Nach Merkel-Appell

Hildesheimer Betriebe können Mitarbeiter professionell testen lassen

Hildesheim - Viele Firmen würden ihre Mitarbeiter auf Corona testen lassen, wissen aber nicht wie. Jetzt gehen gleich zwei Anbieter an den Start, die Konzepte speziell für Unternehmen entwickelt haben.

Wie geht das genau? Bernd Westphal lässt sich von Sebastian Adamski am Testzentrum auf der Lilie die Anmeldung per QR-Code erklären. Foto: Julia Moras

Hildesheim - Noch ist es nur eine dringende Empfehlung der Bundeskanzlerin: Firmen sollen ihre Mitarbeiter mindestens einmal, besser mehrmals wöchentlich auf Corona testen lassen, um die Ausbreitung des Virus am Arbeitsplatz zu unterbinden. „Bei meinen Firmenbesuchen habe ich in den vergangenen Tagen den Eindruck gewonnen, dass die Betriebe den Appell durchaus ernst nehmen“, sagt der SPD-Bundestagsabgeordnete Bernd Westphal. Allein: Die wenigsten haben bislang ein schlüssiges Konzept, wie die Mund-auf-Stäbchen-rein-Methode in den Betriebsalltag integriert werden kann und soll.

Statt dessen beobachtet Sebastian Adamski, der mit seiner Firma Hil-Care das Testzentrum auf der Lilie und die Drive-In-Teststation auf dem Volksfestplatz betreibt, dass Firmentests immer häufiger in die Bürgertestzentren verlagert werden: Das Drive In steuerten immer häufiger Firmenfahrzeuge an, vor dem Zelt in der Innenstadt stehen Anzugträger aus umliegenden Büros Schlange.

„System wird ausgenutzt“

Zwar lässt sich nicht unterscheiden, ob sich die Leute hier nun gerade privat testen lassen oder ob sie auf Anraten ihres Arbeitgebers da sind. Und es fragt auch niemand danach. Adamski findet diese Vermischung aber nicht in Ordnung. „Ich empfinde es nicht als gerecht, wenn jemand das soziale System der Bürgertestung ausnutzt, um seine Betriebskosten auf die Allgemeinheit abzuwälzen.“

Bürgertests sind kostenlos, Hil-Care rechnet über die Kassenärztliche Vereinigung ab, die sich an das Bundesamt für soziale Sicherung wendet, das seinerseits die Ausgaben erstattet bekommt aus der Liquiditätsreserve des Gesundheitsfonds, der aus Steuergeld gespeist wird. „Geld verdiene ich mit den Testzentren nicht, das ist ein reiner Non-Profit-Betrieb, für den nur die tatsächlichen Ausgaben erstattet werden“, versichert Adamski. Aber er wolle einfach mal wieder „auf dem Marktplatz ein Bier trinken“. Deshalb gründete er vor gut drei Wochen die Betreiberfirma Hil-Care – und am Donnerstag die Firma Hil-Care Business, die Betrieben für Mitarbeitertests individuell zugeschnittene Lösung anbieten will.

Einchecken mit dem QR-Code

Montag soll es losgehen: Jeder Betrieb bekommt einen QR-Code, die Mitarbeiter können dann in die bestehenden Testzentren gehen, der Chef kriegt anonymisiert die Auswertung – und natürlich die Rechnung. Je nach Absprache kommen Tester auch in den Betrieb oder übernehmen die Dokumentation. Jeder Test wird mit 18 Euro in Rechnung gestellt, dazu kommen pro Mitarbeiter monatlich fünf Euro „Digitalgebühren“.

Westphal zeigte sich angetan von dem System: „Testen ist die Chance. Der wirtschaftliche Schaden einer Infektionswelle im Betrieb wäre viel höher als die Kosten.“ Das Engagement von Adamski sei „Klasse“. Am Morgen hatte Gesundheitsminister Spahn das Ziel formuliert, dass in 90 Prozent der Betriebe zwei bis drei Tests wöchentlich gemacht werden sollten. „Via Arbeitsschutzgesetz wäre eine solche Vorgabe auch verpflichtend möglich“, so Westphal.

Seit Öffnung der Hil-Care-Zentren am 23. März sind bislang übrigens rund 7500 Menschen getestet worden, sieben Ergebnisse waren positiv, zwei davon falsch positiv.

Bus kommt in Gemeinden

Das Thema Testen hat sich nun auch der Chef des Hildesheimer Pflegedienstes ProVida, Philipp Seifert, auf die Fahnen geschrieben: Er lässt gerade einen Bus zu einem mobilen Testzentrum ausbauen, um auch in Landkreisgemeinden Tests an Ort und Stelle anzubieten. „Ich habe heute telefonisch die Zulassung vom Gesundheitsamt bekommen“, sagt Seifert gestern. Noch am selben Tag hat er seine Internet-Kontaktadresse www.testmobil-hildesheim.de freigeschaltet.

Los geht es am Freitag, 23. April: Dann steht der Testbus erstmals von 14 bis 19 Uhr in der Rathausstraße 10 in Schellerten. Immer samstags, erstmals am 24. April, geht es von 8 bis 14 Uhr nach Algermissen. Das Testmobil parkt in der Ostpreußenstraße 18. Immer dienstags ab 27. April rollt der Bus mit dem medizinisch ausgebildeten Fachpersonal in die Schinkelstraße 4 in Hildesheim. Getestet wird hier von 8 bis 14 Uhr. Pro Tag sind bis zu 250 Abstriche möglich. Den Befund gibt es wenig später per E-Mail.

Firmentests vor der Haustür

Darüber hinaus will Seifert aber auch Firmentests anbieten, mehrere Anfrage lägen bereits vor. Der Bus komme in die Betriebe, bringe alles Nötige mit. Pro Stunden könnten dann bis zu 30 Mitarbeiter getestet werden. Je nach Dauer und Größe koste ein Test zwischen 15 und 20 Euro, sagt Seifert.

Außerdem will er mit tagesaktuellen Schnelltests Vereinen, Sport- und Kulturanbietern sowie Familien wieder ein Zusammenkommen ermöglichen. Den Auftakt macht am 24. April die Freiwillige Feuerwehr Algermissen, die seit einem Jahr nicht mehr gemeinsam üben konnte. Mit den entsprechenden negativen Testergebnissen sollen die Feuerwehrleute dann wieder für den Ernstfall trainieren können.

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