Hildesheim - Endlich Ferien und ab in den Urlaub! Um den Weg dorthin so richtig zu genießen, machen wir heute eine kleine Zeitreise. Bitte Einsteigen! Wir fahren zurück ins Jahr 1979. Braunschweig, meine Familie, morgens um 7 Uhr.
Koffer werden getragen, nicht gerollt
Die Mutti hat am Vorabend alle Koffer gepackt, auch den für Papa. Sie legt ihm schließlich jeden Tag seine Garderobe raus, also weiß sie Bescheid, was er mag und braucht. Sie packt auch für uns Kinder und für sich. Der Mann ist gefragt, um die Koffer ins Auto zu wuchten. Er trägt die Dinger. Koffer mit Rollen waren noch nicht erfunden. In der Werbung werden lediglich Samsonite-Koffer als Rodelschlitten zweckentfremdet.
Volle Kühltasche
Während der Papa Koffer für Koffer verstaut, schmiert Mutti Brote und bestückt die Kühltasche zudem mit zwei Paketen Sunkist für meine Schwester und mich. Auf die Wurstbrote kommen die Kühlakkus, fertig, Deckel zu. Obst tropft womöglich auf die Sitze – gibt‘s deshalb nicht. Zwei Hunde, zwei Kinder, alles einsteigen, und los geht die launige Fahrt. Die Eier! Mutter kehrt noch einmal um und schaut, ob sie den Herd nach dem Eierkochen ausgeschaltet hat. Hat sie.
Auto ist vollgestopft
Auto ohne Kinderunterhaltung oder Klimaanlage. Die Kinder sitzen hinten, Knie angewinkelt, weil zwischen den Sitzen die Kühltasche und die mit den Schuhen stehen. Zwischen mir und meiner Schwester sitzt der große Hund. Da es hinten keine Sicherheitsgurte gibt, strecken wir die Beine auf der Rückbank aus. Der Hund findet es gemütlich. Vorne, in Muttis Fußraum, liegt der kleine Hund.
Stau! Papa betätigt Kurbel-Klima (Scheibe runter). Blick zur Seite. Andere Fenster werden ebenfalls geöffnet. Dicke Rauchwolken ziehen ab. Die Kinder auf den Rücksitzen sehen grünlich aus, weil deren Eltern offenbar die ganze Zeit qualmen, die Fenster aber zu bleiben. Zugluft ist ungesund! Es geht weiter. Fenster zu, sonst zieht es auch bei uns.
Navi auf der Rückbank
Vater hat den Weg zum Urlaubsort im Kopf. Nur ganz selten ist er unsicher. Dann muss das Navi auf der Rückbank ran: meine Schwester. Mutti kann keine Karten lesen. Ich kann das auch nicht. Dafür muss ich oft aufs Klo und bekomme den Strohhalm nicht in die Sunkistpappe. Der Hund hat Blähungen. Das Fenster bleibt trotzdem zu. Kurzer Stopp an der Raststätte. Lüften. Mutter und wir Mädels gehen in Richtung Toilette. Mutti wirft einen Groschen in den Kasten an der Tür, die sich nur so öffnen lässt. Für uns hält sie dann die Tür fest. Spart 20 Pfennig! Und dann, nach ein paar Stunden, endlich da. Ist das schön hier, Kinder!
Ende der Zeitreise. Bitte aussteigen. Ich wünsche Ihnen einen schönen Urlaub. Genießen Sie ihn.
