Hildesheim - In der langen Reihe katholischer Heiliger nimmt der Hildesheimer Bischof Godehard eine prominente Stellung ein. Er wird von Italien bis Skandinavien verehrt, Gotthardpass und -tunnel wurden nach ihm benannt. An diesem Sonntag kommt sogar, nach dreijähriger Vorbereitungszeit, ein musikalisches Mammutwerk hinzu. Das unglaubliche Geschenk eines 24-jährigen Hildesheimers an „seine“ Gemeinde.
Wie kann es sein, dass einem so bedeutenden Mann wie St. Godehard noch kein Oratorium gewidmet wurde? Diese Frage stellte sich Tobias Meyer, Kantor an St. Godehard, als das 850. Jubiläum der Basilika näher rückte – und er hatte eine Idee, wie man Abhilfe schaffen könnte. Seit vielen Jahren kannte er Johannes Berndt. Der hat Komposition, Dirigieren und Philosophie in Hannover, Salzburg und Mailand studiert, gerade schließt er in Hannover sein Masterstudium in Orchesterleitung ab. Was aber in diesem Fall genauso wichtig ist: Berndt stammt aus der St.-Godehard-Gemeinde und hat sich in der katholischen Jugendarbeit engagiert.
Ein Geschenk an die Gemeinde
„Ich bin dankbar, dass ich der Gemeinde meine kompositorische und musikalische Stimme leihen darf“, sagt der 24-Jährige. So groß ist der Dank, dass er kein Honorar für die Auftragskomposition verlangt. Dabei hat er drei Jahre lang an dem 75-minütigem Werk gearbeitet, das nun uraufgeführt wird. 216 Seiten hat die Partitur, geschrieben für Orchester, Chor, Solistinnen und Solisten sowie Orgel. Berndt wird die 38 Musikerinnen und Musiker sowie 55 Sänger und Sängerinnen am Sonntag selbst dirigieren.
Und zwar genau ein Jahr nach dem ursprünglichen Termin. Eigentlich war der Plan, das Oratorium als krönenden Abschluss des Godehard-Jubiläumsjahres erklingen zu lassen. Doch dann machte im Herbst 2022 die Heizungsanlage in der Kirche schlapp, was zur Absage aller Konzerte bis zum Frühjahr führte. Auch die Uraufführung musste verschoben werden. „Für die Proben war der Kirchraum einfach zu kalt“, sagt Kantor Meyer.
Nun jedoch ist es so weit. Der Aufbau des Werks orientiert sich am Barock, der Blütezeit der Gattung. Er habe sich von der alten Formensprache mit Rezitativen, Arien, Chorälen und Chorpassagen inspirieren lassen, sagt Berndt, sie aber nicht kopiert. Klanglich fährt er einiges auf. Neben den üblichen Orchesterinstrumenten hat er so genannte Regenmacher (Rohre mit Sand und Steinchen, die den Klang von Regen imitieren), Gongs, die ins Wasser getaucht werden, zwei Harfen, ein Donnerblech und auch eine Peitsche hineinkomponiert.
Das Stück sei maßgeschneidert für die Basilika, ergänzt Berndt. Neben der großen Orgel komme eine kleine Chororgel zum Einsatz – und ebenso die Glocken von St. Godehard. Das Junge Kammerorchester Niedersachsen wirkt mit, außerdem Annette Broll an der Orgel sowie die Solistinnen und Solisten Steffi Fischer, Anna Padalko, Uwe Gottswinter, Leon-Maurice Teichert und Yannick Spanier. Das Vokalensemble St. Godehard und der Kammerchor des Mariano-Josephinums singen auf Deutsch und Latein.
Wieder entdecktes Wunder
Johannes Berndt hat nicht nur die Musik komponiert, sondern auch die Texte geschrieben. Allein die Recherche dafür habe ein ganzes Jahr gedauert, sagt der Musiker: „Ich habe mich intensiv mit der historischen Person des Heiligen Godehard beschäftigt.“ Die wichtigste Quelle sei die mittelalterliche Biografie „Vita Godhardi“, die einst Wolfhere von Hildesheim verfasst und die Jörg Bölling erst kürzlich neu übersetzt hat. Außerdem enthält sein Textbuch Bibelstellen und Hymnen über St. Godehard.
Die Geschichte, die das Oratorium erzählt, reicht von einem Traum des Bischofs bis zu seiner Seelenhimmelfahrt. Auch eine Legende, die erst vor wenigen Jahren wiederentdeckt wurde, wird darin auftauchen: Godehard soll einen zum Tode verurteilten Hildesheimer mit einem Wunder gerettet haben. Was für ein Wunder das war, will Berndt leider nicht vorab verraten.
Hier gibt es Tickets
Die Uraufführung vom „Godehard-Oratorium“ ist am Sonntag, 5. Mai, um 17 Uhr in der Basilika St. Godehard. Einlass ist ab 16 Uhr. Um 16.40 Uhr gibt Jörg Bölling eine kurze Einführung. Vorverkaufskarten bekommt man für 29 Euro, ermäßigt 19 Euro in der
Schlickeiser-Apotheke am Hohen Weg sowie im Pfarramt St. Godehard, Lappenberg 21. An der Tageskasse kosten die Karten zwei Euro mehr.

