Hochwasser 2023

Beim Hochwasser in Sarstedt packen auch Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern mit an

Sarstedt - Um die Hochwasser-Lage in den Griff zu kriegen, sind auch Einsatzkräfte aus anderen Bundesländern in Sarstedt und Giesen im Einsatz – wie das THW aus Speyer und Bremen-Süd.

Mithilfe von Großpumpen ziehen die Helferinnen und Helfer des THW-Ortsverbands Speyer die Wassermassen aus den „Edeka-Teichen“ am Teinkamp. Foto: Julia Moras

Sarstedt - Nun hat der Schlauch endgültig seinen Geist aufgegeben. „Das passiert früher oder später“, sagt Katharina Garrecht. Irgendwann wird eben das Gewebe porös. Und so macht sich ihr Team des THW-Ortsverbands Speyer schnell daran, Ersatz zu montieren. Schließlich muss weiter das Wasser aus den „Edeka-Teichen“ am Teinkamp abgepumpt werden. Seit Mittwochabend arbeiten dort mehrere Hochleistungspumpen nonstop, um die Wassermassen aus dem Becken raus, weiter in Richtung städtische Pumpstation und damit jenseits der Bahngleise zu leiten. Damit das Gewässer wieder Kapazitäten hat, für das, was da noch kommen mag.

„Ein üblicher Job“

Für Truppführerin Garrecht von der Fachgruppe Wasserschaden/Pumpen ist es nicht der erste Einsatz in der Region. Am zweiten Weihnachtsfeiertag brachen 48 Einsatzkräfte aus Rheinland-Pfalz auf, um in Niedersachsen Hilfe zu leisten. Mittwochmorgen um 6 Uhr nahmen sie im Industriegebiet Ahrbergen ihre erste Einsatzstelle in Betrieb. Nun sind sie in Sarstedt. Um Wasser von A nach B zu pumpen, sagt Garrecht. Und damit ein „üblicher Job“ für die Helferinnen und Helfer aus den Ortsverbänden in Frankenthal, Lahnstein, Hauenstein und Speyer.

Was so lapidar klingt, verlangt aber präzise Planung und technisches Know-how. Und die Hilfe von Hannibal. Einer Großpumpe mit einem Fördervolumen von 5.000 Litern – in der Minute. Umgerechnet kann das Modell, das am Teinkamp gleich in zweifacher Ausführung steht, in zwei Sekunden eine handelsübliche Badewanne leersaugen. Getoppt wird das nur von Börger, dessen vier Schläuche 25.000 Liter im gleichen Zeitraum ziehen. Rechnet man die kleineren Tauchpumpen noch hinzu, verlassen 40.000 Liter in der Minute die Edeka-Teiche.

Der Boden ist aufgeweicht, der Matsch quillt hoch

Der Boden ist aufgeweicht, der Matsch quillt hoch und die Pumpen brummen. Die Stimmung im Team ist gut, sagt Garrecht. Selbst, wenn die Hochwasserlage vielen Einsatzkräften die Feiertage und den Urlaub zwischen den Jahren kostet. „Wir wissen, auf was wir uns einlassen beim THW“, meint die 33-Jährige, die seit 18 Jahren ehrenamtlich für die Bundesanstalt tätig ist. Und genau für solche Lagen, für solche Einsätze, mache man den Job ja. Aber klar brauche es auch die Unterstützung der Familien und der Arbeitgeber.

Garrecht, die hauptberuflich als Öffentlichkeitsbeauftragte arbeitet, gehört eigentlich zur Bergungsgruppe, hat erst im Februar mit ihrem Hund im Erdbebengebiet in der Türkei nach Verschütteten gesucht. Für den Einsatz in Niedersachsen ist sie als Ersatz im Führungstrupp eingesprungen.

Gepackt für fünf Tage

Untergebracht ist sie mit ihren Kollegen und Kolleginnen in der Mehrzweckhalle Giesen. Als der Einsatzauftrag kam, hat Garrecht für fünf Tage gepackt. Doch wahrscheinlich geht es schon am Freitag zurück nach Hause. Das Personal wird dann ausgewechselt, die Ausrüstung, wie die Pumpen, bleibt. Das ist möglich, weil die Fachgruppen des Technischen Hilfswerks modular aufgebaut sind: Eine kann die Arbeit der anderen ohne Cut fortführen – wie Zahnräder, die ineinander greifen.

Über 100 THW-Kräfte waren in der Spitze für Sarstedt und Giesen, den Zuständigkeitsbereich des Ortsverbandes Sarstedt, im Einsatz, berichtet der Ortsbeauftragte Christian Rathke. Gearbeitet wird in Zwölf-Stunden-Schichten, von acht bis acht. „Der Zweischichtbetrieb hat sich gut bewährt“, sagt Rathke.

Bei Arne Wontorra und Peter Finke dagegen fallen auch Überstunden an. Die Männer gehören zur Fachgruppe Logistik-Verpflegung Bremen-Süd, die für die Verpflegung der Einsatzkräfte zuständig sind. In der Spitze bis zu 200 Essen. Frühstück, Mittagessen, Abendbrot. Bei Bedarf gibt es auch die sogenannte Mitternachtsverpflegung.

Das neunköpfige Team versorgt sämtliche Einsatzkräfte – vom THW über die Feuerwehr bis zum Bauhof – in der Feuerwache Im Kirchenfelde. Eine weitere Verpflegungseinheit ist in Giesen stationiert. Wontorra und Finke sind ebenfalls seit dem zweiten Feiertag auf Tour. „Eigentlich ist es schöner, zwei bis drei Tage vorher einen ersten Essensplan aufstellen zu können“, sagt der 32-jährige Wontorra. Doch Zeit bleibt nicht immer, wenn sie gerufen werden. Ein schnelles Erstgericht für 100 Leute können sie aus dem zaubern, was sie selbst mitbringen. Dann muss eingekauft und gekocht werden.

Am Dienstag hatte extra der Leiter des Großhandels Mios für die Helfer aufgemacht, damit sie sich mit Lebensmitteln eindecken konnten, berichtet Wontorra. Größte Herausforderung – neben kurzen Nächten und langen Tagen – ist die Frage, für wie viele Menschen muss gekocht werden, sagt der 74-jährige Finke. Die Zahl schwankt täglich. An diesem Donnerstag gibt es mittags Curry Bowl. Eine kleine Auszeit – bevor es für die Helferinnen und Helfer weitergeht.

Auch am Donnerstag informiert die HAZ fortlaufend im Liveticker über das Hochwasser in der Region.

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