Heersum - Seit ein paar Tagen spielen sich mitten in Heersum immer wieder die gleichen Szenen ab: Vor der früheren Geschäftsstelle der Volksbank bremsen die Fahrzeuge abrupt ab, die Insassen steigen aus und zücken ihr Smartphone. Was sie dort vor die Linse bekommen, ist dank des Forums für Kunst und Kultur zu einem echten Hingucker geworden. Kurzerhand haben die Macher des überregional bekannten Landschaftstheaters die Elbphilharmonie-Kulisse aus der vorigen Spielzeit reaktiviert und rund um das Gebäude in der Mittelstraße aufgebaut. Weil aber nun mal die Elbe nicht gerade in der Nähe fließt, steht in Heersums Mitte nun die „Innerstephilharmonie“.
Endlich eine Gedenktafel
Aber nicht nur das Gebäude, das nun dauerhaft für staunende Blicke in der Mittelstraße sorgen soll, hat am Sonnabend die Blicke der Gäste auf sich gezogen. Im Nachklang zur 1000-Jahrfeier der Ortschaft Heersum stand noch eine Sache auf der Liste, die allerdings erst elf Monate später in die Tat umgesetzt werden konnte: Am Wochenende hat die Gedenktafel zum Ortsjubiläum endgültig ihren Platz in im Dorf gefunden.
Für die Tafel, auf der eine Kopie des Heersumer Ammonshorns zu sehen ist, zeichnete der Tischtennisclub (TTC) verantwortlich. Nach der Feier im Mai 2022 musste die Gedenktafel aber erst einmal eingelagert werden. „Die Bürokratie stand uns im Weg“, erklärte die TTC-Vorsitzende Silke Klöpper bei der Enthüllung. Es musste zunächst eine Bauvoranfrage beim Landkreis eingereicht werden. Nach mehreren Monaten Wartezeit hieß es dann: Es handelt sich um kein Eh-renmal, sondern um eine Werbetafel. So blieb den Heersumern nur der Weg über einen Bauantrag, den ein Architekt einreichen musste. Schließlich ging die Baugenehmigung im Februar 2023 bei den Verantwortlichen ein. „Nun können wir die Gedenktafel ganz legal an die Ortschaft übergeben“, erklärte die Vorsitzende.
Ein Wohnzimmer für alle
Die Freude über das besondere Erinnerungsstück war auch bei Ortsbürgermeister Ansgar Debertin groß. Er richtete einen Dank an den Dorf- und Förderverein für die Ausrichtung des Tages und an das Forum für die äußere Gestaltung des Hauses . „Zu dem neuen Hingucker werden in Zukunft sicher viele Fragen gestellt werden“, vermutet der Ortsbürgermeister.
Das Ammonshaus sei auch künftig ein Ort der Begegnung, „so etwas wie ein öffentliches Wohnzimmer.“ „Es steht allen Bürgerinnen und Bürgern offen“, erklärte Debertin. Um ein Teil der Mietkosten wieder einzuspielen, können die Heersumer Aktien zu jeweils 60 Euro kaufen. Einige Gäste überlegten nicht lange und nahmen gleich ein Zertifikat mit nach Hause.
Original in Berlin, Fälschung in Heersum
In einer Glasvitrine im Eingangsbereich des Hauses ist die echte Fälschung des Heersumer Ammonshorns zu sehen. Das Original, das vor 160 Jahren im nahe gelegenen Steinbruch von dem Geologen Karl von Seebach gefunden wurde, ist im Museum für Naturkunde in Berlin zu sehen. „Die Verantwortlichen haben uns aufgezeigt, dass es rechtens in dem Museum ist. Als eine Art Wiedergutmachung für den Verlust haben sie uns eine originale Nachbildung zur Verfügung gestellt“, be-richtete Jürgen Zinke für das Forum. Die Gäste nutzten die Gelegenheit, um im Ammonshaus eine ganz besondere Bilderausstellung zu besuchen. Im Jahr 1997 hat der Fotograf Daniel Schürer ein Großteil der damals 430 Heersumer Einwohner vor ihren Haustüren abgelichtet. Nun sollte es eine Neuauflage der Ausstellung „Heersum goes“ geben.
Allerdings gestalteten sich die Bemühungen dazu sehr schwierig. Denn die Freizügigkeit von damals ist offenbar der Angst gewichen, dass die Fotos irgendwo im Internet landen. „Heute rückt keiner so leicht sein Bild raus“, meinte Zinke. Doch die Hoffnung bleibt, dass vielleicht doch noch die Skepsis ausgeräumt und schließlich das Dorf wie 1997 in einen Raum gebracht werden kann. „Die Bilder werden wirklich nur an die Wand gehängt. In den Jahren hat sich schließlich jede Menge getan. Heute zählt Heersum gut 300 Einwohner mehr. So bekämen wir dann einen umfassenden Überblick über die Bevölkerung“, ergänzte der Ortsbürgermeister.
