Hildesheim - Um Kosten zu senken, kürzt der Technologiekonzern Bosch die Arbeitszeit von insgesamt rund 600 Beschäftigten an zwei Forschungsstandorten – in Hildesheim sind nach ersten Informationen dieser Zeitung 40 bis 50 Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der etwa 90 in der Forschung arbeitenden Personen betroffen. Sie sollen ab Janaur 2026 weniger arbeiten und dadurch auch weniger Gehalt bekommen als derzeit. Der weitaus größer Anteil der Betroffenen arbeitet in der Forschung am Standort Renningen bei Stuttgart, dort sind es rund 550 Beschäftigte. Eine Konzernsprecherin hat die Pläne der Deutschen Presseagentur (dpa) bestätigt, zuvor hatten Stuttgarter Zeitung und Stuttgarter Nachrichten berichtet.
Die betroffenen Tarifbeschäftigten haben demzufolge bisher Verträge, die eine wöchentliche Arbeitszeit von 38 bis 40 Stunden vorsehen. Zum 1. Januar 2026 sollen sie nur noch 35 Stunden pro Woche arbeiten. Mit der Verkürzung der Arbeitszeit verringert sich auch das Gehalt entsprechend.
Schwierige wirtschaftliche Lage
Hintergrund der neuesten Entscheidung sind den Angaben zufolge die derzeit schwierige wirtschaftliche Lage und verzögerte Markterwartungen in verschiedenen neuen Technologiefeldern. Damit gingen veränderte Kapazitätsbedarfe einher. Die Maßnahme trage auch zur Sicherung von Arbeitsplätzen bei. Der Betriebsrat und die betroffenen Mitarbeiter seien informiert worden.
Wie vielen Bosch-Beschäftigten die Arbeitszeit in den vergangenen Monaten gekürzt wurde, war zunächst unklar. Derartige Maßnahmen seien bereits in zahlreichen Bereichen umgesetzt worden, sagte die Sprecherin. Im November 2024 sprach das Unternehmen aus Gerlingen bei Stuttgart bereits von rund 10.000 betroffenen Mitarbeitern an verschiedenen Standorten in Deutschland.
Die Vorsitzende des Konzernbetriebsrats, die Hildesheimerin Kerstin Mai, reagiert im Gespräch mit der Redaktion auf die Bosch-Entscheidung eher unaufgeregt. Die Entscheidung spiegele zwar die „wirtschaftlich schwierige Lage“ in der Automobilbranche und der Zulieferindustrie wider, da es Bosch darum gehe, Geld zu sparen – doch die Maßnahme an sich sei kein ausgeprochen radikaler Schritt. „Für die Beschäftigten ist es keine schöne Nachricht, das ist klar, und natürlich schluckt jeder erst einmal, der weniger Gehalt als bisher bekommen soll“, sagt Mai. Aber: Die Wochenarbeitszeit sinke zwar und damit das Gehalt, sie liege aber dann weiter bei der tariflichen Wochenarbeitszeit von 35 Stunden. Der Schritt sei nicht gleichzusetzen mit deutlich drastischeren Maßnahmen, bei denen es um Senkungen bis unterhalb der tariflichen Arbeitszeit gehe. Deswegen habe Bosch die zuvor abgeschlossene Vereinbarung über Arbeitszeiterhöhung für einen Teil der Beschäftigten nun auch einseitig kündigen können.
Wie es um die Zukunft des Hildesheimer Standorts steht, ist unklar
Der deutlich größere Teil der Bosch-Beschäftigten in Hildesheim ist nicht in der Forschung, sondern in der Fertigung tätig. Dort droht weiterhin Ungemach: Die Zukunft des Bosch-Werks im Hildesheimer Wald weiter unklar. Fest steht, dass Bosch dort bis Ende nächsten Jahres rund 600 der 1300 Stellen abbauen und bis Ende des Jahres 2032 weitere 150. Allerdings gilt bis Ende 2027 eine Standortvereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Deshalb will das Unternehmen sich mit dem Betriebsrat über Abfindungs-Angebote für die Beschäftigen einigen, die aus Firmensicht nicht mehr benötigt werden. Alternativ hat der Automobil-Zulieferer eine vollständige Schließung des Werks nicht ausgeschlossen. Bislang ist es zu keiner Einigung zwischen Bosch und dem Betriebsrat gekommen.
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Tausende Bosch-Jobs sollen wegfallen
Erst am Dienstag war bekanntgeworden, dass Bosch bei seinem Sparprogramm Tempo macht und erneut Stellen an mehreren deutschen Standorten streichen will. Betroffen sind ein Werk in Reutlingen - dort werden Steuergeräte für Autos entwickelt und produziert – sowie die Tochterfirma Bosch Engineering mit Sitz in Abstatt bei Heilbronn. Insgesamt geht es um bis zu 1.560 Jobs.
Beim weltgrößten Autozulieferer gibt es seit Ende 2023 eine ganze Reihe von Abbauprogrammen. Tausende Jobs sollen in den kommenden Jahren weltweit wegfallen. Der angekündigte Stellenabbau summiert sich mittlerweile auf fast 15.000 Jobs - ein großer Teil davon im Autozulieferbereich in Deutschland. Aber auch die Hausgeräte-Tochter BSH und die Werkzeugsparte sind betroffen.
Weitere Einschnitte in Zukunft?
Bosch leidet unter anderem an der niedrigen Nachfrage nach Fahrzeugen - vor allem nach Elektroautos. Zahlreiche Verbraucherinnen und Verbraucher halten sich außerdem nach wie vor beim Kauf von Geräten wie Akkuschraubern, Waschmaschinen und Kühlschränken zurück. Auch andere Standbeine wie der Maschinenbau und die Gebäudetechnik schwächeln.
Bosch-Chef Stefan Hartung rechnete zuletzt angesichts der Wirtschaftslage und dem Wandel in der Autoindustrie mit weiteren Einschnitten. Ende 2024 hatte der Konzern weltweit insgesamt fast 417.900 Beschäftigte - und damit rund 11.600 weniger als ein Jahr zuvor. In Deutschland sank die Mitarbeiterzahl um gut 4.500 auf mehr als 129.600 (minus 3,4 Prozent).
von dpa mit Tarek Abu Ajamieh
