Hildesheim - Als Karl Heinz und Christel-Ines Ruzicka vor 65 Jahren Hochzeit feiern wollten, mussten sie sich die Erlaubnis für ihre Heirat erkämpfen – sie waren nämlich beide noch minderjährig. Das Amtsgericht und das Landgericht hatten ihnen die notwendige Volljährigkeitsbescheinigung verweigert, berichtet Karl Heinz Ruzicka. Heiraten wollten die beiden aber unbedingt, schließlich war das erste Kind schon unterwegs.
Damit doch noch etwas aus der Trauung am 16. Juni 1961 werden konnte, wandte Ruzicka einen Trick an: Er teilte dem Oberlandesgericht mit, bekämen sie keine Erlaubnis für die Hochzeit, würden sie in die DDR ziehen – da galt die Volljährigkeit anders als in der Bundesrepublik schon ab 18 Jahren. Eine Woche später hatten sie das gewünschte Dokument. So kam es nicht zum vorübergehenden Umzug in die DDR – glücklicherweise, denn vermutlich wäre das Paar nicht zurück gewesen, ehe sich im August mit dem Mauerbau die Grenze schloss.
Bei einer Silvesterfeier 1958 im Lokal „Der Mond“ tanzten die beiden zum ersten Mal miteinander. Da hatte Karl Heinz Ruzicka auf Christel-Ines, geborene Freier, aber schon längst ein Auge geworfen. Als Friseurlehrling im Zingel kaufte sie manchmal im Geschäft gegenüber Zigaretten für ihren Chef. Und dort saß ihr späterer Mann gern mit anderen Fußballfans zusammen, um über die Spiele des VfV Hildesheim zu fachsimpeln.
Fünf Töchter und ein Sohn
Christel-Ines Freier kam 1943 zur Welt und lebte mit ihrer Mutter zeitweise in Hildesheim, zeitweise in Helmersen bei den Großeltern. Ihre Friseurlehre brach sie wegen der Geburt ihrer ersten Tochter Ines ab. Es folgten die Töchter Dorien, Undine, Saskia und Desiree sowie Sohn Honsa Imre. Heute hat das Paar zwölf Enkel- und sechs Urenkelkinder. Zur Familie gehört auch ihr Hund Winnie.
Als die Kinder größer wurden, ging die Mutter auch wieder arbeiten, erst bei Kloth Senking, dann bei den Diakonischen Werken Himmelsthür als Nachtwache. Eine gute Entscheidung, sagt sie heute, und: „Ich weiß nicht, wie ich das geschafft habe, aber es ging.“ Auch deshalb, weil ihr Mann während ihrer Arbeitszeiten die Kinderbetreuung übernahm. Wie es ihnen gelungen ist, sich in 65 Jahren Ehe nicht zu trennen? „Dazu hatten wir gar keine Zeit“, sagt Christel-Ines Ruzicka.
Karl Heinz Ruzicka ist 1941 im damaligen Zuckmantel im Sudetenland geboren, heute Zlaté Hory in Tschechien. Seine Mutter flüchtete mit fünf Kindern zu Fuß, erzählt Ruzicka. Sein kleinster Bruder starb auf der Flucht an Hunger. Die Familie fand in Bockenem ein neues Zuhause, drei weitere Kinder kamen dort zur Welt. 1953 ertrank einer der Brüder in der Nette, danach zog die Familie nach Hildesheim um. Ruzickas Vater machte sich selbstständig, Karl Heinz lernte bei ihm den Beruf des Klempners und Installateurs, den er bis zur Rente ausübte.
Eine Hochzeitsreise gab es 1961 nicht – doch dieses Jahr geht es in Urlaub
Eine Hochzeitsreise konnte sich das Paar 1961 nicht erlauben, doch dieses Jahr ist ein Urlaub in Österreich geplant. Gern sind beide auch nach Bayern gereist oder haben Städtetouren unternommen – und zweimal haben sie bei der Fernseh-Show „Bingo!“ im NDR einen Urlaub gewonnen. Im vergangenen Herbst wurde Karl Heinz Ruzicka sogar als Kandidat in die Show eingeladen und nahm 8000 Euro Gewinn mit nach Hause. Die Ruzickas spielen weiter mit.
