Kreis Hildesheim - Dr. Katharina Hüppe, Leiterin des Hildesheimer Gesundheitsamtes: Ich rechne damit, dass uns ab Mitte Januar ein deutlicher Anstieg der Corona-Fallzahlen durch die Omikron-Variante bevorsteht. Wir als Gesundheitsamt sind darauf vorbereitet. So wird zum Beispiel Personal, das auch schon im vergangenen Jahr von anderen Ämtern des Landkreises ans Gesundheitsamt abgeordnet war, uns wieder unterstützen.
Auch im Kreis Hildesheim ist immer noch eine große Zahl an Menschen nicht gegen COVID-19 geimpft. Wir werden diese Menschen vermutlich nicht missionieren können. Sie sollten aber wissen, dass sie durch die rasante Verbreitung der Omikron-Variante ein sehr hohes Risiko eingehen. Nach derzeitigen Erkenntnissen wird die Infektionsgefährdung für Ungeimpfte als sehr hoch eingeschätzt.
Der wichtigste Beitrag zur Bekämpfung des Virus ist und bleibt weiterhin Impfen, Impfen, Impfen. Aber auch das Reduzieren von Kontakten sowie das Beachten der Hygiene- und Lüftungsregeln ist nach wie vor wichtig.
Da ich keine Glaskugel habe, kann ich keine exakte Prognose für das nächste Jahr abgeben. Ich gehe aber davon aus, dass sich im Frühjahr das Infektionsgeschehen wieder reduziert und vermutlich ein an die neue Variante angepasster, wirksamer Impfstoff zur Verfügung steht. Dann kann ich mir gut vorstellen, dass es uns besser geht.
Im Laufe des Jahres die Pandemie im Griff
Dr. Christian Theis, Chefarzt der Klinik für Anästhesie, Intensivmedizin, präklinische Notfallmedizin und Schmerzmedizin des Helios Klinikums Hildesheim: Wir haben deutliche Hinweise, dass es sich bei Omikron um eine sogenannte Immun-Escape-Variante handelt. Es scheint sich also zum ersten Mal um eine Variante des Virus zu handeln, bei der die normale Impfung nur bedingt schützt. Umso wichtiger ist es, dass sich jetzt möglichst viele Menschen boostern lassen, damit sie viele Antikörper gegen das Virus bilden.
Leider ist die Impfquote in Deutschland noch zu gering. Niedersachsen sticht hier allerdings mit einer vergleichsweise hohen Impfquote positiv hervor. Im Kreis Hildesheim gibt es inzwischen viele lokale Impfangebote, auch bei uns im Klinikum.
Ich bin daher zuversichtlich, dass es uns im kommenden Jahr gelingen wird, die Impfquote noch deutlich zu erhöhen. Unsere Helios-Mitarbeiter gehen dabei mit gutem Beispiel voran.
97 Prozent von ihnen sind inzwischen vollständig geimpft, ein Großteil bereits geboostert. Ich hoffe, dass wir im Frühjahr mit einem Imfpstoff impfen können, der an Omicron angepasst ist.
Im Laufe des Jahres werden wir dann hoffentlich die Pandemie soweit im Griff haben, dass wir wieder zu einem weitestgehend normalen Alltag zurückkehren können. Das wäre mein Wunsch für das nächste Jahr.
Protokoll: Sebastian Knoppik
Wir werden auch diese Krise überstehen
Stefan Kühn, Vizepräsident der Industrie- und Handelskammer Hannover: Die Wirtschaft hat in der Vergangenheit schon etliche Krisen überstehen müssen. Bankenkrise, Immobilienkrise, Autokrise – aber keine ist mit der derzeitigen Situation vergleichbar. Uns trifft hier eine tragische Situation, die viel von menschlichem Leid geprägt ist. Und die alle Branchen und gesellschaftlichen Elemente wie auch die Kulturszene und das öffentliche Leben betrifft.
Ich bin kein Virologe und mag keine Prognose für den weiteren Verlauf geben. Aber als Wirtschaftsmensch sehe ich langfristige Folgen für Industrie und Handel. Starke Veränderungen im Handel, ständig neue und sich ändernde Vorgaben erschweren die Planung. Ganze Branchen sind in Not geraten. Die Rohstoffpreise gehen durch die Decke, die Lieferkosten explodieren förmlich und die Lieferketten sind brüchig, so dass viele Bauteile nicht verfügbar sind und die Produktionen negativ beeinflussen.
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Trotzdem sehe ich hoffnungsvoll in die Zukunft, mit der Gewissheit, dass wir gemeinsam auch diese Krise und Pandemie überstehen werden. Und irgendwann nur noch eine Erinnerung an eine schlechte Zeit sein wird.
Mein Wunsch und Hoffnungen sind, dass wir aus dieser Krise lernen und resilienter im Umgang und effektiver bei der Abwendung zukünftiger Situationen werden.
Protokoll: Sebastian Knoppik
Wir brauchen weiterhin viel Geduld
Franz-Josef Bormann, Theologieprofessor und Mitglied des Deutschen Ethikrates aus Hildesheim: Die Covid-19-Pandemie scheint einmal mehr die Einsicht zu bestätigen, dass Prognosen schwierig sind. Zwar hat es sich inzwischen herumgesprochen, dass diese Pandemie noch lange nicht vorbei ist, da auch in Zukunft neue Virus-Mutanten auftreten können, die entsprechende Vorsichtsmaßnahmen und sogar eine weitere Anpassung unserer Impfstoffe erfordern. Doch steht bereits heute fest, dass eine gut organisierte und von einer klaren Aufklärungs- und Kommunikationsstrategie begleitete Impfkampagne der beste Weg ist, um den Schaden für alle Beteiligten zu begrenzen. Da Impfstoffe noch immer ein knappes Gut sind, sollten generell zuerst diejenigen Personen geimpft werden, die im Fall einer Infektion das größte Risiko für gravierende gesundheitliche Schäden haben. Und wegen der negativen Konsequenzen für Dritte dürfte auch die Einführung einer abgestuften gesetzlichen Impfpflicht als letztes Mittel gerechtfertigt sein – um zu vermeiden, dass das Gesundheitssystem überlastet wird. Ob eine solche Maßnahme tatsächlich politisch klug und durchsetzbar ist, steht auf einem anderen Blatt. Für das kommende Jahr brauchen wir auf jeden Fall weiterhin viel Geduld und die Bereitschaft zur Vorsicht und zur Rücksichtnahme insbesondere auf diejenigen, die sich aus medizinischen Gründen nicht selbst schützen können.


