Berufsausbildung

Berufsschulen: So will die Stadt Hildesheim künftig mit dem Thema umgehen

Hildesheim - In der „Aktuellen Stunde“ des Stadtrates beteuert die Verwaltung ihr Engagement und ihren Willen zur Zusammenarbeit mit dem Kreis – und bekommt aus der Politik ein paar eindeutige Botschaften. Doch auch an den Kreis gibt es klare Erwartungen.

Michael Lehrke, Vorsitzender des Personalrats der Werner-von-Siemens-Schule, trägt Fragen von Schulleiter Tilman Diepholz-Seeger vor, der nicht in Hildesheim wohnt und deshalb nicht selbst im Rat auftreten konnte. Lehrkräfte und Schülerinnen der Berufsschulen verfolgten die Sitzung. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Stadt und Landkreis sollen und wollen beim Thema Berufsschulen eng zusammenarbeiten – das ist die Quintessenz einer „aktuellen Stunde“ zu dem Thema zu Beginn der Sitzung des Hildesheimer Stadtrates am Montagabend. Die Stadtverwaltung kündigte intensive Gespräche mit dem Kreis an. Vertreter von SPD, CDU und Grünen machten deutlich, dass sich auch die Stadtpolitik aufgerufen sieht, sich intensiver mit dem Thema zu befassen. Verwaltungsspitze und Rat beteuerten, die Berufsschulen hätten einen hohen Wert für die Stadt, ihre Zukunft sei sehr wichtig.

Münters Kritik

Die CDU-Fraktion hatte die Aktuelle Stunde beantragt – nicht gerade zur Begeisterung von Oberbürgermeister Ingo Meyer, der anmerkte, die Notwendigkeit könne man „bestreiten“. Dafür erntete er allerdings Widerspruch aus der Mehrheitsgruppe. Ulrich Räbiger (Grüne) sprach der CDU ein „echtes Dankeschön“ aus: Es sei „richtig gut“, das Thema auf die Tagesordnung zu setzen, da es viel Unsicherheit in der Bevölkerung gebe. Tobias Eckardt (SPD) stieß ins gleiche Horn. Die Anwohnerfragen und die große Präsenz im Publikum zeige, dass die Aktuelle Stunde richtig sei.

CDU-Fraktionschef Dennis Münter hatte den Punkt unter die Prämisse gestellt: „Was ist notwendig, um die wichtige Fachkräfte-Ausbildung zu erhalten und auszubauen?“ Es sei „nicht ersichtlich, dass auch die Stadt intensiv daran arbeitet“, monierte er. Das betreffe gerade auch die Suche nach alternativen Standorten für die drei Landkreis-Berufsschulen Walter Gropius, Herman Nohl und Werner von Siemens.

Kein Platz für Campus?

„Sollte der Eindruck entstanden sein, die Stadt messe den Berufsschulen nicht den gebührenden Wert zu, tut mir das leid – aber es ist falsch!“, betonte Oberbürgermeister Meyer. Es müsse „schnellstens“ etwas geschehen, das sei auch für die Firmen ganz wichtig. Ohne gut ausgestattete Berufsschulen drohe hiesigen Betrieben „ein Standortnachteil“.

Wie Meyer betonte auch Stadtbaurätin Andrea Döring, es gebe einen intensiven Austausch mit dem Kreis. Dessen ursprüngliche Anfrage nach einem 5,5 Hektar großen Grundstück für einen Berufsschul-Campus habe die Stadt aber nur abschlägig bescheiden können, da sie eine solche Fläche nicht habe.

Probleme im Stadtfeld

Aktuell strebt der Landkreis eine deutliche Erweiterung in der Von-Thünen-Straße an, wo bislang eine Außenstelle der Werner-von-Siemens-Schule besteht. Das müsse aber ausführlich mit den Bewohnern des Stadtfeldes erörtert werden, denn auf die komme durch das geplante Gefahrenabwehrzentrum bereits eine erhebliche zusätzliche Lärm- und Verkehrsbelastung zu, so Döring. Sie wolle gemeinsam mit Kreis-Dezernent Walter Hansen die Kommunikation vor Ort vorbereiten.

Ulrich Räbiger teilte diese Sorge. Möglicherweise gebe es aber auch Alternativen wie eine eigene Zufahrt zu einer der Bundesstraßen. Ein weiterer Punkt sei allerdings der Wunsch, dort bezahlbaren Wohnraum zu schaffen: „Wo soll der stattdessen entstehen?“ Wegen dieser Zusammenhänge sei es eben nicht einfach mit einer Grundstücksanfrage des Kreises getan. Die Komplexität solcher Standort-Entscheidungen betonte auch OB Meyer.

Eckardts Ansage

SPD-Mann Eckardt forderte „Tempo, Transparenz und Teamplay“ der Verwaltungen von Stadt und Kreis. Doch er sagte auch: „Wir beklagen oft, dass die Verwaltungen nicht gut zusammenarbeiten – aber wir als Politiker in Stadtrat und Kreistag müssen auch miteinander reden, dass ist auch eine Aufgabe der Politik.“

Stadtbaurätin Döring betonte ihre Bereitschaft, auch alternative Standorte zu prüfen: „Dann muss der Kreis aber sagen, welche Anforderungen er genau hat.“ Sie verstehe indes, dass der Kreis versuche, zunächst einmal an seinen bestehenden Standorten zu sanieren und auszubauen, und verwies darauf, dass auf dem Areal der BBS Steuerwald in weiten Teilen fünf Stockwerke erlaubt seien. OB Meyer merkte unterdessen an, Berufsschulen seien „auch in zentraler Lage statt am Stadtrand gar nicht schlecht“ – weil dann vielleicht auch keine Autos nötig seien, um dorthin zu gelangen.

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