Serie „Unter vier Augen“

„Beim Segeln ist es wie mit der Hochschule: Es geht immer nur vorwärts“ – Marc Hudy ist HAWK-Präsident und Kapitän auf See

Hildesheim - Zwei Menschen, ein Thema – in diesem Sommer startet die HAZ wieder ihre Sommerserie „Unter vier Augen“. Diesmal spricht Norbert Mierzowsky mit HAWK-Präsident Marc Hudy übers Segeln. Ein Interview darüber, wer an Bord das Sagen hat und wie man Ziele auch erreichen kann, wenn einem der Wind mal ins Gesicht bläst.

Marc Hudy behält als Segler immer auch stürmische Zeiten im Blick. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Zwei Menschen, ein Thema – in diesem Sommer startet die HAZ wieder ihre Sommerserie „Unter vier Augen“. Diesmal spricht Norbert Mierzowsky mit HAWK-Präsident Marc Hudy übers Segeln. Ein Interview darüber, wer an Bord das Sagen hat und wie man Ziele auch erreichen kann, wenn einem der Wind mal ins Gesicht bläst.

Ist das Steuern eines Segelschiffes eigentlich mit dem Steuern einer Hochschule vergleichbar?

Ja, das Boot muss gepflegt und immer gut behandelt werden, es muss auch mal frisch gestrichen oder etwas muss erneuert werden – das ist das Gleiche wie mit einer Hochschule. Bei unserem Boot machen wir das alles selber als Familie. Es ist ein Familienboot, wir teilen die Liebe zum Segeln und die Neigung zum handwerklichen Arbeiten. Ich habe die ganze Technik, Maschine, Getriebe, Wellenanlage mit meinem Sohn zusammen gewechselt. Der Lohn ist, wenn wir es dann zu Wasser lassen und alles funktioniert.

Ihr Boot und die Hochschule – wobei ähneln sie sich?

Unser Boot ist ein kleines Boot, eine Hallberg P28, das ist ein Langkieler, ein Klassiker. Es ist schmal, lang und durch den langen Kiel geht es ganz weich durch die Wellen, so dass es auch Gegenwind verträgt. Es ist ein bisschen wie unsere Hochschule, die ist auch geschmeidig. Aber so ein Langkieler will auch behutsam gesteuert werden, der weiß schon von allein, wo er hinfährt, der braucht nur kleine, aber entschiedene und kräftige Impulse am Ruder – so wie die Hochschule. Denn wenn man zu sehr am Ruder reißt, dann stellt er sich quer, die Strömung reißt ab und das Ding bleibt stehen. Und noch einen Vergleich von meinem Boot mit der Hochschule finde ich schön: Es kann nur vorwärts, nicht rückwärts.

Wer hat das Kommando?

Wir alle drei. Immer die Person von uns, die am Ruder ist. Sie gibt grundsätzlich die Kommandos, und dann sind die Rollen klar verteilt. Einer navigiert, einer schaut, wo die Seezeichen sind. Wir segeln auch gerne nachts, dann wechseln wir uns ab, damit einer auch mal schlafen kann. Am nächsten Morgen, stimmen wir uns immer wieder ab, wie es weitergeht. Wo wollen wir hin, was ist ein guter Weg? Und was ist Plan B, C, D, wenn der Wind wegbleibt? Das ist so eine ständige Aufgabe, bei uns an Bord und bei mir ja auch beruflich.

Und wie ist es mit der Teamarbeit an Bord?

Ich bin früher schon mit unterschiedlichen Mannschaften viel gesegelt und war Jugendgruppenleiter bei Segelfreizeiten. Die sind Teambuilding pur, alle müssen zusammenwirken, sonst funktioniert es nicht. Das zählt an Bord und auch an der Hochschule – eins zu eins.

Wer kocht?

Zuhause häufig ich und wenn wir unterwegs sind, so Hälfte Hälfte, oft gemeinsam. Meine Frau kocht eigentlich unterwegs viel lieber. Auf einer kleinen, offenen Flamme. Bei uns an Bord gibt es dann zum Beispiel gebratene Babyscholle mit Jungkartoffeln. Wir haben zwar oft das kleinste Boot im Hafen, aber wir mögen schönes Geschirr und einen fein gedeckten Tisch. Das unterscheidet uns manchmal von unseren Nachbarn auf den großen Booten.

Also die Ostsee ist das Segelgebiet für die Touren mit dem schönen, schlanken Schiff. Ist die Hochschule dagegen nicht eher ein träger Tankerkonvoi mit drei großen Schiffen?

Ja, wir segeln an der Ostsee. Unser Boot liegt auf Fehmarn. Und nein, die Hochschule ist kein Tankerkonvoi mit drei großen Schiffen, überhaupt nicht. Sie ist ja im Vergleich zu anderen nicht groß und nicht schwerfällig, eher klein, schlank und beweglich. Unsere Hochschule ist eher eine kleine Flotte mit drei hübschen Schiffen.

Die Ostsee und das große Meer, da ist die Ostsee doch eigentlich eine Art Provinz – so wie Hildesheim, oder?

Und auch wunderschön. Wenn ich mir die niedersächsischen Landschaften vorstelle, verbindet man damit ja eher nicht Aufregung oder einen urbanen Raum, so wie London. Das ist genauso wie bei der Ostsee. Sie ist nicht Biskaya, Pazifik oder Karibik. Das Schöne an der Ostsee ist, dass man mit relativ kurzen Wegen weg ist und ankommt und trotzdem eine Reise gemacht hat. Ich brauche nur aus dem Hafen herauszufahren, irgendwo Anker werfen, und ich bin draußen. Das ist schön. 

Das klingt ein bisschen nach Schrebergarten.

Das Entscheidende ist, dass man mit dem Boot immer woanders sein kann. Wir lieben das Reisen. Wir haben seit drei Jahren auch einen umgebauten VW-Bus, einen ehemaligen Transporter. Der ist immer da, der ist immer gepackt, damit sind wir komplett autark. Er steht gesattelt vor der Tür und was wir immer dabeihaben, sind die Boule-Kugeln.

Auch auf dem Schiff? Das hört sich aber stark nach Frankreich an. Wie weit reicht bei Ihnen denn die Reiselust?

Sehr unterschiedlich. Und es hängt immer vom Wetter ab. Letztes Jahr wollten wir in die Bretagne. Dann meldete der Wetterbericht 42 Grad, die Bretagne war übervoll im August, und wir haben eine Fähre nach Göteborg gebucht und sind die schwedische Westküste hochgefahren bis nach Oslo. Wir entscheiden das spontan.

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