Hildesheim - Der ehemalige Hildesheimer Stadtbaurat Thomas Kulenkampff ist tot. Er ist am Freitag im Alter von 81 Jahren gestorben. Das hat Stadtsprecher Helge Miethe am Samstag bestätigt. Weggefährten haben mit Bestürzung auf die Nachricht des überraschenden Todes reagiert. Die Stadt verliert mit Kulenkampff einen engagierten Verwaltungsfachmann und auch Politiker (SPD), der sich fast 30 Jahre für Hildesheim eingesetzt hat.
Seit 1979 in Hildesheim
Thomas Kulenkampff wurde 1943 in Bremen geboren. Nach einer Maurerlehre hat er an der Fachhochschule Bremen Architektur studiert und später Städtebau an der Technischen Universität Berlin. Nach seinem Studium arbeitete er von 1975 an zunächst als Geschäftsführer bei der Deutschen Akademie für Städtebau und Landesplanung in Hannover. Seit Anfang 1979 war er in Hildesheim am Fachbereich Stadtplanung und Stadtentwicklung tätig – zunächst als Sachbearbeiter, dann als Bereichsleiter und seit 1990 als Leiter des Fachbereichs. Im Mai 2000 wurde er zum Stadtbaurat der Stadt Hildesheim und Dezernent für Stadtentwicklung, Bauen, Umwelt und Verkehr gewählt.
Zu Kulenkampffs Projekten gehörten beispielsweise 1991 die Entwicklung des Neubaugebietes Marienburger Höhe/Itzum, Anfang der 1980er Jahre die Sanierung und Entwicklung der Hildesheimer Nordstadt hinter der Bahn. Ebenfalls in diesen Jahren hatte er die Projektleitung beim Wiederaufbau des historischen Marktplatzes. Zu Beginn der Neunziger Jahre beschäftigte sich der Stadtplaner mit dem Baugebiet Lindholz in Ochtersum. Ein weiteres Großprojekt in den Neunzigern war die Konzeption des Gewerbegebietes Nord.
Honorarprofessor an der HAWK
Den Stadtbaurat-Posten hatte Kulenkampff bis zu seinem Ruhestand im Jahr 2008 inne. Bereits seit der Jahrtausendwende war er zudem zum Honorarprofessor an der Hochschule für Bildende Künste (HAWK) ernannt worden. Der damalige Präsident Martin Thren bezeichnete ihn als einen „Mittler zwischen Hochschule und Praxis par excellence“.
Nebenbei war Kulenkampff zudem Geschäftsführer des Planungsverbundes Nord, Aufsichtsratsvorsitzender der Wohnungsbaugesellschaft gbg, Mitglied des Aufsichtsrates des Stadtverkehrs und Mitglied der Zweckverbandsversammlung. Schon früh wurde ihm eine besondere Ehre zuteil: 1985 wurde Kulenkampff in die Deutsche Akademie für Städtebau und Landesplanung berufen, der bundesweit nur 400 Mitglieder angehören.
Rollenwechsel im Ruhestand
Bereits im Ruhestand schlug Kulenkampff noch einen ungewöhnlichen Seitenwechsel ein: Den ehemaligen Verwaltungsmann zog es 2016 in die Politik – und zwar in den Ortsrat Marienburger Höhe. Der Rollenwechsel habe ihn auch deswegen gereizt, weil er sich wieder um Themen kümmern konnte, die ihn schon als Stadtbaurat bewegt haben, so resümierte er später einmal. Und ja: Auch die Bürokratie war ihm oft ein Dorn im Auge. Mehr Informationsfluss, schnellere Entscheidungen – so lautete sein Credo.
So hatte sich Thomas Kulenkampff seinerzeit schon für unkonventionelle Ideen eingesetzt wie beispielsweise die Schuhstraße zu einer Fußgängerzone umzuwandeln. Oder aber, das Einkaufszentrum an der Marienburger Höhe einfach um drei Etagen aufzustocken, damit die Uni ihr Raumproblem lösen könne. Aber für solche Innovationen konnte der Wahl-Hildesheimer nicht genügend Mitstreitende gewinnen.
Sanierung des Bismarckturms
Von seiner Erfahrung als Stadtbaurat habe der Ortsrat später profitiert – zum Beispiel bei der angestrebten Sanierung des Bismarckturms, der nach Vorstellung Kulenkampffs wieder zu einem beliebten Ausflugsziel am Galgenberg werden soll. Diese Vollendung erlebt er nun nicht mehr mit.
Thomas Kulenkampff hinterlässt seine Frau und zwei erwachsene Kinder.

