Baudenkmal

Beliebter Ausflugsort soll wieder geöffnet werden: Hildesheimer gründen Förderverein für den Bismarckturm

Hildesheim - Hildesheimer gründen einen Förderverein, um Geld für die Sanierung des Bismarckturms auf dem Galgenberg zu sammeln. Decken und Stahltreppe müssen erneuert werden. Was noch geplant ist und wieviel es kosten soll.

Der Bismarckturm auf dem Galgenberg soll wieder für Besucher und Besucherinnen als Aussichtsturm zugänglich gemacht werden. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Der Bismarckturm soll saniert und wieder zu einem beliebten Ausflugsziel auf der Marienburger Höhe werden. Um das notwendige Geld für die Instandsetzung zu sammeln, wird gerade ein „Förderverein Bismarckturm in Hildesheim e.V.“ gegründet. Die Gründungsversammlung hat schon stattgefunden, es gibt einen Vorstand und eine Satzung, nun muss der Verein noch eingetragen werden. Das sollte im Januar erledigt sein, spätestens im Frühjahr soll es losgehen mit Aktionen, um Sponsoren zu gewinnen und Spenden einzuwerben, so der Vorstand. Dem gehören unter anderem Tom Bodenbach als Vorsitzender, Enzo Calvanico als stellvertretender Vorsitzender, Detlef Kentler als Schatzmeister und der frühere Stadtbaurat Thomas Kulenkampff als Protokollführer an.

Die Stadt als Eigentümerin des 1905 eingeweihten Bismarckturms hatte ihn 2020 geschlossen, weil er durch Taubenkot völlig verdreckt war. Der Treppenaufgang wurde gereinigt und desinfiziert und danach der Ausstieg nach oben provisorisch verschlossen, um die Tauben fernzuhalten. Im Anschluss ergab eine Untersuchung, dass die Decken des Turms und der Treppenaufstieg nicht mehr tragfähig und auch nicht mehr sanierungsfähig sind, so dass sie erneuert werden müssen. Danach soll die Treppe zur Aussichtplattform so überdacht werden, dass weder Tauben noch Regenwasser in den Turm eindringen können.

Im Juni 2021 wurden dem Ortsrat Marienburger Höhe/Galgenberg geschätzte Kosten der Sanierung in Höhe von 155.000 Euro mitgeteilt, im August 2021 lag die Kostenschätzung bereits bei 212.000 Euro, wie Stadtsprecher Helge Miethe mitteilt. Als im Februar im Auftrag der Stadt der Bauantrag erstellt wurde, seien die Kosten mit 395.000 Euro angegeben worden. Den erheblichen Anstieg erklärt Miethe unter anderem dadurch, dass ein neuer Posten hinzugekommen sei: Um den Zugang zu kontrollieren, solle ein elektrisches Schloss angebracht werden, auch fehlt es bisher an Beleuchtung. Doch der Turm ist noch gar nicht an an das Stromnetz angeschlossen. Das mache einen großen Teil der Gesamtkosten aus.

Sanierung soll vollständig aus Spenden finanziert werden

Früher seien die Schlüssel zum Turm von Ortsratsmitgliedern – unter anderem ihm selbst – verwaltet worden, erläutert Enzo Calvanico. Wer den Bismarckturm erklimmen wollte, musste sich telefonisch oder per Mail anmelden, um einen Schlüssel und damit Zugang zu erhalten. „Das Angebot wurde sehr gut angenommen“, erinnert sich die ehemalige Ortsbürgermeisterin Nicole Reuß.

Die Kosten der Sanierung sollen komplett von Spenden getragen werden. Die Ausführung übernehme aber die Stadt, sagt Kulenkampff. Die Baugenehmigung liegt vor. Sobald die ersten Teilsummen gesammelt seien, könnten auch abschnittsweise die Arbeiten beginnen, erklärt Detlef Kentler. Er halte es für möglich, innerhalb von zwei Jahren die Finanzierung und Sanierung abzuschließen: „Warum soll man nicht daran glauben, dass es in Hildesheim Menschen gibt, die das unterstützen“, meint er. Zudem hoffen die Mitglieder, dass die Instandsetzung doch nicht ganz so teuer wird wie jetzt geschätzt.

Der 20 Meter hohe Turm wurde in den Jahren 1902 bis 1903 zu Ehren des früheren Reichskanzlers Otto von Bismarck erbaut und 1905 eingeweiht. Nach Bismarcks Entlassung aus dem Amt 1890 war um ihn ein Personenkult entstanden, und die Deutsche Studentenschaft rief dazu auf, im ganzen Reich auf Anhöhen Säulen zu Bismarcks Ehren zu errichten. Der Entwurf für den Hildesheimer Turm stammt von Wilhelm Kreis und trug den Namen „Götterdämmerung“. Weitere 46 Türme entstanden nach diesem Entwurf; es gab aber auch andere: Insgesamt wurden laut „Infoportal Bismarcktürme“ 243 Türme errichtet, 175 im In- und Ausland gibt es noch.

Zu Bismarcks Geburtstag wurde Feuer auf dem Turm entzündet

Auf der Spitze des Hildesheimer Turmes stand ursprünglich eine eiserne Schale, in der bei Feierlichkeiten zu Bismarcks Geburtstag ein Feuer entzündet wurde.

Dem Förderverein gehe es aber nicht um das Gedenken an Bismarck, erläutert Thomas Kulenkampff, sondern um den Erhalt eines Kulturdenkmals und eines Ausflugszieles für die Hildesheimer und Hildesheimerinnen. Der Turm biete eine „hervorragende Aussicht“ über die Stadt. Denkbar wäre auch eine Gestaltung des Umfelds zum Beispiel mit Bänken und einem Schild, das den geschichtlichen Hintergrund erläutert, ergänzt Enzo Calvanico.

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