Sarstedt - Nach fast 50 Jahren Planungen, Suche nach Fördertöpfen und politischen Auseinandersetzungen sind die westlichen Ortsteile Sarstedts seit Samstag deutlich besser an die Kernstadt angebunden. Vertreter des öffentlichen Lebens sowie Bürger eröffneten am Vormittag die neue Bahnunterführung, die den seit Jahrzehnten in der Kritik stehenden Übergang an der Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße ersetzt.
„Für die Stadt Sarstedt ist heute ein historischer Tag“, sagte Bürgermeisterin Heike Brennecke bei der offiziellen Eröffnung. Der Sarstedter SPD-Landtagsabgeordnete Markus Brinkmann sprach von einem „jahrzehntelangen Traum von Kommunalpolitikern und Bürgern“, der in Erfüllung gegangen sei. Klaus Remke, Projektleiter Eisenbahnbrücken bei DB Netz, hob eine „ganz brillante Leistung“ hervor, die hier allen Beteiligten gelungen sei.
Gemeinsam mit der stellvertretenden Landrätin Waltraud Friedemann schnitten die drei am Vormittag ein symbolisches Band am Eingang der sogenannten Trogstrecke durch – anschließend machten sie sich zu Fuß auf den rund 200 Meter langen Weg, der die Gleise unweit des Nordrings unterirdisch quert und auf der anderen Seite wieder auf die Friedrich-Ludwig-Jahn-Straße führt. Mehr als zwei Jahre sind seit dem Baustart vergangen. Arbeiter hatten rund 30.000 Kubikmeter Material aus dem Boden entfernt und die neue Unterführung anschließend mit 12.000 Kubikmeter Beton aufgebaut. Die Baukosten in Höhe von 27 Millionen Euro haben der Bund, das Land und die Bahn geschultert. An den zusätzlichen Planungskosten in Höhe von 3,5 Millionen Euro war auch die Stadt Sarstedt beteiligt.
Die Freude über den erfolgreichen Abschluss war vielen ins Gesicht geschrieben
Die Freude über den erfolgreichen Abschluss war denn auch vielen ins Gesicht geschrieben. „Ich habe damals noch die ersten Verträge unterzeichnet“, berichtete etwa Karl-Heinz Wondratschek, der bis 2014 Bürgermeister Sarstedts war. Als wichtigen Motor des Projekts stellte seine Nachfolgerin Brennecke aber vor allem ihren derzeitigen Bauamtsleiter Rembert Andermann dar. „Wir machen das jetzt“, habe dieser irgendwann gesagt – und sich bis zum Schluss persönlich in die Arbeit gestürzt.
Gewürdigt wird mit der neuen Unterführung aber vor allem ein anderer: Der Schliekumer Hans-Henning Brandes hatte die Unterführung vor fast 50 Jahren angestoßen und über Jahrzehnte dafür gesorgt, dass das Thema nicht mehr einschläft. „Ihm zu Ehren wird die Straße Hans-Henning-Brandes-Straße heißen“, sagte Brennecke, die gemeinsam mit Familienmitgliedern ein symbolisches Straßenschild enthüllte. Sebastian Brandes, ältester der drei Söhne des Sarstedter Ehrenratsherrn, bedankte sich für die Ehrung seines Vaters. „Dieses Projekt lag ihm besonders am Herzen“, sagte Sebastian Brandes. Es sei der Wunsch seines Vaters gewesen, als Erster durch die neue Unterführung zu fahren. „Das ist ihm aber nicht gelungen“, sagte Sebastian Brandes. Sein Vater war 2019 im Alter von 84 Jahren gestorben. Und so mussten andere diese Aufgabe übernehmen. Um 16 Uhr wurde die Trogstrecke am Samstag für Autos freigegeben. Das geduldige Warten vor der geschlossenen Schranke ist damit beendet. Sie soll 2023 zurückgebaut werden. „Und dann werden wir noch für Licht und Grün in der Umgebung sorgen“, kündigte Brennecke bereits an.


