Schneller Weg auf die A7

Dritter Hildesheimer Autobahn-Anschluss: Jetzt wird vermessen

Hildesheim - Weit und breit nur Felder. Aber künftig sollen hier Fahrzeuge über den neuen Autobahn-Anschluss rollen, der Hildesheim und das Gewerbegebiet Nord mit der A7 verbindet. Der Zeitplan steht.

Noch zeugen vom geplanten Autobahnanschluss Hildesheim-Nord nur die Reflektoren der Vermessungstechniker. Vor der Baumreihe am Horizont zeichnet sich die Autobahn ab. Foto: Julia Moras

Hildesheim - „Das ist ein Meilenstein für Hildesheim“, sagt Oberbürgermeister Ingo Meyer und lässt seinen Blick über die abgeernteten Felder schweifen, die nördlich vom Hildesheimer Flugplatz in einem spitzen Dreieck zwischen dem Stichkanal und Hasede zur Linken und der Autobahn und Asel zur Rechten liegen. Auf dem 100 Hektar großen Areal soll in den kommenden Jahren der dritte Autobahnanschluss „Hildesheim-Nord“ entstehen.

Noch allerdings ist von dem millionenschweren Großprojekt nicht mehr zu sehen als auf dem Boden ein paar grellrote Farbmarkierungen der Vermessungstechniker aus Wunstorf. Ihre topografische Bestandsaufnahme wird das Gelände mit allen Reliefs, Gewässern, Bauwerken, Bewuchs und Wegen abbilden – und so die Grundlage für die spätere Bauplanung bilden.

Bund zahlt die Kosten

Eine Never-ending-Story scheint damit endlich voran zu kommen: Erste Ideen für den dritten A7-Anschluss gab es nämlich schon in den 1990-er Jahren mit den Plänen für das künftige Gewerbegebiet Nord. 2000 gab der Bund, der für alle Autobahnen zuständig ist und laut Meyer auch diesen Anschluss „zu 100 Prozent“ bezahlen werde, grünes Licht.

Allerdings wollte er das Gewerbegebiet erst zu zwei Dritteln bestückt sehen, um keinen Anschluss irgendwo „in die Walachei zu bauen“, so der OB. Die Stadt argumentierte genau anders herum: Um Drispenstedt und die Nordstadt nicht im wachsenden Verkehr ersticken zu lassen, müsse erst der Anschluss her ...

Alle Flächen vergeben

Inzwischen ist der erste Abschnitt ausgebucht, Lidl, Bäko, Reifen.com oder auch der Fruchthof Northeim haben hier Niederlassungen. Derzeit entwickelt die Stadt angrenzend das nächste Areal, das Lange Feld mit 30 Hektar. In der danach folgenden dritten Etappe sollen 80 Hektar dazukommen – und die sollen dann ausschließlich über den noch imaginären Autobahnzubringer angesteuert werden.

Der Zeitplan ist ambitioniert: Um Tempo in die Sache zu bringen, hat die Stadt für das Land und auf Kosten des Landes 2018 das Heft des Handelns in die Hand genommen und die Planungsvorbereitungen übernommen. Die Vermessung ist fast fertig, die Planungsleistungen für Straßen und Brücke sind europaweit ausgeschrieben, Baugrund- und Lärmgutachten beauftragt. Im Februar 2021 soll die Umweltplanung vergeben werden. Läuft alles wie am Schnürchen, könnten Ende 2021 das Planunfeststellungsverfahren und 2023 die Bauarbeiten beginnen. Bestenfalls 2025 würden dann die ersten Fahrzeuge rollen.

500 neue Arbeitsplätze

Schon jetzt seien im Gewerbegebiet 500 neue Arbeitsplätze entstanden, sagt der städtische Planungsleiter Michael Veenhuis, der zugleich Geschäftsführer der eigens hierfür gegründeten Entwicklungsgesellschaft GHG ist. Schon jetzt gebe es Interessenten für das Lange Feld, die sich neu ansiedeln oder innerhalb der Stadt umziehen wollen.

Der dritte Abschnitt ist noch einmal eine ganz andere Hausnummer, denn Flächen dieser Größe mit direktem Anschluss an Autobahn, Stichkanal und Hafenbahn könne in Niedersachsen sonst kaum jemand bieten. Allerdings hat die GHG bislang erst Zugriff auf 30 Prozent der Böden. Meyer gibt sich zuversichtlich, mit den Eigentümern handelseinig zu werden. „In einem Jahr sieht das schon ganz anders aus.“

Trompete für die Auffahrt

Der Anschluss soll als „Trompete“ gebaut werden: Im Westen kann man direkt auf- oder abfahren, östlich entsteht auf Harsumer Gebiet eine ringförmige Brückenkonstruktion, von der Fahrzeuge aus Richtung Kassel ab- und in Richtung Hannover auf die A7 auffahren. Im Osten selbst gibt es aus Harsum kommend keine Auf- oder Abfahrt.

Drispenstedts Ortsbürgermeister Arne Heims (SPD) freut sich über „das erste sichtbare Zeichen, auf das alle gewartet haben“: Sein Ortsteil habe bislang die Hauptlast des Verkehrs ins Gewerbegebiet schultern müssen.

Ekkehard Domning, grüner Ortsbürgermeister in der Nordstadt, hält das Bauwerk wegen sinkender Bevölkerungszahlen, immer mehr versiegelter Flächen und der vieldiskutierten Verkehrswende einerseits für einen Anachronismus, andererseits habe er sich dafür ausgesprochen, damit nicht der ganze Verkehr in einen, in seinen Stadtteil abgeladen werde. Er hoffe nun, dass es eine „vernünftige Verkehrsführung“ zur B1 geben und dass der Rückbau der B6 „nicht in aller Eile“ angegangen werde.

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