Krise in der Automobilindustrie

Bosch plant weiteren massiven Stellenabbau in Deutschland: So ist Hildesheim davon betroffen

Hildesheim - Der Automobilzulieferer Bosch will in Deutschland 13.000 Stellen zusätzlich streichen. Was heißt das für den Standort im Hildesheimer Wald, der ohnehin schon von Kürzungsplänen betroffen ist?

Bosch in Hildesheim ist von einem zusätzlichen Stellenabbau betroffen. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Der Automobilzulieferer Bosch plant den nächsten personellen Kahlschlag in Deutschland. Bis zum Jahr 2030 will das Unternehmen über die bisher schon bekannten Abbaupläne hinaus rund 13.000 Stellen in seinen deutschen Werken abbauen. Bosch erklärt das damit, dass die bisher schon vorgenommenen Einsparungen angesichts nach wie vor großer Schwierigkeiten auf dem Automobilmarkt nicht ausreichten, um die steigenden Kosten für Material und Personal zu decken. Arbeitsdirektor Stefan Grosch sprach in einer Pressekonferenz am Donnerstag von einer Lücke von 2,5 Milliarden Euro pro Jahr, die das Unternehmen schnellstmöglich schließen müsse.

Werk nicht betroffen

Dazu soll auch der Standort Hildesheim beitragen – in diesem Fall allerdings in weitaus geringerem Maße als zahlreiche andere Bosch-Standorte, vor allem in Süddeutschland. In der Pressekonferenz in Stuttgart fiel das Wort „Hildesheim“ denn auch gar nicht. Wie die Hildesheimer Bosch-Sprecherin Mandy Brunkau auf Nachfrage erklärte, soll es im Hildesheimer Wald deutliche Einschnitte im Bereich Mobility Aftermarket geben: 60 von 100 Beschäftigten sollen dort bis Ende 2026 ihre Arbeitsplätze verlieren. Der Aftermarket-Bereich umfasst unter anderem Ersatzteile und die Belieferung von Werkstätten.

Weitere Kürzungen über die bereits bekannten Vorhaben hinaus sind in Hildesheim nicht geplant, betont Brunkau. So bleibt es bei dem Wunsch des Unternehmens, im Elektromotorenwerk 600 Arbeitsplätze bis Ende 2026 und weitere 150 bis Ende 2032 abzubauen. Dazu hat vor Kurzem die sogenannte tarifliche Schlichtung begonnen, am Dienstag steht der zweite Verhandlungstermin an. „In diesem laufenden Prozess gibt es keine Veränderungen“, betonte Brunkau. Und auch im Bereich Cross Domain Computing Solutions (früher Car Multimedia) soll es über die bestehenden Abbaupläne hinaus keine weiteren Einschnitte geben. Auch der geplante Personalabbau bei der Bosch-Tochterfirma Etas betreffe Hildesheim nicht, versicherte Brunkau.

Heftiger Einschnitt am größten deutschen Bosch-Standort

Vor allem an fünf süddeutschen Standorten plant Bosch indes tiefe Einschnitte. Am härtesten trifft es die größte deutsche Niederlassung von Bosch in Feuerbach bei Stuttgart, wo vor allem Komponenten für Dieselfahrzeuge hergestellt werden – die laut Bosch weltweit immer weniger gefragt sind. 3500 Stellen sollen dort bis Ende 2030 wegfallen, davon 1500 in der Produktion.

1750 Stellen in Verwaltung, Vertrieb, Einkauf und Entwicklung streicht Bosch in Schwieberdingen. Am Standort Bühl, wie das Hildesheimer Werk stark auf Elektromobilität ausgelegt, will Bosch bis zum Ende des Jahrzehnts 1550 Arbeitsplätze abbauen. 1250 Stellen sollen im saarländischen Homburg wegfallen. Auch dort ist der Rückgang bei Dieselfahrzeugen laut Bosch der Hauptgrund, verbunden mit der Erkenntnis, dass sich der Antrieb mit Wasserstoff, wenn überhaupt, deutlich später durchsetzen wird als einst prognostiziert. Im Verbindungstechnik-Werk in Waiblingen will Bosch bis Ende 2028 die Produktion komplett einstellen, das soll 560 Arbeitsplätze kosten.

Fokus auf Elektromobilität

Die Bosch-Spitze betonte in der Pressekonferenz, dass sie weiterhin davon überzeugt sei, dass die Autos der Zukunft elektrisch fahren würden. Die Transformation dauere allerdings länger als angenommen. Zudem gelte die Faustregel, dass das, was in einer Produktionsstätte für Diesel-Komponenten zehn Beschäftigte erledigten, im Benzin-Bereich von drei Mitarbeitern erledigt werden könne, während es im Bereich der Elektromobilität nur noch eine Person sei.

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