Hildesheim - Weniger Arbeiten fürs gleiche Gehalt: Das Hildesheimer Parkhotel Berghölzchen führt im Lauf dieses Jahres die Vier-Tage-Woche ein – bei vollem Lohnausgleich. Mit dem Schritt will der Betreiber, die Halbersbacher-Gruppe, Fachkräfte binden und neue gewinnen. Denn in der Corona-Pandemie hat die Branche im Zuge von Lockdowns und Kurzarbeit viele qualifizierte Beschäftigte verloren. „ohne Mitarbeiter keine Leistung“, stellt der Hildesheimer Hoteldirektor Eberhard Haist nüchtern fest. „Wir müssen jetzt was tun, kreativ sein.“
Wie das genau aussehen soll, legte Arne Mundt, Geschäftsführer der derzeit elf – mit einer Neueröffnung in Dresden bald zwölf – Häuser umfassenden Halbersbacher-Gruppe, bereits Ende vergangenen Jahres fest, wie Haist jetzt gegenüber der HAZ berichtet. Die Umsetzung habe sich durch die Omikron-Welle und die damit einhergehenden Beschränkungen noch einmal verzögert, doch ab Mai sollten die Arbeitsverhältnisse schrittweise umgestellt werden.
36 statt 40 Stunden
Bislang arbeiten die 35 Beschäftigten im Berghölzchen, so weit sie Vollzeitstellen besetzen, fünf Tage die Woche, insgesamt 40 Stunden. Künftig sollen es bei gleichem Gehalt nur noch 36 Stunden sein, verteilt auf vier Tage. In einzelnen Bereichen würden deshalb auch neue Mitarbeiter gesucht, berichtet Haist. Insgesamt sei im Gegenzug für die Arbeitszeit-Reduzierung aber auch etwas mehr Flexibilität und die Bereitschaft zur Aushilfe in anderen Bereichen gefragt, ergänzt der Hoteldirektor. „Zudem müssen wir uns organisatorisch weiter verbessern.“ In der Belegschaft sei der Schritt jedenfalls mit Überraschung und Freude angenommen worden: „Vor allem diejenigen mit Kindern sind begeistert.“
Von Mai an sollen zunächst die Beschäftigten im Servicebereich in den Genuss der Vier-Tage-Woche kommen. Danach folgen in Zwei-Monats-Schritten weitere Abteilungen. „In allen Bereichen gleichzeitig könnten wir das nicht umsetzen, aber bis zum Jahresende wollen wir durch sein“, erklärt Haist. Die Auszubildenden müssten allerdings weiterhin fünf Tage pro Woche arbeiten.
Viele Anfragen für Feiern
Der Zeitpunkt sei jedenfalls richtig für einen solch gravierenden Schritt. Nach dem Ende der staatlichen Corona-Vorgaben herrsche schon eine gewisse Aufbruchstimmung. „Bei Geschäftsreisen spüren wir noch eine gewisse Zurückhaltung, aber bei Familienfeiern zum Beispiel können wir uns vor Anfragen kaum retten.“ Gespannt sei er zudem darauf, wie die Hannover-Messe, die erstmals seit 2019 wieder in Präsenz stattfindet, sich auf die Hotelbranche in der Region auswirken werde.
Auf der anderen Seite habe die Hotel- und Gastronomiebranche einen enormen Aderlass an Fachkräften hinter sich. Bundesweit rund 300.000 Beschäftigte haben sich in den gut zwei Jahren Corona-Krise in weniger betroffenen Bereichen neue Arbeitsplätze gesucht, darunter viel qualifiziertes Personal. „Da muss man sich schon bewegen als Unternehmen, um die zurückgewinnen oder neue potenzielle Beschäftigte zu begeistern“, stellt Haist fest. Vor diesem Hintergrund sei die Arbeitszeit-Verkürzung auch als „Motivationsschub für den Neustart“ zu verstehen.
Großes Hotel
Gespannt auf die Resonanz ist der Hoteldirektor auf jeden Fall. Sowohl was mögliche neue Mitarbeiter angeht, als auch mit Blick auf die Branche insgesamt. Mit 150 Betten in 78 Zimmern gehört das Parkhotel Berghölzchen zu den größeren Häusern in Hildesheim.
