Sarstedt - Die Dimensionen werden immer deutlicher: Mit Hochdruck lässt der Logistik-Riese Raben Group derzeit seine neue Niederlassung auf dem Gelände des früheren Edeka-Lagers in Sarstedt errichten. Sie soll den bestehenden Standort in Langenhagen ersetzen, der dem Unternehmen zu klein geworden ist. Jetzt hat sich die Raben Group auf HAZ-Anfrage erstmals zu ihren Plänen geäußert.
Was entsteht dort genau?
Die Raben Group lässt dort ein Logistikzentrum mit einer Grundfläche von rund 36.000 Quadratmetern Grundfläche errichten. Der Neubau wird damit noch größer als die beiden Hallen auf dem früheren Metro-Gelände und wird zum flächenmäßig größten Gebäude in Sarstedt. Geplant sind allein 80 Tore zur Be- und Entladung von Lastwagen. zudem soll die Immobilie Lagerstätte für mehr als 40.000 Paletten mit Waren aus unterschiedlichsten Branchen sein, wie Raben-Sprecher Dirk Fellhauer erklärt.
Wie viele Arbeitsplätze entstehen?
60 Beschäftigte können vom bisherigen Standort Langenhagen mitkommen, abgesehen davon sucht Raben aber neue Personal: Bis zum Ende des Jahres soll die Belegschaft auf 80 Beschäftigte anwachsen. Raben sucht vor allem Führungskräfte, Disponenten, Spezialisten für internationale Transportlogistik, Mitarbeiter im Kundenservice sowie Fachleute für Vertrieb, sowohl im Innen- als auch im Außendienst. Längerfristig will die Raben Group ihr Personal in Sarstedt nach eigenen Angaben auf 200 Beschäftigte aufstocken.
Wer ist die Raben Group?
Das erste Unternehmen der Gruppe wurde 1931 in den Niederlanden gegründet. Heute hat Raben allein in Deutschland 39 Standorte und 3200 Mitarbeiter. Die Unternehmensgruppe verfügt nach eigenen Angaben über 2100 Transportmittel in der Bundesrepublik und bietet Land-, See-, und Luftfracht an. Europaweit unterhält Raben mehr als 160 Standorte in 14 Ländern und hat mehr als 10.000 Beschäftigte. Sie bringt es auf einen Jahresumsatz von mehr als 1,25 Milliarden Euro.
Warum Sarstedt?
„Der Standort hat bereits eine Historie, was die Logistik angeht, somit war es für uns eine optimale Lösung“, sagt Raben-Sprecher Fellhauer. Sarstedt solle auf Jahrzehnte „ein wichtiger Knotenpunkt innerhalb unseres europaweiten Stückgutnetzwerkes sein“. Dafür investiere die Unternehmensgruppe im zweistelligen Millionen-Bereich und habe einen langfristigen Mietvertrag abgeschlossen.
Was wird in Sarstedt umgeschlagen?
Raben will in Sarstedt alle möglichen Waren im Kundenauftrag umschlagen und zwischenlagern. „Aufgrund unserer breiten Palette an Transport- und Kontraktlogistik-Dienstleistungen haben wir keine Einschränkungen, was die Branchen angeht“, erklärt das Unternehmen.
Wie viel Verkehr löst das aus?
Die Raben Group rechnet damit, binnen 24 Stunden etwa 100 Fahrzeuge an den 80 Toren zu be- und entladen. Rund 30 davon sind für den Transport von Waren und Gütern innerhalb der Region im Einsatz. Da die Transporte in der Regel über den Nullpunkt gleich auf die Bundesstraße 6 rollen werden, dürfte sich die Lärmbelastung in Grenzen halten.
Wann soll es losgehen?
Der Umzug von Langenhagen nach Sarstedt soll sich in zwei Schritten vollziehen. „Wir haben geplant, im September den Bereich Kontraktlogistik in Betrieb zu nehmen“, sagt Firmensprecher Fellhauer. „Im Oktober wird dann die Spedition folgen und umziehen“.
Was war dort vorher?
In Sarstedt firmiert das riesige Areal am Teinkamp immer noch als Edeka-Gelände. Über Jahrzehnte unterhielt die Lebensmittel-Kette dort ein großes Warenlager, ehe sie es 2011 zugunsten eines größeren Neubaus in Lauenau aufgab. 200 Arbeitsplätze gingen damals in Sarstedt verloren. Insofern ist es eine Ironie der Geschichte, dass nun Sarstedt vom Wegzug eines Logistik-Unternehmens aus einer anderen Stadt, in diesem Fall Langenhagen, profitiert und die Zahl der Arbeitsplätze langfristig wieder bei 200 liegen soll.
Nach der Schließung des Lagers vermietete Edeka Halle und Gelände 2015/16 an das Land Niedersachsen, das dort eine große Notunterkunft für Flüchtlinge betrieb. Danach kaufte der schwedische Immobilien-Gigant EQT Exeter die Immobilie und ließ sie abreißen. Der Konzern plante zunächst ein Logistikzentrum für mehrere Mieter, einigte sich dann aber mit der Raben Group auf ein Solo-Projekt.




