Drehort von beliebter Serie

Bodenschätze unter Schloss Marienburg? Politiker sind besorgt wegen Bohrungen an „Maxton Hall“-Drehort

Hannover/Nordstemmen - Spätestens seit der Serie „Maxton Hall“ ist die Marienburg nicht nur Hildesheimern ein Begriff. Nun könnte an diesem Ort nach Bodenschätzen gesucht werden. Was in der Erde vermutet wird.

Schloss Marienburg bei Nordstemmen ist vielen als Drehort der „Maxton Hall“-Serie bekannt. Nun könnte auf dem Gelände bald gebohrt werden. Foto: Chris Gossmann (Archiv)

Hannover/Nordstemmen - Um unabhängiger vom internationalen Markt zu werden, wird in Deutschland die Suche nach kritischen Rohstoffen wie Lithium vorangetrieben. Und das Interesse von Unternehmen an dem Rohstoff scheint riesig: 28 Genehmigungen hat das zuständige Landesamt für Bergbau, Geologie und Energie (LBEG) in Hannover bislang erteilt. Neun weitere Anträge liegen derzeit vor und werden geprüft. In keinem anderen Bundesland ist der Andrang der Unternehmen so groß wie in Niedersachsen.

Unter 25 Prozent der Landesfläche dürfen Unternehmen künftig nach Lithium suchen. Die entsprechenden Genehmigungen gelten auch für Felder, auf denen bedeutende Baudenkmäler wie die Marienburg stehen, die als Drehort der Amazon-Prime-Video-Serie „Maxton Hall“ international bekannt geworden ist. Die CDU im Landtag ist besorgt über diese Entwicklung. „Ein Kulturdenkmal dieser Bedeutung darf nicht zum Bestandteil eines industriellen Claim-Gebiets werden“, sagte die CDU-Abgeordnete Martina Machulla. „Auch wenn es sich derzeit um eine Aufsuchungserlaubnis handelt – die strategische Vorentscheidung für diesen Raum ist damit faktisch getroffen.“

Lithium, Mangan und Sole

Die Marienburg liegt vollständig im bergrechtlichen Erlaubnisfeld „Hannover-Süd“, für das eine Aufsuchungserlaubnis für Lithium, Mangan und Sole an die Esso Deutschland GmbH erteilt wurde, wie das Umweltministerium auf Anfrage der CDU mitteilte. Das Erlaubnisfeld „Hannover-Süd“ umfasst rund 360 Quadratkilometer. Das mehr als doppelt so große Erlaubnisfeld „Sehnde-Lithium“ reicht im Osten bis auf 11 Kilometer an das Schloss heran.

Nach Angaben des Umweltministeriums beinhaltet die Erlaubnis die Suche nach rohstoffhaltigem Tiefenwasser in den verschiedenen Gesteinsformationen. Eine mögliche Explorationsbohrung sei geplant. Beim LBEG liege aber noch kein Antrag auf Erkundungsarbeiten vor.

Bedeutung für Autoindustrie

Machulla kritisierte, dass touristische Belange im Genehmigungsverfahren keinen eigenständigen rechtlichen Schutzstatus besitzen. „Wer bei einem international bekannten Ausflugsziel wirtschaftliche und touristische Auswirkungen nicht einmal als eigenständigen Abwägungsfaktor berücksichtigt, reduziert Kultur auf eine rein formale Substanzprüfung“, sagte sie.

Lithium wird beispielsweise für die Produktion von Batterien für E-Autos benötigt. Bislang wird der deutsche Bedarf über Importe aus dem Ausland gedeckt. China sowie Südamerika sind dabei bedeutende Lieferanten. Dort wird das Metall durch Verdunstung oder Bergbau gewonnen. Beides geht mit entsprechenden Eingriffen in die Umwelt einher.

An der Oberfläche kaum zu sehen

Der Ansatz, der in Niedersachsen verfolgt wird, ist weniger invasiv: Über Bohrlöcher soll lithiumhaltige Sole aus dem Boden geholt werden. An der Oberfläche dürfte daher wenig davon zu sehen sein, auch wenn die Genehmigungen zur Aufsuchung riesige Flächen umfassen: Die bisher 28 Felder umfassen insgesamt 11.529 Quadratkilometer Landesfläche.

Die allermeisten Genehmigungen hat dabei die ExxonMobil-Tochter Esso erhalten. Das Unternehmen ist in Niedersachsen seit Jahrzehnten in der Erdöl- und Erdgasförderung tätig. Daneben wollen auch die in Deutschland weitgehend unbekannten Firmen „Evechem“ und „Lilac“ nach Lithium suchen. Dahinter stecken internationale Geldgeber, überwiegend aus dem Bergbaugeschäft.

Eine Umfrage unter den Genehmigungsinhabern zeigte zuletzt, dass in diesem Jahrzehnt nicht mehr mit einem Beginn der Lithiumförderung zu rechnen ist.

von Marco Seng und Dirk Fisser

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