Barnten - Als es am Donnerstagmorgen um 5.30 Uhr an der Tür von Renate Beneke-Böllersen klingelt, stehen dort Feuerwehrmänner. Und die sagen zu der 66-Jährigen: „Das Wasser kommt.“ Und Zack, war es da, sagt Beneke-Böllersen, Stunden später.
Vor ihrer Haustür in der Leinestraße in Barnten, dort, wo eigentlich Acker ist, steht das Wasser. Die angrenzenden Kies-Seen, die das Hochwasser der vergangenen Tage erst auffangen konnten, sind nun übergelaufen, wie Einsatzleiter Tobias Trapp von der Freiwilligen Feuerwehr Barnten erklärt. Gemeinsam mit rund 60 Personen ist er am Donnerstag seit 4.30 Uhr im Einsatz, auch das THW Elze ist vor Ort.
Um Barnten vor dem Wasser zu schützen, errichten die Einsatzkräfte Schutzwälle aus Bigpacks an der einen Seite des Ackers. An der anderen reihen sich rote, mit Wasser gefüllte Tonnen; AquaRiwa nennt sich das System. Das soll das Hochwasser umleiten, weg von Barnten. „Die Seen laufen über, weil die Leine reindrückt“, erklärt Trapp.
Anwohner versorgen Einsatzkräfte mitten in der Nacht
Wer nicht gerade Schubkarren schiebt, Sandsäcke stapelt oder die roten Tonnen mit literweise Wasser befüllt, gönnt sich eine kurze Verschnaufpause in der angrenzenden Scheune vom Hof Matthies. Dort reihen sich Getränkekisten aneinander. Anwohner und Anwohnerinnen haben quasi seit Einsatzbeginn dafür gesorgt, dass die Helfer und Helferinnen etwas zu essen und zu trinken haben.
Sven Steffin, ebenfalls ein Anwohner, wird vom Trubel draußen wach – und kocht mitten in der Nacht Kaffee und Tee. Außerdem verteilt er Kekse, die sind noch zu genüge von den Weihnachtsfeiertagen übrig. Die Einsatzkräfte freut’s; sowieso ist die Stimmung unter den Feuerwehrleuten gut. Es wird gescherzt, auch mal gelacht. „Ist wohl der Schlafmangel“, sagt einer.
Prognose: Arbeiten dauern ganze Nacht an
„Da wo sie gebraucht werden sind sie da – dafür sind wir dankbar“, sagt Beneke-Böllersen über die Helfer und Helferinnen. Sie steht, immer noch ganz ungläubig, vor der überschwemmten Fläche. In ihrem Keller hat sie erste Vorkehrungen getroffen, damit das Wasser nicht in den Fahrstuhl gelangen kann. „Gestern sah es hier noch ganz anders aus“, sagt sie mit Blick aufs Feld.
Klar, es hat hier öfter mal Hochwasser gegeben; auch 2017. „Aber sowas haben wir hier noch nie erlebt“, sagt ihre Schwester Regina Beneke, die ebenfalls in der Straße wohnt. Sie sagt aber auch: Zwar haben sie jetzt den Schaden, einen nassen Keller, aber noch ist bei diesem Hochwasser niemand zu Schaden gekommen. Und das sei das Wichtigste.
Eine Prognose, wie die kommenden Tage in Barnten aussehen könnten, will Einsatzleiter Trapp nicht abgeben. Die Lage ist dafür zu ungewiss. Man hofft hier, dass die Vorkehrungen reichen, damit Barnten mit einem blauen Auge davonkommt. Sicher ist am Donnerstag nur, dass die Arbeiten der Einsatzkräfte bis in die Nacht andauern.




