Unbegleitete minderjährige Ausländer

Bürger in Alfelder Ortsteil wollen Hotel kaufen – auch wegen Bedenken gegen die Unterbringung von geflüchteten Jugendlichen

Hörsum - Bürgerinnen und Bürger aus dem Alfelder Ortsteil Hörsum wollen das Hotel und Restaurant Zur Eule kaufen, um es langfristig als Treffpunkt zu erhalten. Sie haben aber auch Bedenken gegen Pläne des Landkreises: Der würde dort gerne unbegleitete minderjährige Ausländer unterbringen.

Bürgerinnen und Brüger wollen das Hotel und Restaurant Zur Eule kaufen – und verhindern, dass dort jugendliche Geflüchtete untergebracht werden. Foto: Ulrich Meinhard

Hörsum - Bürgerinnen und Bürger aus dem Alfelder Ortsteil Hörsum wollen das Hotel und Restaurant Zur Eule kaufen, um es langfristig als Treffpunkt für die Dorfgemeinschaft zu erhalten. 41 Hörsumerinnen und Hörsumer wollen zu diesem Zweck eine GmbH gründen. Kurzfristig geht es ihnen aber zunächst auch noch um ein anderes Ziel: Sie wollen selbst in der Hand haben, an wen das Gebäude künftig vermietet wird. Das könnten zum Beispiel auch sogenannte unbegleitete minderjährige Ausländer (UMA) sein. Der Landkreis Hildesheim sucht dringend geeignete Immobilien, in denen sie untergebracht werden könnten. In Hörsum wäre das grundsätzlich möglich, bestätigt Kreis-Sprecherin Birgit Wilken. In diesem Jahr seien mehr als 100 UMA aufzunehmen, „die Quote kann sich aber auch noch nach oben entwickeln.“

Mietvertrag ist erstmal gekündigt

Derzeit nutzt der Landkreis das Hotel noch als Unterkunft für acht Geflüchtete aus der Ukraine. Sie sollen aber demnächst nach Bad Salzdetfurth umziehen, der Mietvertrag für Hörsum ist zum 30. November gekündigt. Damit ist das Thema UMA aber zumindest für den Kreis nicht vom Tisch, das Interesse an der Immobilie besteht weiterhin. Für die jugendlichen Bewohner, bis zu 30 sind denkbar, müsste dann nur ein neuer Vertrag abgeschlossen werden. Wäre die neue GmbH dann die Eigentümerin, würde es allerdings nicht dazu kommen.

Bis vor kurzem betrieb Thomas Flügge das inzwischen leer stehende Restaurant . Ihm gehören auch nach wie vor Gaststätte und Restaurant. Das Hotel ist an eine Investorengruppe aus Alfeld verpachtet, die es als Unterkunft für die Geflüchteten weitervermietet hat – und das Gebäude auch gern kaufen würde.

Mit den Geflüchteten im Ort gebe es keine Probleme, betont Ortsbürgermeister Stephan Schaper. „Das klappt hervorragend. Es ist ein angenehmes Miteinander. Ich habe nicht eine einzige Beschwerde gehört“, sagt er.

266 000 Euro Stammkapital

Nun sei aber durchgesickert, dass der Landkreis zusammen mit dem Arbeiter-Samariter-Bund im Gästehaus der „Eule“ die unbegleiteten minderjährigen Ausländer unterbringen wolle. Daraufhin habe im Ort eine Diskussion darüber eingesetzt, ob das kleine Hörsum der richtige Fleck sei für dieses Klientel. Schließlich gebe es keine passende Infrastruktur wie etwa einen Jugendtreff, ein Schwimmbad oder ähnliches. Die Gruppe der Hörsumer Bürger kam schließlich überein, die Sache selbst in die Hand zu nehmen, eine GmbH zu gründen und die „Eule“ zu erwerben. Die Gesellschaften hätten Herzblut für die traditionsreiche Gaststätte und wollten sie in ihrer ursprünglichen Form erhalten, versichert Ortsbürgermeister Schaper.

Bislang seien 266 000 Euro an Stammkapital für die GmbH-Gründung zusammengekommen, es könnten aber noch mindestens 300 000 Euro werden. Noch muss die GmbH in das Handelsregister eingetragen werden, noch ist der Kaufvertrag nicht unter Dach und Fach, doch Flügge lässt keinen Zweifel daran, dass er die altehrwürdige „Eule“ an die GmbH verkaufen will.

Hörsumer wollen keine unbegleiteten minderjährigen Flüchtlinge mehr

Der gemeinsame Plan: Das Restaurant soll möglichst schnell wieder in Betrieb gehen, wie früher mit deutscher Küche und unter der Federführung von Flügge, der selbst Mitgesellschafter der GmbH ist. Der Hotelbereich soll weiter Geflüchteten zur Verfügung stehen, wenn denn der Landkreis daran Interesse hat. Gespräche diesbezüglich würden laufen, sagt der frischgebackene Geschäftsführer der Eule GmbH, Heinfred Bünger.

Es sollen aber eben möglichst keine UMA sein, die in Hörsum untergebracht werden. „In keiner Weise hat das hier etwas Ausländerfeindliches oder Rechtsgerichtetes. Das ist auf keinen Fall so“, sagt Schaper: „Wir wollen aber das Heft des Handelns selbst in die Hand nehmen.“

Zehn Geflüchtete leben in dem Hotel

Und dass der Landkreis weiter Interesse an der „Eule“ als Flüchtlingsunterkunft hat, davon gehen alle Beteiligten aus. Schließlich habe das Land Niedersachsen angekündigt, dass sich die Zahl der zugewiesenen Flüchtlinge noch einmal erhöhen wird. Der Landkreis selbst stehe deshalb unter Druck, all die Menschen irgendwo unterzubringen. Im Moment leben in Hörsum zehn Geflüchtete in dem Hotel. Ein paar mehr wären auch noch in Ordnung, so Schaper: „Aber nicht so viele, dass sie auf engem Raum zusammen leben“, sagt Schaper.

Die GmbH in Gründung hat mehrere Arbeitsgruppen gebildet, um ein zukunftsfähiges Konzept für die „Eule“ zu erstellen. Wenn es sich umsetzen lässt, soll auch der Hotelbereich mittelfristig wieder in Betrieb gehen. Vielleicht als Unterkunft für Monteure, vielleicht wie einst für Urlaubsgäste.

Bürgermeister: „Kein Abwehrkampf“

Alfelds Bürgermeister Bernd Beushausen (SPD) sieht indes keinen Grund, skeptisch gegenüber UMA zu sein. „Sie kommen ohne Eltern, werden hier aber sehr wohl begleitet“, weist er auf die vor Ort erfolgende Betreuung hin. Großen Respekt zollt er der Initiative in Hörsum. „Das ist eine starke Leistung der dörflichen Gemeinschaft.“ Die nämlich zeige Engagement, sich mit dem Thema Flucht und Flüchtlinge auseinanderzusetzen. Und es sei völlig legitim zu sagen, man wolle im Ort nicht 100 Flüchtlinge, sondern passend zur Größe des Dorfes so und so viele. „Dabei geht es um adäquate Lebensverhältnisse für Flüchtlinge und Vertriebene. Was in Hörsum passiert, ist kein Abwehrkampf“, betont Beushausen.

Er hält die Hörsumer jedoch „für stark genug“, auch jugendliche Flüchtlinge zu integrieren. In dem Fall sagt er Unterstützung durch die Stadt zu, etwa beim Transport der Jugendlichen zu Veranstaltungen oder Einrichtungen. „Ich finde es entscheidend, dass jetzt über die Hörsumer Pläne informiert wird, um weiteren Gerüchten und Facebook-Kolporteuren vorzubeugen“, sagt der Bürgermeister.

Von Ulrich Meinhard und Thomas Wedig

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