Kreis Hildesheim - Die Bürgermeister im Landkreis Hildesheim fordern, die Erzieherinnen in den Städten und Gemeinden schneller zu impfen, als das bislang vorgesehen ist. Auch Lehrer sollten eine höhere Priorität bekommen, heißt es in einer Pressemitteilung, die der Kreisverband des Städte- und Gemeindebundes am Mittwochvormittag veröffentlichte. Die Verwaltungschefs reagieren damit auf Pläne auf Bundesebene, die „Verordnung zum Anspruch auf eine Schutzimpfung gegen das Coronavirus“, in der auch die Prioritäten geregelt sind, zu überarbeiten.
„Gerade den Kommunen ist sehr deutlich bewusst, dass die Impfung eines möglichst großen Teils der Bevölkerung eine Herkulesaufgabe ist“, sagt der Vorsitzende des Kreisverbandes, der Algermissener Bürgermeister Wolfgang Moegerle (CDU). Die werde dadurch noch erschwert, dass der Impfstoff im wahrsten Sinne des Wortes nur „tröpfchenweise“ zur Verfügung stehe. Deshalb sei es „selbstverständlich notwendig“ eine Reihenfolge fürs Impfen festzulegen, und die bestehende Prioritätenliste sei auch „weit überwiegend“ richtig.
„Nahezu schutzlos“
Eine Änderung sei allerdings wichtig: Erzieherinnen und Erzieher müssten höher eingestuft werden als bislang. Aktuell gehört diese Berufsgruppe ebenso wie Lehrer zur dritten Gruppe „mit erhöhter Priorität“. Höher eingeordnet sind unter anderem Pfleger für geistig Behinderte sowie Polizisten.
Das sei „nicht sachgerecht“, moniert Moegerle und nimmt seine eigene Gemeinde als Beispiel: Die Gemeinde Algermissen beschäftige als Träger von sechs Kindertagesstätten etwa 90 Erzieherinnen und Erzieher. Diese seien „seit einem Jahr der Gefahr, sich mit dem Virus zu infizieren, nahezu schutzlos ausgesetzt“. Zwar seien die Kitas im Frühjahr 2020 geschlossen gewesen. „Es hat aber immer einen Notbetrieb gegeben“, betont Moegerle.
„Empathischer Umgang“
Und er stellt fest: „ Anschließend waren die Kitas trotz Pandemie und teilweise immer noch hoher Inzidenzwerte im Regelbetrieb mit vollen Gruppen geöffnet.“ Zwar seien Kindergärten und Krippen seit dem 11. Januar formal wieder geschlossen, im sogenannten Notbetrieb werde aber weiterhin die Hälfte aller Kinder betreut.
„Dies tun meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter seit einem Jahr nahezu klaglos und gefährden damit ihre Gesundheit. Denn sie tun dies in aller Regel ohne Mund-Nasen-Bedeckung oder medizinischen Mundschutz“, so Moegerle weiter. Letzteres sei für einen „verlässlichen, emphatischen Umgang mit den Kindern zwischen einem und sechs Jahren“ auch wichtig und richtig.
Kirchenkreis unterstützt Vorstoß
Doch die Erzieherinnen und Erzieher seien womöglich „die einzige Berufsgruppe, die an jedem Tag einen so engen Kontakt zu anderen Menschen hat, ohne sich persönlich zu schützen“. Deshalb müsse der Staat sie schützen – „schnell und vor anderen Personen“, sagt Moegerle auch im Namen der anderen Rathaus-Chefs.
Ähnliches gelte auch für Lehrerinnen und Lehrer. Hier sei das Land Niedersachsen als Arbeitgeber gefordert, sich für eine schnelle Impfung einzusetzen.
Unterstützung bekommen die Bürgermeister von einem der größten Kita-Träger in Stadt und Landkreis, dem Kirchenkreis Hildesheim-Sarstedt. „Wir schließen uns dem Schreiben komplett an“, erklärte die Pädagogische Leiterin Carmen Niebecker auf HAZ-Nachfrage. „Es stimmt alles, wie es der Städte und Gemeindetag formuliert hat.“ Der Kirchenkreis betreut mehr als 1200 Kinder in 22 Einrichtungen.
