Hildesheim - Kaum eine Schule in der Stadt verfügt über ein derart idyllisch gelegenes Grundstück wie das Andreanum. Das Gymnasium der evangelischen Landeskirche Hannovers liegt etwas erhöht zwischen Liebesgrund, Magdalenengarten und Weltkulturerbe-Kirche St. Michael. Doch so privilegiert das Gymnasium an dieser Stelle residiert, so schlecht steht es seit vielen Jahre um seinen baulichen Zustand.
Schon vor geraumer Zeit hatte die Landeskirche viele Millionen Euro bereitgestellt, um Gebäudeteile abreißen oder sanieren sowie neue Trakte errichten zu lassen. Damals wähnte man sich kurz vor dem Baustart. Passiert ist allerdings wenig. „Der Frust bei vielen Schülern, Eltern und Lehrkräfte ist inzwischen groß“, sagt ein Vater, der Kinder am Andreanum hat und selbst im Umfeld einer Kirche arbeitet. Er will nicht, dass sein Name genannt wird. Aber er verfolgt den zähen Prozess schon seit längerem. „Es gibt im Andreanum so zugige Räume, da sitzen die Mädchen und Jungen im Herbst und Winter durchgängig mit Jacken und Mützen“, sagt er. In anderen Gebäudeteilen regne es bei schlechtem Wetter rein.
Beteiligte geben sich zugeknöpft
Sowohl an der Schule selbst als auch beim Träger würde man lieber heute als morgen mit dem Großprojekt starten. Trotzdem geben sich beide auf Nachfrage zugeknöpft. „Diese Sanierung ist sehr komplex und es sind viele Player beteiligt“, sagt Benjamin Simon-Hinkelmann, Sprecher der Landeskirche. Der Träger müsse nicht nur die Belange der Schule selbst, sondern darüber hinaus auch die der Stadt Hildesheim, der ein Teil des Areals gehört, berücksichtigen.
Zudem müsse das Landesamt für Denkmalpflege in alle Überlegungen einbezogen werden, weil Teile des Andreanums unter Denkmalschutz stehen. Und nicht zuletzt müssten die Beteiligten inzwischen auch Klimaschutz- beziehungsweise Energieeffizienzmaßnahmen berücksichtigen. „Da laufen weiterhin viele Gespräche zwischen allen Beteiligten“, sagt Simon-Hinkelmann. Zum jetzigen Zeitpunkt gebe es aber noch keine belastbaren Ergebnisse oder Zeitpläne, was konkrete Schritte der Sanierung angeht.
Geplante Kosten haben sich wohl mindestens verdoppelt
Schulleiter Dirk Wilkening, der vor drei Jahren noch hoffte, dass es bald losgeht, versucht dem stockenden Prozess etwas Positives abzugewinnen. Ursprünglich sei es vor allem darum gegangen, den Denkmalschutz zu erhalten. „Jetzt arbeiten wir daran, dass das Andreanum noch zukunftsfähiger wird“, sagt er. Wilkening ist davon überzeugt, dass er den Baustart noch während seiner Amtszeit erlebt. Er ist 58 Jahre alt. Ob das tatsächlich eingehalten werden kann, ist aber fraglich. Zumindest, was die Verhandlungen mit der Stadt angeht, scheint alles beim Alten geblieben zu sein. Der Stadt Hildesheim gehört der westliche Teil des Areals mit dem Hauptgebäude und den beiden in Nord-Süd-Richtung abzweigenden Trakten. Die Landeskirche möchte deshalb, dass die Stadt einen Teil der Kosten trägt. Aber das Rathaus lehnt dies ab. Die Stadt beteilige sich zwar anteilig an den Sachkosten, größere Instandsetzungen fielen nicht darunter, hatte die Stadt schon vor geraumer Zeit erklärt.
Dass sich die langjährigen Verzögerungen am Ende auch auf den Preis auswirken, war allen Beteiligten schon vor Jahren klar. Ursprünglich hatte die Landeskirche 6,5 Millionen Euro für das Projekt im Haushalt vorgesehen. Nach Informationen der HAZ hat sich diese Summe inzwischen mindestens verdoppelt.
