine Mischung kreiert“, berichtet Ernst. Einen Schlag hat er komplett so angelegt, einen anderen Hälfte-Hälfte, um im kommenden Jahr zu sehen, wie sich der Ertrag und die Insektenvielfalt sich unterscheiden.
Der Landwirt aus Ottbergen hat sich für das Projekt beworben. Er ist einer von 85 Landwirten im Bundesgebiet, die sich beteiligen. 100 sollen es noch werden. Die Bauern arbeiten konventionell, ökologisch oder beides gemischt. Gemeinsam arbeiten sie in Gruppen an verschiedenen Problemfeldern und versuchen Lösungen zu finden, was etwa den Einsatz von Insektiziden angeht. Bei ihrer Arbeit sind sie nun darauf gekommen, dass ein ganz wesentlicher Knackpunkt die mangelnde Akzeptanz in der Bevölkerung ist. Dabei leben die Bauern doch meist auf Dörfern. „Aber die sind heute auch nicht mehr so wie früher, als jeder jeden kannte“, sagt Ernst.
Änderungen beim Düngen und der Fruchtfolge
Und so werde über den Bauern gesprochen, statt ihn zu fragen, warum er denn in der Dämmerung zum Spritzen auf den Acker fährt. Und genau das soll sich ändern. „Wer etwas wissen will, kann beim Landvolk oder bei mir nachfragen“, sagt Ernst. Er probiert aktuell einiges aus, etwa Veränderungen beim Düngen. „Bisher haben wir der Pflanze immer ins Maul gedüngt und die Verbindung Pflanze und Boden außer Acht gelassen.“ Er stellt nicht nur beim Düngen um, sondern ändert auch die Fruchtfolgen auf seinen Äckern. Doch bei alledem muss Ernst auch den Ertrag im Blick haben. „Wir Landwirte bilden die Wirtschaftskraft auf dem Land und wir sind Unternehmer“, sagt er.
Ernst nimmt den zusätzlichen Aufwand auf sich, denn auch sein Betrieb soll schließlich noch weitere Generationen ernähren und muss deshalb mit der Zeit gehen. Und was das Thema Nachhaltigkeit angehe: „Es ist ein landwirtschaftlicher Urinstinkt, einen gesunden Hof zu übergeben“, sagt Ernst. Seine große Tochter Franziska studiert schon Landwirtschaft.
Veränderungen sind auch Chancen
Das, was auf die Landwirte jetzt zukommt, sieht der Ottberger als Chance und er sagt, dass er sich darauf freut. Auch auf die Begegnungen, denn für ein besseres Kennenlernen wird es demnächst geführte Radtouren und Einladungen an Abiturjahrgänge nach Ottbergen geben.
