Hildesheim - In der Dammstraße laufen die Vorbereitungen für den Einbau der Betonplatte, mit der die Stadt die historische Brücke im Boden versiegeln will. Bevor es dazu kommt, können die Archäologen aber demnächst erstmals einen direkten Blick auf einer Teil der Oberfläche der Nordseite des 850 Jahre alten Bauwerks werfen. Wann es dazu kommt, steht noch nicht fest. Dies gilt auch für den Einbau der Platte.
Seit die Brücke im Mai 2022 entdeckt wurde, sind Archäologen und Bauarbeiter bei ihrem Einsatz regelmäßig von Zaungästen beobachtet worden. Doch derzeit haben Passanten kaum noch Gelegenheit, das Geschehen in der Dammstraße zu verfolgen: Das Gelände ist weiträumig abgesperrt, seit einigen Wochen müssen auch Fußgänger und Radfahrer einen großen Bogen darum machen.
Arbeiten laufen gerade in einem Bereich, der nicht von der Umgebung aus einzusehen ist
Das liegt allerdings nicht daran, dass es dort etwas zu verbergen gibt: Das Geschehen vor Ort spielt sich inzwischen vor allem am Torbogen neben der Mauer des einstigen Johannis-Hospitals ab, das Gelände ist einfach nicht von außen einsehbar. Dort haben dieser Tage die Arbeiten für den letzten Abschnitt des Fundamentgrabens auf der Nordseite der Brücke begonnen; dieser so genannte Verbaukasten entsteht am östlichen Rand des historischen Bauwerks in Richtung Innenstadt.
Der Graben soll fünf Meter tief werden, derzeit sind in diesem letzten Abschnitt erst 1,80 Meter erreicht. Die Archäologen haben Reste früherer Gebäude entdeckt, darunter eine Wand, die zum Hospital gehört haben könnte. Sie stießen außerdem auf Keramikteile, die vermutlich aus dem Mittelalter stammen.
Skelette steckten dort bisher nicht im Boden – ganz anders als im westlichsten Abschnitt des nördlichen Fundamentsgraben in Richtung Moritzberg. Dort enthielt die Erde eine Knochengrube mit Schädeln, Armen und Beinen, die beim Umbetten Verstorbener vor einigen Jahrhunderten entstanden sein könnte.
Noch keine Skelette im letzten Grabenabschnitt für das Fundament – doch die könnten noch kommen
Die Archäologen fanden zudem mehrere komplette Gerippe, einige davon in Särgen, andere mit Brettern geschützt – manche nur von oben, manche nur von unten, einige auch von beiden Seiten bedeckt. Bei den bisherigen Arbeiten in der Dammstraße tauchten allerdings erst ab einer Tiefe von drei Metern Knochen oder Skelette auf – was bedeutet, das damit auch in dieser Baugrube noch zu rechnen sein könnte.
Auch hinter den Kulissen laufen die Vorbereitungen zum Einbau der Betonplatte auf Hochtouren. So haben sich die Vertreter der Stadt, des Landesamts für Denkmalpflege und der Stadtentwässerung – Letztere ist formal der Bauherr – auf das weitere bautechnische Prozedere verständigt.
Danach soll der Betondeckel eine etwas größere Fläche als die ursprünglich geplanten 330 Quadratmeter abdecken: Hinzu kommt nun noch der Bereich, der den äußersten erhaltenen Brückenbogen auf der Südseite überspannt. Mitarbeiter des Institutes für Bauforschung der Technischen Universität Braunschweig rücken in den nächsten Tagen an, um den Bogen zu vermessen, kündigt Baustellen-Chef Stefan Keck von dem Ingenieurbüro BN Umwelt GmbH an.
Archäologen können erstmals einen Teil der Nordseite der Brücke in der Dammstraße erkunden
Ansonsten ist der südliche Teil der Brücke, der seit November komplett freigelegt war, bereits mit einem Vlies abgedeckt. Darüber kommt später Erde, dann die Betonplatte und am Ende schließlich die neue Fahrbahn der Dammstraße. Auf der Nordseite dürfen die Archäologen sich vor den abschließenden Arbeiten erstmals die Oberseite des 850 Jahre alten Bauwerks anschauen, dazu entsteht auf einer eher kleinen Fläche ein Grabungsschlitz.
Wann all das passiert, kann Keck noch nicht sagen: Dies hänge vom Baufortschritt ab, erklärte er auf Anfrage der HAZ. Der kommissarische Chef des Fachbereichs Tiefbau der Stadt, Nils Rühmann, versicherte in der vergangenen Woche im Ausschuss für Stadtentwicklung auf Nachfrage von CDU-Fraktionschef Dennis Münter, man hoffe weiter, mit allen Arbeiten „im Sommer durch zu sein“.


