Keller der Victoria-Brauerei

Das letzte Geheimnis des alten Hildesheimer Eiskellers: 500 Euro Belohnung für den, der es lüftet

Hildesheim - Am Moritzberg wurde einst Bier gebraut, davon zeugt bis heute der 1872 errichtete Felsenkeller. Seine Restaurierung ist auf einem guten Weg, gerade ist er vom Schutt freigeräumt worden. Eines allerdings fehlt: ein Hinweis auf die originale Inschrift über dem Eingang.

Hildesheim - Im vergangenen Jahr ist er 150 Jahre alt geworden, der Eiskeller der ehemaligen Victoria-Brauerei am Moritzberg. Das historische Gemäuer, auch Felsenkeller genannt, war schon vieles: Kühllager für Bierfässer, Luftschutzraum während des Zweiten Weltkriegs, Veranstaltungsort. Und er soll noch vieles werden – deshalb arbeitet der „Verein zur Erhaltung des Eiskellers der ehemaligen Victoriabrauerei Hildesheim“, wie er mit vollständigem Namen heißt, daran, ihn zugänglich zu machen und nutzen zu können – seit vielen Jahren schon.

Schubkarrenweise haben wir den Schutt aus den Kellerräumen geholt.

Eiskeller-Experte Wolfgang Grollmuß

Nun aber ist ein wichtiges Stück geschafft, wie Wolfgang Grollmuß vom Vereinsvorstand erzählt, ein kleiner Meilenstein. „Schubkarrenweise haben wir den Schutt aus den Kellerräumen geholt“, sagt er, ganze 140 Tonnen sind es geworden. Jetzt sind die Räume so gut wie leer, die meisten sogar einigermaßen trocken. Ein Riesenschritt in Richtung Neunutzung, wie Grollmuß sagt. „Alles, was wir hier machen, findet in Absprache mit dem Denkmalschutz statt.“

Die Türbeschläge, das war der Stil des Biedermeier

Nun geht es Schritt für Schritt weiter: Grollmuß hat sich an diesem Tag mit Stefan Ergezinger verabredet, der mit seiner Frau eine Goldschmiede in der Hamelner Altstadt führt. Ergezinger will sich den Türbeschlägen am Kellereingang widmen, den Handgriffen und Türbändern. Auch sie sollen stilecht gestaltet sein, eben so, wie sie 1872 aller Wahrscheinlichkeit nach ausgesehen hätten.

Das war Biedermeier. Aber nicht mit diesen ganzen Verschnörkelungen, wie man sie von Bürgerhäusern kennt, sondern schlicht.

Stefan Ergezinger, Schmied

Er hat Entwürfe mitgebracht, in ein Skizzenheft gezeichnet, dazu Materialproben. Wie das Ganze aussehen soll? „Biedermeier“, sagt Ergezinger. „Aber nicht mit all diesen Verschnörkelungen, wie man sie von Bürgerhäusern oder Möbeln kennt, sondern viel schlichter. Das hier war ja ein Wirtschaftsgebäude, eine sehr pragmatische Nutzung, und so sahen dann eben auch die Schmiedearbeiten aus.“

Drinnen herrschen immer 13 Grad, in jedem Raum

Ergezinger ist einer, der sich in den Auftrag, in das Gebäude und seine Historie hineindenkt, um auf den passenden Entwurf zu kommen. Am Eiskeller fasziniert ihn die Funktionalität. „Wenn man bedenkt, dass das Ganze in den Felsen gebaut ist und da drinnen noch heute kontinuierlich 13 Grad herrschen“, sagt er bewundernd. „Oder dass da ein neun Meter hoher Turm zur Eislagerung diente, das ist schon irre.“

Von den Führungen wissen, glaube ich, immer noch zu wenige Hildesheimer.

Wolfgang Grollmuß

Da will er dabei sein, das einst erklärte Ziel der Gründungsväter und des Vorstands zu erreichen, nämlich den Felsenkeller originalgetreu wieder herzurichten. Die Kosten für die Arbeiten – nicht nur für den Schmied, sondern auch für alle anderen Gewerke, Materialien und Baugeräte – bestreitet der Verein zu einem Großteil aus Spenden, auch die Stadt Hildesheim beteiligt sich. Und dann wären da auch noch die Führungen durchs Gewölbe, die an jedem ersten Freitag im Monat um Punkt 17 Uhr starten, wie Grollmuß sagt, und die man ganz ohne Anmeldung besuchen kann. „Davon wissen, glaube ich, immer noch zu wenige Hildesheimer.“

500 Euro Belohnung für einen Hinweis auf die Inschrift

Eine finanzielle Ausgabe allerdings konnte der Verein bislang nicht tätigen, obwohl er gern würde: „Wir haben 500 Euro Belohnung ausgelobt“, so Grollmuß, „und zwar für denjenigen, der uns sagen kann, welche Inschrift sich einst über dem Portal befand.“

Dieses Geheimnis hat der Eiskeller bis heute nicht preisgegeben, auch die Archive der Stadt hat der Verein bislang umsonst bemüht. „Vielleicht hat noch jemand eine alte Postkarte zuhause, auf der die Inschrift zu sehen ist“, sagt Grollmuß und gibt schmunzelnd allen Schlaumeiern noch mit auf den Weg: „Einfach googeln hilft nicht. Das haben wir alles selbst schon versucht.“


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