Automobil-Zulieferer in der Krise

Bosch will wieder über die Zukunft des Hildesheimer Werks reden – fällt die Entscheidung noch im Sommer?

Hildesheim - Anderthalb Monate, nachdem Bosch die Gespräche mit dem Betriebsrat über den Standort Hildesheim für beendet erklärt hatte, wollen beide Seiten wieder verhandeln. Beide Seiten betonen ihre guten Absichten – geht es nun ganz schnell?

Bosch und der Betriebsrat wollen die Verhandlungen zur Zukunft des Hildesheimer Werks wieder aufnehmen. Foto: Chris Gossmann

Hildesheim - Wie geht es weiter mit dem Hildesheimer Bosch-Werk? geht es überhaupt weiter? Nach wochenlangem Stillstand gibt es bei diesen Fragen nun wieder Bewegung: Die Führung des Automobil-Zulieferers hat den Betriebsrat eingeladen, die Gespräche wieder aufzunehmen. Das hat ein Firmensprecher auf Anfrage der Redaktion erklärt. Das Unternehmen strebt Verhandlungen in den nächsten Wochen an – und wünscht sich nach Angaben der Arbeitnehmervertretung eine Entscheidung bis Ende Juli. Und damit aus Sicht der Stuttgarter Bosch-Spitze bis zum Beginn der Sommerferien in Baden-Württemberg. Zum Zeitplan äußerte sich Bosch selbst nicht. Unterdessen sorgt die Entscheidung des Unternehmens, Betriebsjubiläen nicht mehr zu honorieren, für neue Empörung in der Belegschaft.

Lies ärgert sich über Bosch

Das Unternehmen hatte die Gespräche im Mai zunächst für beendet erklärt. Bosch will im Hildesheimer Werk bis Ende nächsten Jahres rund 600 der 1300 Stellen abbauen und bis Ende des Jahres 2032 weitere 150. Allerdings gilt bis Ende 2027 eine Standortvereinbarung, die betriebsbedingte Kündigungen ausschließt. Deshalb will das Unternehmen sich mit der Arbeitnehmer-Vertretung über Abfindungs-Angebote für die Beschäftigen einigen, die aus Firmensicht nicht mehr benötigt werden. Alternativ hat der Automobil-Zulieferer eine vollständige Schließung des Werks nicht ausgeschlossen.

In den Gesprächen war der Betriebsrat der Firmenspitze weit entgegengekommen, forderte aber detaillierte Perspektiven für das Werk und die verbleibenden Beschäftigten. Es kam zu keiner Einigung. Danach bemühte sich Niedersachsens neuer Ministerpräsident Olaf Lies (SPD), beide Seiten wieder an den Verhandlungstisch zu bringen. Eine Einladung zu einem gemeinsamen Gespräch schlug die Firmenseite allerdings aus. Nach scharfer Kritik von Lies kam Bosch-Chef Stefan Hartung zu einem Gespräch mit dem Ministerpräsidenten nach Hannover und deutete im Anschluss daran eine Wiederaufnahme der Gespräche an. Die steht nun bevor.

Hoffen auf Kompromiss

Der Betriebsrats-Vorsitzende des Hildesheimer Werks, Stefan Störmer, bewertet es „grundsätzlich erst einmal positiv, dass wir wieder miteinander sprechen.“ Er sei nach wie vor überzeugt, dass ein tragfähiger Kompromiss möglich sei. Auch Bosch sieht nach eigenem Bekunden „grundsätzlich die Chance, dass Unternehmen und Arbeitnehmervertreter zu einer Einigung kommen können“. Voraussetzung sei allerdings unverändert, „dass wir damit eine wettbewerbsfähige Aufstellung des Werks erreichen“.

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