Giesen - Das ist ein Paukenschlag: Itamar Stein verlässt zum Saisonende im Frühjahr 2026 den Volleyball-Erstligisten Helios Grizzlys Giesen. Damit endet eine seit 2016 andauernde Ära, bereits zwei Jahre vor dem eigentlichen Vertragsende des Cheftrainers. Und das kommt durchaus überraschend – auch für Grizzlys-Geschäftsführer Sascha Kucera.
Die Gründe für das vorzeitige Aus? Itamar Stein wird Deutschland mitsamt seiner Familie verlassen. „Die Entscheidung der Familie gilt es zu akzeptieren“, sagt Grizzlys-Boss Kucera. Der habe zwar das Gefühl gehabt, man habe der Familie „ein gutes Rundumpaket geschaffen“, wollte seinem Cheftrainer aufgrund seiner Verdienste aber auch keine Steine in den Weg legen. Stein selbst wollte zum aktuellen Zeitpunkt nichts zu diesem Thema sagen.
Grizzlys hätten gerne weitergemacht
Eine Trennung von Seiten der Grizzlys aus war kein Thema. Kucera sagte: „Wir oder ich hatten nie die Intention, die Zusammenarbeit zu beenden.“ Nicht umsonst hätte man den Vertrag des Cheftrainers vorzeitig bis 2028 verlängert. „Wir hätten gerne weiter mit Itamar zusammengearbeitet.“
Stein übernahm 2016 den damaligen Zweitligisten und entwickelte die Mannschaft gemeinsam mit Kucera zu einem gestandenen Erstligisten, der insgesamt bereits fünf Halbfinals in Liga und Pokal gespielt hat, viermal am Europapokal – darunter einmal der Champions League – teilgenommen hat und zwei Bronzemedaillen in der VBL eingefahren hat. Abgesehen von Trainerkollege Stefan Hübner bei der SVG Lüneburg (Anm. d. Red.: Hübner verlängerte erst kürzlich sogar bis 2030 bei der SVG) ist kein Trainer in der Volleyball-Bundesliga (VBL) so lange im Amt wie Stein. „Auch das ist im Trainergeschäft eher unüblich“, sagt Kucera. Aber zwischen Stein und Kucera sei eine Partnerschaft gewachsen, „mit einem großen Vertrauensverhältnis“, so Kucera.
Mehr als nur Trainer
Itamar Stein war bei den Grizzlys mehr als nur ein Cheftrainer. Kucera machte nie einen Hehl daraus, wie wichtig Steins Rolle auch als vermeintlicher Sportlicher Leiter oder Manager war. Denn dank des guten Netzwerkes des Trainers, schafften es die Grizzlys immer wieder, Spieler nach Hildesheim zu holen, die später Nationalspieler wurden und heute sogar in europäischen Top-Ligen spielen. Dank Namen wie Michiel Ahyi, Fedor Ivanov, Niklas Breilin, Jori Mantha oder Noah Baxpöhler etablierten sich die Giesener in den vergangenen Spielzeiten in den Top-4 der VBL. Zuletzt schaffte es mit dem Niederländer Ahyi ein Spieler sogar nach Südkorea oder der finnische Zuspieler Ivanov zum deutschen Serienmeister, den Berlin Recycling Volleys.
Steins gute Arbeit blieb auch bei internationalen Volleyball-Verbänden nicht unbemerkt. So heuerte er vor zwei Jahren als Nationaltrainer seines Heimatlandes Israel an.
Kucera habe auch bereits einige Namen im Kopf
Kucera blickt nun dennoch bereits nach vorn. „In Deutschland sind wir neben den etablierten Vereinen eine gute Adresse“, so Kucera. Aktuell belegen die Giesener Tabellenplatz drei – beendeten die vergangenen beiden Spielzeiten auch nach den Play-offs auf jenem dritten Rang.
Sorgen mache er sich deshalb nicht, einen Trainer zu finden. Dennoch wolle er das nun zeitnah erledigen, um weiter planen zu können. Kucera habe auch bereits einige Namen im Kopf, die dafür infrage kämen. „Ich bin gespannt, ob und in welcher Form sich vielleicht auch Trainer von sich aus melden“, fügte Kucera an.
„Ein neuer Trainer muss zu unserer DNA passen“
Für den Geschäftsführer „schließe sich eine Tür, aber es öffne sich eine andere“, das könne auch immer gut sein, mal etwas Neues zu machen. Verrückte Dinge will Kucera aber nicht machen. „Ein neuer Trainer muss zu unserer DNA passen und der Geschäftsführung vertrauen, dass wir solide und im Rahmen unserer Möglichkeiten arbeiten.“ Plötzlich horrende Gehälter für Spieler auszugeben, das werde es bei den Grizzlys nicht geben.
Spanischer Außenangreifer verlässt Grizzlys
Zu sofort verlässt die Helios Grizzlys Giesen im Übrigen Außenangreifer Juan Manuel Gonzalez. Nach ordentlichem Saisonstart hatte zuletzt Yannik Ahr dem 31-jährigen Spanier den Rang im Team abgelaufen. So einigten sich Spieler und Verein in „beiderseitigem Einvernehmen“ auf eine Vertragsauflösung. Die Partie am vergangenen Sonntag gegen die WWK Volleys Herrsching war die letzte Partie für Gonzalez.
Laut Kucera würden die Giesener Verantwortlichen nun den Spielermarkt sondieren, um noch einmal nachlegen zu können.

