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Carsharing: Warum das eigentlich abgelehnte Projekt im Leinebergland doch noch kommen könnte

Delligsen/Alfeld - Mit dem Flecken Delligsen ist die letzte Gemeinde im Leinebergland aus dem Projekt Carsharing ausgestiegen. Es gibt allerdings noch eine Chance, es doch noch umzusetzen.

So in etwa war es gedacht: Im Bereich des Delligser Rathauses sollten zwei ausleihbare Autos zur Verfügung gestellt werden. Daraus wird erst einmal nichts. Foto: Ulrich Meinhard

Delligsen/Alfeld - Gescheitert. So kurz und bündig wird im Flecken Delligsen der (zumindest vorläufige) Schlussstrich unter ein ambitioniertes Carsharing-Konzept gezogen, das für das gesamte Leinebergland ausgerichtet war. Nach der Vorstellung des Konzeptes vor gut zwei Jahren sprangen nach und nach alle infrage kommenden Kommunen ab. Zuletzt zog nun auch Delligsen die Reißleine. Die Entscheidung im Gemeinderat fiel einstimmig.

Delligsen war im Projekt der letzte Mohikaner

Dabei hatte Delligsen lange an dem Plan festgehalten. Zwischenzeitlich war in den politischen Gremien die konkrete Entscheidung gefallen, sich an dem Angebot zu beteiligen. Dazu sollten in einem ersten Schritt zwei Fahrzeuge im Bereich des Rathauses zur Verfügung stehen. Doch spätestens, als die Stadt Alfeld ausstieg, war auch für den Flecken Delligsen absehbar, dass die Gemeinde mit ihren rund 7200 Einwohnern nicht allein den großen Plan umsetzen kann.

In einer Vorlage der Verwaltung für die Politik heißt es zusammenfassend: „Aufgrund des Fehlens des gemeinsam gedachten Carsharing-Konzepts in der Region Leinebergland, der derzeitigen finanziellen Situation und des Risikos, dieses Konzept wirtschaftlich zu betreiben, ist eine derzeitige Umsetzung nicht darstellbar.“ Angedacht war nämlich, dass die Gemeinden durch ihre Beteiligung das Projekt anstoßen, sodass es in zwei, drei Jahren in privatwirtschaftliche Hände abgegeben werden kann.

Ein Ankerkunde fand sich nicht für das Vorhaben

Dazu wäre auch ein sogenannter Ankerkunde wichtig gewesen. Als Ankerkunden gelten Unternehmen oder große Behörden, die mit ihrem eigenen und dann für Carsharing zur Verfügung gestellten Fuhrpark eine Basis für das Angebot schaffen. Es fand sich aber keiner, der ein gewisses Kostenvolumen mitfinanziert hätte. Wie der Flecken Delligsen befürchteten auch die anderen Gemeinden, auf den Kosten sitzenzubleiben.

Vorgeschlagen hatte das gemeindeübergreifende Konzept der Verein Region Leinebergland. Das Beratungsunternehmen Eco Libro wurde eingebunden. Geschäftsführer Michael Schramek trommelte fortan für das Vorhaben. Seiner Ansicht nach mache Carsharing im ländlichen Raum vor allem deshalb Sinn, weil die Verfügbarkeit des ÖPNV begrenzt sei. Mit Carsharing würde, so Schramek, ein Auto pro Familie ausreichen.

Carsharing-Angebot könnte über Firmen laufen

Aktuell ist ein Carsharing-Angebot noch über Alfelder Firmen denkbar. Wie jüngst auf einer Versammlung des Industrievereins Alfeld zu erfahren war, werde diese Möglichkeit weiterhin ausgelotet. Dazu hatte es im vergangenen Jahr einen Workshop gegeben. Ob dieses Angebot, wenn es denn realisiert wird, nur für die Beschäftigten der Betriebe gelten soll oder für alle Interessenten, ist noch offen.

Darauf macht auch die Geschäftsführerin des Regionsvereins, Fabienne Gohres, aufmerksam. „Ich kann mir vorstellen, dass dieses Angebot dann die Grundlage für ein Carsharing-Angebot im Leinebergland bilden kann.“ Somit legt der Regionsverein die Idee also nicht ad acta? „Nein. Es ist so, dass die Haushaltslagen der Gemeinden ein Einsteigen in das Projekt aktuell nicht ermöglichen. Für uns ist es aber deshalb nicht erledigt“, betont Gohres.

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