Hildesheim - Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) ruft dringend zu Blutspenden auf: Die Bestände einiger Blutgruppen reichen nach Angaben des DRK-Blutspendedienstes in Springe nur noch für etwa anderthalb Tage. Der Verein bittet alle gesunden und volljährigen Menschen, zur Blutspende zu gehen.
Als Gründe nennt das DRK ein geringes Spendenaufkommen zum Jahreswechsel, eine gleichzeitige Grippe- und Erkältungswelle sowie wetterbedingte Ausfälle. „Elli“ und „Gunda“ hätten zahlreiche Termine beeinträchtigt. Selbst stattfindende Spendentermine seien schlechter besucht gewesen als üblich. Deshalb haben die Vorräte laut DRK inzwischen eine „kritische Untergrenze“ erreicht. Sie müssten wieder aufgefüllt werden, um „für Notfälle und überlebenswichtige Operationen“ gerüstet zu sein.
Fehlende Blutkonserven können zu lebensbedrohlichen Situationen führen
Markus Baulke, Pressesprecher des DRK-Blutspendedienstes in Springe, nennt dazu konkrete Zahlen: Im Landesverband, zu dem Hildesheim zählt, werden täglich rund 3000 Spenden benötigt. „Am Montag fehlten zuletzt rund 800 Blutspenden“, sagt Baulke. Die Situation sei für ihn ernst und ein kurzfristiger Anstieg der Spenderzahlen nun entscheidend: „Eine nachhaltige Stabilisierung der Versorgung ist nur möglich, wenn kurzfristig deutlich mehr Menschen Blut spenden“, sagt Baulke.
Fehlende Blutkonserven können nach DRK-Angaben schnell zu lebensbedrohlichen Situationen führen. Bei einem längeren Engpass müssten Operationen verschoben und im Extremfall Notaufnahmen teilweise geschlossen werden, warnt der Verein.
Land- und Kreisverbände sind gleichermaßen betroffen
Das betrifft auch Kreisverbände wie Alfeld. Dort lief der bisher einzige Termin im neuen Jahr am 2. Januar zwar ohne Probleme. Es erschienen dennoch weniger Spenderinnen und Spender als üblich. Ehrenamtskoordinator Fabian Binnewies beruhigt: „Kurz nach den Feiertagen und dem neuen Jahr ist das nicht ungewöhnlich.“ Dennoch, bei fehlenden Blutspenden könne der Blutspendedienst auch den Bedarf in Alfeld nicht vollständig decken. Dazu komme der langfristige Trend, der Binnewies beunruhigt: „Von rund 120 Spenden sind nur 20 Prozent unter 40 Jahre.“ Es kommen also nur wenige junge Spenderinnen und Spender nach, während viele Ältere aus gesundheitlichen Gründen nicht mehr spenden dürfen. Deshalb bemühe sich der Kreisverband verstärkt darum, jüngere Menschen zu gewinnen.
Dieser Trend gilt nicht nur für Alfeld, sondern im gesamten Landesverband sind junge Spenderinnen und Spender rückläufig: „2025 lag der Anteil der Spender unter 40 Jahren bei 33 Prozent“, sagt Baulke. Die Zahlen stiegen vor Corona, fielen dann aber wegen der Pandemie wieder zurück. Mit Kampagnen versucht das DRK, gezielt junge Menschen anzusprechen: Bei der Anfang 2025 gestarteten „Good-Karma-Kampagne“ erhielten alle, die innerhalb von neun Monaten dreimal spendeten, einen „Good-Karma“-Hoodie – insgesamt wurden rund 50.000 Hoodies verteilt.
Frauen und Männer können mehrmals im Jahr spenden
In Deutschland werden laut DRK jeden Tag etwa 15.000 Blutspenden benötigt. In Niedersachsen sind es rund 2300. 19 Prozent werden bei der Behandlung von Krebspatienten eingesetzt, jeweils 16 Prozent für Herz- sowie Magen- und Darmkrankheiten.
Grundsätzlich darf jede gesunde, volljährige Person Blut spenden. Frauen können bis zu viermal im Jahr spenden und Männer sechsmal – ein Unterschied, der mit der im Durchschnitt geringeren Blutmenge bei Frauen erklärt wird. Besonders gefragt ist die Blutgruppe null negativ, da sie im Notfall jedem Patienten gegeben werden kann.
Das ist bei Spenden zu beachten
Jährlich benötigt Deutschland mindestens 3,7 Millionen Blutspenden – das berichtete das Paul-Ehrlich-Institut. Die Blutspenden gehen aber bundesweit seit dem Jahr 2015 zurück. Das Deutsche Rote Kreuz (DRK) versucht mit Aktionen wie den „missingtype“-Kampagnen, mögliche Spenderinnen und Spender zu gewinnen. Aber was müssen eigentlich Blutspenderinnen und Blutspender beachten?
Vor jeder Blutabnahme prüft ein Arzt den Gesundheitszustand möglicher Spenderinnen oder Spender. Dazu gehört das Ausfüllen eines Spendefragebogens. Außerdem messen Mitarbeitende den Hämoglobinwert (Hb), die Temperatur sowie Blutdruck und Puls. Sind alle Werte unauffällig, kann ohne Bedenken mit der Blutentnahme begonnen werden.
Bis zum Jahr 2023 gab es eine Altersobergrenze für Blutspenderinnen und -spender. Die damalige Ampel-Bundesregierung änderte das hierfür maßgebliche Transfusionsgesetz so, dass das Alter nicht mehr automatisch ausschlaggebend ist. Seit Oktober 2023 beurteilen nun die behandelnden Ärztinnen und Ärzte den Gesundheitszustand potenzieller Spender individuell. Eine Altersgrenze gilt aber weiterhin: Blut spenden dürfen nur volljährige Personen – also Menschen ab 18 Jahren.
Schwangere dürfen nicht
Altersunabhängig ist das Verbot für Frauen, die schwanger sind. Der Körper benötigt in dieser Zeit zusätzliches Blut und Eisen, um das Kind zu versorgen. Eine Blutentnahme könnte die werdende Mutter übermäßig belasten, erklärt das DRK. Erst sechs Monate nach der Geburt ist eine Spende wieder möglich – und dann auch nur, wenn das Kind nicht mehr gestillt wird.
Menschen mit Diabetes Typ 1 sind von der Blutspende ausgeschlossen. Laut dem Roten Kreuz geht es dabei vorrangig um den Schutz der Spender: „Es kann durch möglichen Stress bei der Blutentnahme zu Blutzuckerentgleisungen kommen.“ Außerdem schließt ein erhöhtes Infektionsrisiko diese Gruppe aus. Bei Diabetes Typ 2 ist eine Spende grundsätzlich möglich, sofern keine Insulintherapie erforderlich ist. Betroffene, die gut eingestellt und medikamentenfrei sind, dürfen teilnehmen – letztlich trifft die anwesende Ärztin oder der anwesende Arzt die Entscheidung vor Ort.
Nach der Blutentnahme verliert der Körper eine Menge Flüssigkeit. Das Deutsche Rote Kreuz rät deshalb, viel zu trinken. Zur Erholung sollte eine Ruhepause von mindestens zehn Minuten unter Aufsicht eingelegt werden. Auf größere körperliche Anstrengungen sollte ebenfalls verzichtet werden. Wer mit dem Auto oder Motorrad zum Termin fährt, sollte rund eine halbe Stunde nach der Blutabnahme warten, bis er wieder aufbricht.
Raucherinnen und Rauchern empfiehlt das DRK, etwa vier Stunden nach der Spende auf eine Zigarette zu verzichten, „da sich das Nikotin negativ auf den Kreislauf des Spenders auswirken kann“.
Spendetermine bis März
Die folgenden Blutspendetermine bietet der DRK-Blutspendedienst bis Anfang März zusammen mit örtlichen Organisatoren im Kreis Hildesheim an:
- Donnerstag, 22. Januar: 14.30 bis 19.30 Uhr Itzum, Pfarrheim, Itzumer Hauptstraße 30.
- Montag, 26. Januar: 12 bis 18 Uhr Hildesheim, Arneken Galerie, Arnekenstraße 18.
- Dienstag, 27. Januar: 12 bis 18 Uhr Hildesheim, Arneken Galerie, Arnekenstraße 18.
- Donnerstag, 19. Februar: 15 bis 19 Uhr Himmelsthür, Realschule, Jahnstraße 25.
- Montag, 23. Februar: 14.30 bis 19 Uhr Hildesheim, Liebfrauengemeindehaus, Liebfrauenkirchplatz 3.
- Mittwoch, 25. Februar: 12 bis 18 Uhr Hildesheim, Arneken Galerie, Arnekenstraße 18.
- Donnerstag, 26. Februar: 12 bis 18 Uhr, Hildesheim, Arneken Galerie, Arnekenstraße 18.
- Mittwoch, 4. März: 15 bis 19 Uhr, Sorsum, Grundschule, Kunibert Straße 5.
