Tierrettung

Bei einer Drohnenaktion im Landkreis Hildesheim werden elf Rehkitze gerettet

Schellerten - Drohneneinsatz der Hildesheimer Jägerschaft auf einer Wiese bei Schellerten. Elf Kitze werden vor der Mahd aus dem hohen Gras gerettet. So lief die Aktion ab.

!4 Tage nach der Geburt können die Rehkitze noch nicht fliehen. Foto: Privat

Schellerten - Das Mähwerk senkt sich und frisst sich durch das Grün der Wiese. Der Landwirt, der den Trecker steuert, kann von seinem Platz aus nicht den Boden direkt vor sich sehen. Liegt dort ein Rehkitz, wird der vermeintlich sicherere Platz, den die Ricke für ihren Nachwuchs ausgesucht hat, zur tödlichen Falle. Damit das nicht passiert, sind Landwirte verpflichtet, vor dem Grünschnitt ihre Felder nach jungen Wildtieren abzusuchen. So geschehen jetzt in Schellerten.

Einsatz in der Dunkelheit

Es ist noch dunkel, als Landwirt Ralf Ohlms mit seinem Trecker mit Mähwerk seinen Acker in Schellerten ansteuert. Wie schon im vergangenen Jahr ist er verabredet. Morgens um 4 Uhr mit Dr. Matthias Mordeja. Der pensionierte Internist ist Drohnenpilot der Hildesheimer Jägerschaft. Wie im Vorjahr machen sie sich gemeinsam mit zwei Helfern auf die Suche nach Rehkitzen. „Zwischen dem 20. und 30. Mai werden die Kitze gesetzt“, erklärt Mordeja. In den ersten Wochen haben die Jungtiere noch keinen Fluchtreflex. Wenn Gefahr droht, drücken sie sich daher noch tiefer ins Gras. Aber nicht tief genug für das Mähwerk. Viele Tiere kamen so ums Leben. Auch Landwirt Ralf Ohlms (57) ist das schon passiert. Schlimm genug, wenn er die Überreste eines toten Kitzes nach dem Mähen gefunden hatte. Noch schlimmer sei es aber: „Wenn das Kitz schwer verletzt ist und nach seiner Mutter schreit. Das nimmt einen auch als Jäger mit“, sagt er. Also setzt Ohlms auf den Schutz aus der Luft.

Um 4 Uhr startet die Drohne. Auf einem Monitor ist ein erster heller Fleck zu sehen. Ein warmer Körper. Die Drohne geht herunter, und Mordeja navigiert die Helfer zum Punkt. Dort wird ein Wäschekorb über das Jungtier gestülpt. Mit viel Grasbüscheln in den Händen, damit das Kitz nicht nach Mensch riecht, wird es hochgehoben und in Sicherheit gebracht. Weiter geht es. „Im vergangenen Jahr war es so heiß, dass sogar die Zaunpfosten auf dem Display als helle Flecke dargestellt waren, erinnert sich Ohlms. In diesem Jahr ist es weniger heiß, dafür öfter nass. Bei Regen können die Drohnen nicht fliegen, und das nasse Gras wird auch nicht gemäht. Im vergangenen Jahr aber sei das Drohnenteam beinahe täglich unterwegs gewesen. „In diesem Jahr ballt es sich an den trockenen Tagen“, so Mordeja. Und weil er allein nicht überall sein kann, gibt es noch ein zweites Drohnenteam in der Hildesheimer Jägerschaft.

Die Nachtigall singt dazu

Für die Suche nach Kitzen werden zwei Teams mit vier Leuten benötigt, auf großen Feldern suchen vier Helfer die Wiese ab, einer steuert die Drohne, der andere hat das Display im Blick. In der Dunkelheit filmt Ohlms den Einsatz auf seinem Feld. Da hört er den Gesang einer Nachtigall. „Wie schön“, sagt er. Wie schön aber auch, dass an diesem Morgen bis 8 Uhr auf einer Fläche von insgesamt 120.000 Quadratmetern elf Kitze gerettet werden konnten. Die höchste Anzahl bei einer Aktion in diesem Jahr. Insgesamt retteten Mordeja und Helfer im Kreis Hildesheim in den vergangenen Monaten 30 Kitze.

Sicherste Methode

„Früher gingen Jäger und Landwirte die Felder ab und hielten nach Kitzen Ausschau“, erinnert sich Christian Flögel, Vorsitzender der Hildesheimer Jägerschaft und Landwirt. Manche suchten mit Hunden, andere hätte Pfosten in den Boden geschlagen und mit Knistertüten bestückt, um das Wild zu verschrecken. „Doch so effektiv wie die Drohnensuche ist keine andere“, ist Mordeja überzeugt. Früher habe man an die Mähwerke auch Ketten montiert, um die Kitze zu verscheuchen. „Aber das bringt natürlich nichts, wenn sie noch zu jung zum Fliehen sind“, sagt Ohlms.

Rettung im letzten Moment

Kurz bevor der Akku am Ende seiner Ladung ist, schickt Mordeja die Drohne noch einmal in die Luft. „Quasi mit dem letzten Volt Strom haben wir noch zwei Kitze gefunden“, freut sich Mordeja. Er ist seit seiner Pensionierung Jäger. „Wir sind eben auch für die Hege und Pflege zuständig“, sagt der 67-Jährige.

Helfer sind den Jägern willkommen. Wer keine Mühe scheut, um 4 Uhr am Einsatzort zu sein und bis etwa 8 Uhr bei der Rettungsaktion zu helfen, kann sich bei Mordeja unter kitzrettung@mordeja.de melden. In diesem Jahr geht die Saison zu Ende. Interessierte können aber noch zuschauen, um im kommenden Jahr aktiv zu werden.

Bauer Ohlms senkt das Mähwerk. Beruhigt steuert er seinen Trecker über das Feld, um das Futter für seine Hochlandrinder zu scheiden. Ohne böse Überraschung.

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