Kreis Hildesheim - In Niedersachsen ist wieder Urlaub möglich. Und nicht nur die Niedersachsen selbst suchen Erholung und Entspannung in ihrem Bundesland. Dank sinkender Coronazahlen dürfen auch Menschen aus anderen Ecken des Landes und sogar aus dem Ausland wieder Hotels, Pensionen und Campingplätze in der Region aufsuchen. Im Landkreis Hildesheim ist die Campingsaison erfolgreich gestartet – trotz teils miesem Frühlingswetter war auf den Camping- und Stellplätzen in den vergangenen Tagen schon viel los. Obwohl die aktuelle Corona-Verordnung Betreibern und Urlaubern noch manche Auflage zumutet.
60 Prozent der Plätze sind freigegeben
„Unser Wohnmobillstellplatz ist wieder geöffnet, allerdings darf er nur zu 60 Prozent ausgelastet sein – wir haben daher entsprechend Stellplätze gesperrt“, erklärt Tobias Neubauer, Sprecher der Stadt Bad Salzdetfurth. Derzeit seien somit sechs Stellplätze von zehn nutzbar. Seit November 2020 war der Platz am Solebad fast durchgehend gesperrt. Seit der Öffnung stehen dort fast täglich wieder Reisemobile. Für die Stadt ist der Stellplatz ein wichtiger Faktor. Für 2019 bilanziert die Kurstadt 35 000 touristische Übernachtungen von insgesamt 19 000 Gästen. Zwar werde die Auslastung des Stellplatzes nicht einzeln erfasst, doch anhand der Einnahmen durch die Parkgebühren weiß Neubauer, dass 2019 801 Tagestickets gelöst wurden. Aufs Jahr gerechnet wären also im Schnitt pro Tag mehr als zwei Wohnmobile vor Ort gewesen. „Grundsätzlich sind wir mit der Auslastung sehr zufrieden“, sagt Neubauer. Deshalb ist er auch froh, dass die Stadt den Platz zumindest in Teilen wieder freigeben durfte.
Denn die Zahl der Wohnmobilisten die durchs Land reisen, ist in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Und Corona habe noch mehr Menschen veranlasst, sich mit Wohnwagen oder Reisemobil auf die Straße zu wagen. Individuelles Reisen mit Wohnmobil oder Caravan sei in Corona-Zeiten „eine besonders sichere Urlaubsform“, sagt CIVD-Präsident Hermann Pfaff zu dem anhaltenden Boom. Laut Statistischem Bundesamt ist der Bestand an Wohnmobilen in Deutschland in diesem Jahr auf 674.700 gestiegen – das ist ein neuer Rekord. Noch vor zehn Jahren waren es gerade mal halb so viele Fahrzeuge. Keine Überraschung also, dass auch die Nachfrage nach Reisemobilstellplätzen wie in Bad Salzdetfurth stetig anwachse. Der ADAC und der deutsche Tourismusverband DTV setzen sich derzeit gemeinsam mit weiteren Institutionen für die Schaffung neuer Plätze bei Kommunen und Landkreisen ein. Die Region Hildesheim hat in den vergangenen Jahren bereits aufgerüstet: Neben Bad Salzdetfurth bieten auch Hildesheim, Bockenem, Lamspringe und Alfeld ausgewiesene Übernachtungsplätze für Reisemobilisten an.
„Ausgebucht“ über Pfingsten
Aber nicht nur auf den Stellplätzen, sondern auch auf den beiden Campingplätzen im Kreis war in den vergangenen Tagen viel los. „Ausgebucht“ hieß es im Seecamp Derneburg und auf dem Campingplatz Bergmühle in Grasdorf. Beide dürfen derzeit nur knapp 40 Plätze vermieten. „Ich hätte aber ohne Probleme 100 mehr vermieten können“, erzählt Saskia Kumm. Seit rund zweieinhalb Jahren bewirtschaftet sie die Anlage an der historischen Wassermühle an der Innerste bei Grasdorf zusammen mit ihrem Mann Peter. Als Niedersachsen grünes Licht für den Start in die Campingsaison gab, habe ihr Telefon nicht mehr still gestanden. „Die Menschen wollen nach den Monaten einfach wieder los“, sagt Kumm.
Wie Heike und Matthias Stockmann aus Hannover. Das Paar hatte schon vor etwa 20 Jahren für einige Zeit einen Dauerplatz an der Innerste. Wegen Corona haben sie im vergangenen wieder an der Bergmühle angefragt – und hatten Glück. Saskia und Peter Kumm hatten noch ein Plätzchen frei. Inzwischen sind alle Dauerstellflächen vermietet. Stockmanns teilen sich mit Tochter Christiane, deren Mann Nicolas und den Kindern Luna und Falk den Platz. Pfingsten war die ganze Familie dort versammelt.
Alle Dauerplätze vermietet
Der Campingplatz an der Innerste hat das ganze Jahr über geöffnet. In diesem Winter durften nur Dauergäste auf das Areal, erst seit rund 14 Tagen sind auch die touristischen Besucher wieder willkommen. Die müssen aber beim Einchecken einen negativen Coronatest vorlegen. Das gefalle nicht jedem. Erst am Montag hatte Saskia Kumm deshalb Streit mit den Gästen eines Dauercampers, die keinen Test absolviert hatten und den auch nicht nachholen wollten. „Ich habe die Regeln nicht gemacht, aber ich riskiere ein saftiges Bußgeld, wenn ich mich nicht an die Vorgaben halte und dabei erwischt werde“, sagt sie. Aber 99 Prozent der Gäste würden sich im Vorfeld über die Bedingungen erkundigen und sich auch daran halten.
Das bestätigt auch Elke Renneckendorf, die mit ihrem Mann Dietmar das wenige Kilometer entfernte Seecamp Derneburg bewirtschaftet. Auch dort war über Pfingsten jeder mögliche Platz bewohnt. Die Pächter freut es – wenngleich die Coronaauflagen ihre Arbeit auch deutlich erschwerten. „Wir haben 2020 allein rund 20000 Euro für Desinfektionsmittel ausgegeben“, erzählt Elke Renneckendorf. Zudem habe sie eine Extrakraft eingestellt, die im Sanitärbereich und im Restaurant am Campingplatz mit Corona bedingten Putz- und Desinfektionsarbeiten beschäftigt sei. Trotz der Hürden ist sie froh, dass der Platz wieder für alle geöffnet sein kann. „Und auch unsere Gäste sind froh. Es fühlt sich einfach gut an, dass wieder Leben auf dem Platz ist“, sagt sie.
Hotel oder Campingplatz?
Immerhin haben Kumms und Renneckendorfs Erfahrung mit dem Leben auf dem Campingplatz zu Corona-Bedingungen. Sie wissen, dass es funktionieren kann. Im Sommer 2020 hatten beide Plätze auf. Und der Ansturm sei enorm gewesen. „Wir hatten mehrfach Pfingsten“, sagt Saskia Kumm und lacht. Pfingsten ist normalerweise das Wochenende im Jahr, an dem bei ihnen wirklich alles restlos ausgebucht ist. Man habe gemerkt, dass es schlicht mehr Camper gebe die unterwegs sind. Ob die nach Ende der Pandemie aber auch alle dabei blieben, glaubt Saskia Kumm nicht. Manch einer habe dabei eben auch festgestellt, dass es ihm im Hotel besser gefällt – Corona hin oder her.
