Söhlde - Entspannung und Konzentration – für viele ist das ein Gegensatz, nicht aber für Bogenschützin Claudia Minschke von der Schützengesellschaft Söhlde. „Das ist Entspannung für mich“, sagt die 57-jährige Deutsche Meisterin über ihre Passion.
2005 hat sie mit dem Bogenschießen angefangen – inspiriert durch Nachbarn und Freunde. „Ich habe einfach angefangen und bin dabeigeblieben“, erklärt Minschke. Mittlerweile ist sie durch Trainer Oliver Janeczko immer besser geworden, der sie letztlich auch auf die Teilnahme bei der Deutschen Meisterschaft gebracht hat. „Mensch Claudia, mach’ doch mal mit“, hat Janeczko sie immer wieder motiviert.
Sie hat Skoliose
Minschke schießt normal und para – das heißt, dass sie auch bei Wettkämpfen für Menschen mit Behinderung teilnimmt. Die Schützin hat Skoliose – eine immense Einschränkung bei ihrem Hobby. „Meine Rückenbeschwerden sind durch den Sport aber besser geworden“, erklärt sie. Aus diesem Grund ist sie jetzt auch beim Para-Bogenschießen dabei. Und nun sogar Deutsche Meisterin in dieser Disziplin.
Die Meisterschaft hatte im Februar über zwei Tage in Saarbrücken stattgefunden. Am Ende erzielte Minschke 526 von 600 möglichen Ringen – die Bestleistung in ihrer Klasse. Beim Wettbewerb hat sie die Scheiben mit ihrem Recurvebogen aus einer Entfernung von 18 Metern gut getroffen. In zwei Durchgängen trafen jeweils 30 Pfeile die Scheibe und brachten Minschke den Titel. Für die Meisterschaft war sie schon einen Tag vorher angereist und hatte sich die Wettkampfstätte angeschaut. „Das mache ich immer so“, erklärt die 57-Jährige.
Ein besonderer Moment
Am Austragungstag musste sie dann zuerst zur Klassifizierung – „für eine körperliche Einschätzung“. Nach der Bogenabnahme ging es dann endlich los. Minschkes persönliches Highlight bei der DM: „Als sie die Nationalhymne gespielt haben, das war ein ganz besonderer Moment.“
Gegen Nervenkitzel hat die Söhlderin einen Tipp: „Ich gucke zwischendurch nie auf das Ergebnis.“ Umso größer war ihre Freude, als sie von ihrem Endergebnis erfahren hat. „Der Platz ist mir egal, die Ringzahl muss stimmen. Da war ich dann auch zufrieden.“
Das harte Training muss sich schließlich auch lohnen: Mit den Söhlder Schützen trainiert sie mindestens zweimal wöchentlich für über zwei Stunden. Dazu kommen aber noch extra Trainingszeiten – auch sonntags. „Zum Bogenschießen kommen alle aus dem Umkreis nach Söhlde“, freut sich die Sportlerin. Die Hilfe und Unterstützung im Verein sei super.
Weinend am Telefon gratuliert
Auch bei der Meisterschaft hat sie Beistand erhalten: Karin Pusch, Vereinsvorsitzende, gratulierte ihr direkt nach ihrem Erfolg weinend am Telefon. In Zukunft möchte die Schützin auch in ihrer normalen Klasse weiterkommen. Außerdem hofft sie, dass sie ihren Titel bei der Deutschen Meisterschaft im kommenden Jahr verteidigen kann. „Zu Olympia werde ich aber wahrscheinlich nicht kommen“, sagt Minschke und lacht.
Der Bogensport liegt ihr am Herzen. Als Spartenleiterin gibt sie Anfängerinnen und Anfängern die ersten Tipps mit auf den Weg. In den vergangenen Jahren konnte die erfolgreiche Sportlerin auch ihren Mann Andreas Minschke für den Bogensport begeistern. „Der war schon vorher immer mit dem Fernglas dabei“, sagt die zweifache Mutter schmunzelnd.
In Söhlde ist alles barrierefrei
Außerdem wünscht sie sich, dass der Sport populärer wird und mehr Menschen mit Behinderung darauf aufmerksam werden: „Der Sport eignet sich wirklich für fast alle Menschen, aber das wissen die meisten gar nicht.“ Bei der Deutschen Meisterschaft waren unter anderem Rollstuhlfahrer und Blinde dabei. Auch bei der Söhlder Schützengesellschaft ist das möglich und erwünscht. „Bei uns ist alles behindertengerecht“, sagt Claudia Minschke. Die Trainingsstätte ist ebenerdig.
Im Vorjahr haben dort auf dem Freigelände bereits die Para-Landesmeisterschaften stattgefunden. Auch im Juni diesen Jahres werden sie wieder in Söhlde ausgetragen. Mit Minschke als erfahrene Para-Schützin wird der Einstieg für Personen mit Einschränkungen leichter. Jedenfalls weiß die 57-Jährige über ihren Lieblingssport bestens Bescheid – und freut sich, wenn sie diese Vorliebe mit anderen teilen kann.
Von Rike Schmieding

