Hildesheim - Zu einer Zeit im Jahr stresst es mich besonders, durchs Internet zu scrollen, liebe Julia – und die ist genau jetzt. Denn: Der Black Friday steht an, die Black Week ist in vollem Gange und der Black Month, der läuft schon längst. Heißt: Es ist Rabattschlacht! Seit Wochen drängen sich Angebote um Angebote in meinen Mails und in meinem Instagram-Feed. Dazu schicken mir Shops Push-Mitteilungen, von denen ich teilweise gar nicht mehr wusste, dass ich deren Apps auf dem Handy habe. Und immer und überall heißt es: So ein gutes Angebot, das gibt’s nie wieder.
Ein Opfer dieser Werbeversprechen – das bin ich. Denn wie du weißt, shoppe ich wirklich gern. Auch wenn das längst kein Hobby mehr ist, auf das man stolz sein kann. Konsum ist überhaupt nicht mehr geil. Aber mir macht’s leider Spaß. Und so bin ich eben auch anfällig für die Lockrufe der Händler, durchgestrichene Preise und Prozentzeichen überall. Zumal die Werbeanzeigen online immer pfiffiger werden und mir nur noch Kleidungsstücke präsentieren, die hervorragend zu meinem Stil passen würden. Oder sie zeigen mir die Sneaker, die ich so gern hätte. Oder die Bücher, die auf meiner Leseliste stehen. Aus unterschiedlichen Gründen habe ich mir all das Zeug noch nicht gekauft. Entweder, die Dinge sind mir noch zu teuer, oder ich horte sie auf meinem Wunschzettel, um meiner Familie bei der Geschenkewahl für mich zu helfen. Außerdem gibt’s ja ständig was Neues. Vor allem aber sind meine Schränke voll und ich brauche nichts davon. Also – wenn ich ganz ehrlich bin. Doch es ist so gemein: Das Gefühl, dass mir ein einmaliges Angebot entgehen könnte, wenn ich jetzt nicht zuschlage, lässt oft meinen Verstand aussetzen. Manchmal kriege ich auch irrationale Angst: Was, wenn die Schuhe auf einmal AUSVERKAUFT sind? So viel Stress. Um im Shopping-Rausch jetzt die Bremse zu ziehen, brauche ich dringend ein Gegenmittel. Um mich abzulenken, hilft mir oft ein Bummel durch die Stadt. Aber das ist in dieser Woche wohl keine gute Idee. Oder...?
In der Kolumne „Unter uns“ schreiben die HAZ-Redakteurinnen Katharina Brecht und Julia Haller im Wechsel über Themen, die nicht nur Frauen um die 30 bewegen.
