Kampf gegen Corona

Damit rechnet der Kopf der Hildesheimer Impfteams zum Start

Hildesheim - Dr. Elmar Wilde sagt, wie lange die Immunisierung pro Heim dauert, warum immer neue Teams unterwegs sind und warum der Aufwand viel größer ist als bei der Grippeimpfung.

Dr. Elmar Wilde ist als ärztlicher Leiter für Impfzentrum und Impfteams in Hildesheim verantwortlich. Foto: privat

Hildesheim - In bis zu vier Pflegeheimen sollen am Dienstag, 5. Januar, die ersten Corona-Impfungen im Landkreis Hildesheim verabreicht werden. Um allen Bewohnern und Mitarbeitern eines großen Heims die ersten Impfdosen zu verabreichen, dürften drei Tage nötig sein. Damit rechnet der Hildesheimer Hausarzt Dr. Elmar Wilde, der als ärztlicher Leiter des hiesigen Impfzentrums auch für das zugehörige Team zuständig ist. Für das Impfzentrum und die beiden Teams in Alfeld hat mit Dr. Dorothea Mordeja eine weitere Hildesheimer Medizinerin die Verantwortung übernommen.

Wilde geht bei seiner Schätzung von 100 Bewohnern und 100 Beschäftigten aus. Er hält es für realistisch, pro Tag 50 Senioren oder 100 Mitarbeiter zu immunisieren. „Bei den Bewohnern dauert es sicher etwas länger, da muss man mehr Geduld haben und das ganz in Ruhe machen“, sagt Wilde, der bei den ersten Impfungen selbst dabei sein will.

Aufwand beim Verdünnen

Nach seiner Kalkulation könnten bis Ende Januar alle Heimbewohner und Heim-Mitarbeiter, die es wollen, ihre ersten Impfdosen verabreicht bekommen haben. Zudem sollen im Laufe des Monats auch die Impfungen von Nicht-Heimbewohnern über 80 in den beiden Zentren in Hildesheim und Alfeld beginnen. Exakt 21 Tage nach der ersten Impfung folgt die zweite, eine Woche danach soll der Impfschutz laut Robert-Koch-Institut wirken.

Wilde betont, dass die Corona-Immunisierung mit dem Impfstoff von Biontech und Pfizer vom logistischen Aufwand her nicht mit einer Grippeimpfung vergleichbar sei. „Der einzelne Vorgang dauert deutlich länger.“ So wird der Impfstoff vom Hersteller in kleinen Fläschchen geliefert, in den fünf Impfdosen enthalten sind. Diese müssen vor der Impfung mit einer 0,9-prozentigen Kochsalzlösung verdünnt werden.

Mehr als 60 Ärzte dabei

Grundsätzlich sollen die Impfteams in täglich wechselnder Besetzung an die Arbeit gehen – weil fast alle Beteiligten den Job zusätzlich zu ihrer eigentlichen Arbeit machen, teilweise auf 450-Euro-Basis. Resonanz und Bereitschaft seien beeindruckend gewesen, lobt Wilde. Mehr als 50 Ärzte hätten sich allein über die Kassenärztliche Vereinigung gemeldet, weitere zehn bis 15, zum Teil aus Kliniken, über die Ärztekammer. Hinzu kommen Dutzende Medizinische Fachangestellte (MFA), Pflege- und Rettungskräfte und andere „Impfberechtigte“, sie über Rotes Kreuz, ASB und Johanniter rekrutiert wurden.

Dabei besteht ein Team aus einem Arzt, der unter anderem die zu Impfenden zu ihrem Gesundheitszustand befragt und über die Impfung aufklärt. Das Impfen übernimmt eine Fachkraft, hinzu kommen ein Mitarbeiter für die Dokumentation und Verwaltung sowie ein Fahrer. Die Herkules-Aufgabe, bei derart vielen Beteiligten für alle passende Dienstpläne zu schreiben, übernimmt Sandra Oschmann, Netzmanagerin im von Wilde mit gegründeten Praxis-Netzwerk Hil-Med.

Kommen die Impfdosen?

Der Impfzentrums-Leiter selbst will am Donnerstag, 7. Januar, seine eigene Hausarzt-Praxis in der Innenstadt wieder öffnen: „Bis dahin hoffe ich, dass wir die Arbeit so weit organisiert haben, dass sie läuft.“ Die Qualifikationen aller Impfberechtigten sind bereits überprüft. Dennoch wird die Arbeit des Impfzentrums und der Impfteams Wilde weiter beanspruchen. „Aber so etwas reizt mich, ich mache das gern und glaube, ich kann das auch ganz gut“, zeigt sich der 58-Jährige zuversichtlich.

Ob es am 5. Januar wie geplant mit den Impfungen im Landkreis Hildesheim losgehen kann, hängt indes auch von der Organisation auf Landesebene ab. Der Landkreis erwartet am Montag die endgültige Information darüber, ob die zugesicherten Impfstoff-Dosen tatsächlich geliefert werden. Zuletzt hatte das Land Engpässe durch die Absage einer geplanten Lieferung in der nächsten Woche einräumen müssen.

  • Hildesheim
  • Hildesheim
Anmerkung zum Artikel

Sie haben einen Fehler im Artikel gefunden? Oder haben Sie weitere Informationen zu dem Thema für uns? Dann teilen Sie uns diese gerne mit.