Gebäude evakuiert

Polizei ermittelt nach Bombendrohung am Hildesheimer Gericht

Hildesheim - Das Hildesheimer Gericht hat am Donnerstag eine Bombendrohung erhalten, die Polizei sperrte das Gelände an der Kaiserstraße und evakuierte die Gebäude. Sprengstoff-Spürhunde waren im Einsatz – fanden aber keinen Sprengkörper.

Mit mehreren Sprengstoff-Spürhunden war die Polizei am Donnerstagvormittag in den Gerichts-Gebäuden unterwegs. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - Eine Bombendrohung hat am Donnerstagvormittag den Betrieb im Hildesheimer Justizzentrum lahmgelegt und zu einem Großeinsatz der Polizei geführt. Nach vier Stunden gaben die Sprengstoffexperten der Polizei allerdings Entwarnung – es handelte sich um einen Fehlalarm. Gegen den Täter wird nun wegen Störung des öffentlichen Friedens ermittelt.

Wie die Hildesheimer Polizei bestätigt, ging die E-Mail mit der Bombendrohung am Donnerstagmorgen gegen 7 Uhr beim Amtsgericht Hildesheim ein. Deren genauer Inhalt könne aus ermittlungstaktischen Gründen nicht mitgeteilt werden, sagt Polizeisprecher Jan Paul Makowski. Eine konkrete Forderung sei mit dem Schreiben allerdings nicht verbunden gewesen.

Mitarbeiter riefen die Polizei

Die Mitarbeiter des Amtsgerichts alarmierten kurz nach 7 Uhr die Polizei. Die schickte sofort mehrere Streifenwagen an die Kaiserstraße und riegelte das Gebiet weiträumig ab. Sowohl die Parkplätze rings um das Justizzentrum als auch die Gebäude mussten evakuiert werden.

Spürhunde im Einsatz

Zu diesem Zeitpunkt waren viele Beschäftigte bereits in dem Gebäudekomplex, Landgericht, Amtsgericht und Staatsanwaltschaft haben insgesamt knapp 450 Beschäftigte, 100 bis 150 von ihnen waren zum Zeitpunkt des Alarms bereits vor Ort, schätzt Gerichtssprecher Steffen Kumme.

Sie mussten das Gebäude und das Grundstück umgehend verlassen. Viele ließen im wahrsten Sinne des Wortes alles stehen und liegen. „So sahen die Büros jedenfalls aus“, berichtete ein Mitarbeiter, der nach der Freigabe wieder in sein Büro ging. Mancher Beschäftigte ging offenbar auch davon aus, dass es sich um eine der regelmäßigen Übungen handelte – und ließ Jacke, Handy und Portemonnaie zurück. Frierend hofften die Betroffenen auf die baldige Rückkehr ins Gebäude – stattdessen wurden viele Bedienstete für den Rest des Tages noch Hause geschickt. Und mussten zum Teil erst mühsam organisieren, wie sie überhaupt daheim in haus oder Wohnung gelangen konnten.

Unterdessen durchkämmten Justiz-Wachtmeister und Polizisten noch einmal das Gebäude, auf der Suche nach Mitarbeitern, die den Alarm möglicherweise nicht mitbekommen hatten. Vor dem Fußweg zum Haupteingang hatte die Polizei zudem einen Streifenwagen auf dem Bürgersteig postiert, um Mitarbeiter und Besucher des Justizgebäudes vom Betreten des Geländes abzuhalten. Zwei Beamten riegelten den Weg ab, ähnlich ging die Polizei an allen Zuwegen und Zufahrten vor.

Den Großteil der Arbeit mussten dann ab 7.30 Uhr Hundeführer und mehrere Sprengstoffspürhunde der Polizei Hildesheim sowie der Polizei aus Hameln und Göttingen übernehmen. Die Hunde erschnüffeln selbst geringste Mengen Sprengstoff. Aufgrund der Größe des Gebäudes an der Kaiserstraße waren mehrere Tiere im Einsatz. Die Teams durchsuchten bis 11 Uhr alle rund 350 Räume des Justizhochhauses, des Amtsgerichts und des Landgerichts sowie die Büros im ehemaligen Finanzamt an der Ecke Bahnhofsallee/Kaiserstraße. Auch das Parkplatzgelände und die Büsche wurden kontrolliert, einer der Hundeführer machte mit seinem Diensthund die Runde übers Außengelände.

Am Ende gaben die Experten Entwarnung, die Mitarbeitenden der Justiz durften an ihre Arbeitsplätze zurückkehren.

Für die Polizei ist der Fall damit allerdings noch nicht erledigt, wie Polizeisprecher Makowski betont. Das 1. Fachkommissariat an der Schützenwiese hat Ermittlungen wegen Störung des öffentlichen Friedens durch Androhung von Straftaten eingeleitet. Konkret geht es rechtlich um die Androhung eines „gemeingefährlichen Verbrechens“. Sollte der Täter ermittelt werden, droht ihm eine Geldstrafe oder eine Haftstrafe von bis zu drei Jahren. „Zudem ist es durchaus möglich, dass die Kosten des Polizeieinsatzes dem Täter in Rechnung gestellt werden“, sagt Makowski.

Weil die Drohung per E-Mail beim Amtsgericht einging, ist die Wahrscheinlichkeit, dass es Augenzeugen gibt, nicht besonders hoch. Dennoch bittet die Polizei um sachdienliche Hinweise auf den oder die Täter unter der Rufnummer 939-115. Einen vergleichbaren Fall hat es in den vergangenen Jahren nicht in Hildesheim gegeben.

Mit Tarek Abu Ajamieh.

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.