Vor dem Workshop am Sonnabend

Baugebiet Wasserkamp in Hildesheim: Wo steht die Stadt-Politik?

Itzum/Hildesheim - Am Sonnabend richtet die Stadt Hildesheim in Itzum einen Workshop zum geplanten Baugebiet am Wasserkamp aus. Auch viele Politiker wollen teilnehmen – wo stehen die Fraktionen, die am Ende über die Siedlung entscheiden?

Die Stadt Hildesheim will den Wasserkamp zwischen der Marienburger Höhe und Itzum zum Baugebiet machen. Foto: Chris Gossmann

Itzum/Hildesheim - Die SPD-Fraktion hatte sich schwer mit ihrer Zustimmung getan: Als der damalige Rat vor drei Jahren den Aufstellungsbeschluss für den Wasserkamp-Bebauungsplan verabschiedete, knüpften die Sozialdemokraten ihr Ja-Wort an 23 Bedingungen. Und wenn diese beim Satzungsbeschluss nicht erfüllt seien, werde man dem Baugebiet eben nicht zustimmen – so hatte es Fraktionschef Bernd Lynack seinerzeit verkündet.

Nun steht besagter Beschluss zwar noch aus, er fällt 2024. Doch mit den drei Entwürfen, die das Rathaus im Dezember auf den Tisch gelegt hat und die am Sonnabend bei einem Workshop vertieft werden, bekommt die Siedlung erste Konturen. Und denen kann SPD-Politikerin Rita Weber einiges abgewinnen. Die Sozialdemokratin leitet den Ausschuss für Stadtentwicklung, sie gehörte bereits dem vergangenen Rat an, kennt die 23-Punkte-Liste ihrer Fraktion daher genau. Zwar sei es für eine genaue Bewertung noch zu früh, betont Weber. Aber die Stadt sei auf einem guten Weg.

SPD sieht Forderung nach Sozialwohnungen erfüllt

Zum Beispiel in planerischer Hinsicht: Ihr gefalle die Durchmischung der verschiedenen Wohnformen, lobt Weber: Die Planer setzten die Mehrfamilienhäuser nicht einfach, wie in anderen Siedlungen geschehen, als Lärmschutz an den Rand, sondern verteilten sie neben Einfamilienhäusern und anderen Haustypen auf dem Gelände. Auch die Wünsche nach Freiflächen und einem Radweg über die Route Am Roten Steine seien berücksichtigt.

Das gilt auch für die zentrale SPD-Forderung, es müsse im Wasserkamp 150 Sozialwohnungen geben. Zwar könne sie anhand der Entwürfe noch nicht nachvollziehen, wie viele der 250 in Mehrfamilienhäusern vorgesehenen Wohnungen darunter fallen, sagt Weber. „Aber die Zahl 150 wird zu erreichen sein.“ Auch zur Vermarktung hatte die SPD klare Vorstellungen: So sollen die attraktivsten Grundstücke, mindestens aber 25 Prozent der Flächen für Ein- und Zweifamilienhäuser, über Höchstpreisangebote vermarktet werden. Darum gehe es jetzt zwar noch nicht, betont Weber. Aber die SPD sei darüber mit der Verwaltung im Gespräch – im Rathaus heiße es, man schaffe das.

In einem Punkt deutet sich bereits ein Konflikt an. So sehen alle drei Entwürfe einen Supermarkt am Wasserkamp vor. Doch einen neuen Markt hatte die SPD 2019 ausdrücklich ausgeschlossen, es sei höchstens eine Umsiedlung zu prüfen. Dabei bleibe es mit Rücksicht auf die Supermärkte in Itzum und am Marienburger Platz auch, sagt Weber. Doch welche der drei Varianten soll die Stadt nun weiter verfolgen? Darüber hat die SPD noch nicht geredet – es sei ja auch noch Zeit bis zur Entscheidung im März, betont Weber. Dass sich die Sozialdemokraten am Ende gegen das Baugebiet aussprechen, sieht sie nicht: Es gebe Bedarf sowohl für Eigenheime als auch für Mietwohnungen.

CDU-Chef Dennis Münter wünscht sich Informationen zu Preisen

Von dem Workshop erhofft sich Weber erste Tendenzen in Sachen Preise: für Bauplätze, auch für die Mieten der Sozialwohnungen. „Wir wollen wissen, wo die Reise hingeht.“ Auch CDU-Fraktionschef Dennis Münter will zu dem Workshop kommen. Eine Tendenz in Sachen Entwürfe gebe es noch nicht: Die CDU habe diese noch nicht diskutiert, zudem seien viele Fraktionsmitglieder neu. Grundsätzlich steht Münter dem Baugebiet aufgeschlossen gegenüber: „Es gibt Bedarf, gerade für Familien – die Stadt hat für sie in Hildesheim kein Angebot.“ Wichtig sei aber, dass sich auch Normalverdiener das Leben am Wasserkamp leisten könnten, die Stadt solle sich daher zu den geplanten Preisen äußern. Der CDU-Chef will außerdem wissen, welche finanziellen Folgen es hätte, die Siedlung kleiner als derzeit geplant ausfallen zu lassen.

Grünen bleiben beim Nein, aber wollen Planung kritisch begleiten

Die Grünen-Fraktion werde ebenfalls beim Workshop vertreten sein, kündigt Sprecher Ulrich Räbiger an. Man lehne das Baugebiet zwar weiter ab – wegen der Nähe zum Naturschutzgebiet, der zurückgehenden Einwohnerzahlen und weil es zu teuer werde, die Baukosten explodierten. „Aber wir werden das Vorhaben kritisch begleiten“, erklärt Räbiger. PARTEI-Vertreter Hamun Hirbod, Partner der SPD und der Grünen in der Mehrheitsgruppe, ist gegen die Siedlung und fühlt sich durch die Entwürfe bestätigt. „Das ist etwas für wenige Privilegierte, nicht für die Gesamtgesellschaft.“ Das Projekt sei mit Blick auf Klimaziele inkonsequent; die Stadt traue sich nicht, Autos auszusperren.

Unabhängige sind gespalten: Parlak dafür, Bringmann dagegen

Für die FDP – sie ist für das Baugebiet – will Volker Weiß zum Workshop gehen. Den Liberalen gefalle der dritte Entwurf am besten, weil er am wenigsten Fläche benötige, sagt Sprecher Michael Kriegel, Wichtig: Der Sozialwohnungsanteil müsse unter 25 Prozent liegen. Die Unabhängigen sind geteilter Meinung: Erdic Parlak ist für die Siedlung, aber gegen einen Supermarkt, Sprecher Hans-Uwe Bringmann lehnt das Baugebiet ab. Er zweifelt am Bedarf und fürchtet einen Verkehrskollaps in der Marienburger Straße. AfD-Sprecher Ralf Kriesinger sagt, seine Fraktion habe keine Präferenzen bei den Entwürfen. „Wichtig ist, dass es zügig losgehen kann, damit die Wohnungssituation in der Stadt bald entlastet wird.“

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