Hildesheim - Eine geeigneteren Botschafter als Tim Friedrich hätte man beim VfR Germania Ochtersum für die Gruppen-Auslosung zum Kehrwieder-Cup kaum finden können. „Klar mache ich das“, freute sich der 23-Jährige Ur-Germane über die Einladung von VfR-Vorstand Reinhard Garms und Spartenleiter Florian Preußner. Der Oberliga-Fußballer des VfV Borussia 06 Hildesheim ließ sich nicht lange bitten. Schließlich verbindet ihn eine ganze Menge mit dem Traditionsturnier, das im kommenden Sommer auf der Anlage seines Heimatvereins ausgespielt wird.
Der Außenbahnspieler kennt die Hildesheimer Szene gut – und der Kehrwieder Cup gehört für ihn so lange er denken kann untrennbar zum festen Vorbereitungsprogramm für die Mannschaften und die Fans in der Region. Schließlich kommen regelmäßig mehr als 2500 Zuschauer zu den Spielen.
Erstes Herrenspiel beim Cup
Das Traditionsturnier hat sogar eine ganz besondere Rolle in der Karriere des BWL-Studenten gespielt. „Mein allererstes Herrenspiel habe ich beim Kehrwieder Cup 2019 in Harsum gemacht“, erinnert er sich. Noch als A-Jugendspieler hätte ihn der damalige Germanen-Trainer Milano Werner „wohl mehr aus Personalmangel“ ins kalte Wasser geworfen. Sogar an das Ergebnis kann er sich erinnern. „Es war eine 4:0-Klatsche gegen den SV Bavenstedt“, schmunzelt Friedrich.
Dass er drei Jahre später dann ausgerechnet beim Landesligisten landen würde, hatte er damals ganz und gar nicht geglaubt. Aber auch beim SV Bavenstedt spielte der Kehrwieder Cup eine ganz besondere Rolle für ihn. Omar Fahmy, heutiger Sport-Vorstand beim VfV 06, hatte den schnellen und für sein Alter schon so auffällig kaltschnäuzigen Stürmer als 20-Jährigen an die Bavenstedter Hauptstraße geholt.
Mit Bavenstedt in Ochtersum gewonnen
Das war für ihn damals ein erster großer Schritt. „Omar hat mir in den zwei Jahren eine Menge beigebracht,“ versichert Friedrich ganz ohne Koketterie gegenüber seinem heutigen Fußball-Chef. Im Team des SV Bavenstedt hat er dann – ausgerechnet auf der Anlage des VfR am Philosophenweg – den Kehrwieder Cup auch einmal gewonnen. Es war für ihn schon etwas Besonderes, dort wo er als Steppke 17 Jahre lang Woche für Woche trainiert hatte, im Trikot eines anderen Clubs Tore zu schießen.
Dass der manchmal so schlaksig wirkende Angreifer nicht lange beim SV Bavenstedt bleiben würde, war auch dem damaligen Manager Gerd Celnik schnell klar. „Ein Hildesheimer Junge, der das Zeug für die Oberliga hat, gehört zum VfV“, gab sich Celnik im letzten Sommer deshalb auch keinen Illusionen für einen Verbleib beim SVB hin.
VfV-Debüt beim Cup klappt nicht
Fast schon kitschig klingt, dass Friedrich auch jetzt eine kleine Cup-Anekdote parat hat. Denn gerade als er im vergangenen Sommer in Nordstemmen beim Eröffnungsspiel des VfV 06 gegen den Westfalen-Oberligisten SV Lippstadt eingewechselt werden sollte, sorgte ein mächtiger Blitzeinschlag in der Nähe für den Abbruch der Begegnung.
„Der Kehrwieder Cup hatte für mich tatsächlich immer Überraschungen parat“, schmunzelte Friedrich. Mittlerweile hat er sich im Team des VfV etabliert und in Spelle sein erstes Oberliga-Tor geschossen. „Das nicht anerkannte Tor im Pokal gegen Rehden wäre aber viel wichtiger gewesen“, ärgert er sich immer noch über das unglückliche Ausscheiden im NFV-Pokal-Halbfinale.
Das erste Los ist ein Ex-Team
Schließlich machte sich der „offizielle Turnierbotschafter“ (O-Ton Preußner) an die Arbeit. Für Preußner und Club-Boss Garms zählen die Landesligisten SV Bavenstedt und SV Newroz auch beim 22. Kehrwieder Cup wieder zu den Favoriten. Passend zog Friedrich sein Ex-Team aus Bavenstedt als erstes Los aus dem Topf.
Eventuell im Sommer selbst als Landesligist ins Turnier zu starten, davon wollten die Ochtersumer Verantwortlichen trotz Tabellenführung in der Bezirksliga aber nichts hören. „Das warten wir erst einmal ab“, beendete Garms dieses Thema schnell. In der Rolle als Gastgeber sehen aber sowohl Garms als auch Preußner durchaus Außenseiterchancen für die Germanen. Preußner: „Nach der Finalniederlage im letzten Sommer sind wir auf eigener Anlage vielleicht einmal dran.“ Und dann könnte sogar Tim Friedrich mit seinem glücklichen Händchen bei der Gruppenauslosung 2025 eine nächste kleine Anekdote zum Besten geben.
VfV 06 kommt zum Einlagespiel
Der Kehrwieder Cup präsentiert sich in diesem Jahr in einem neuen Modus. Zwölf Teams in vier Gruppen spielen vom 7. bis 13. Juli die Finalpaarungen aus. Veranstalter VfR Ochtersum will durch einen strafferen Turnierplan den Mannschaften eine variablere Saisonvorbereitung ermöglichen ohne auf den besonderen Charakter des Turniers zu verzichten. „Der Kehrwieder Cup gehört zum Fußballsommer“, sagt auch Tim Friedrich. „Jeder weiß, jetzt geht es wieder los.“ Der Kult-Cup wird im Sommer zum vierten Mal auf der Anlage des VfR Ochtersum ausgespielt. Lokalmatador VfV 06 Hildesheim wird wie auch in den vergangenen Jahren dabei sein. Die Oberligaelf spielt am 13. Juli ein Einlagespiel.
Diese Gruppenkonstellationen zog Tim Friedrich am Montagabend
Gruppe A
- SV Bavenstedt
- FC Concordia Hildesheim
- TuS Hasede
Gruppe B:
- VfR Germania Ochtersum
- SV Einum
- VfL Borsum
Gruppe C:
- SV Newroz Hildesheim
- VfV Borussia 06 Hildesheim U 19
- SV Türk Gücü Hildesheim
Gruppe D:
- TuS Grün Weiß Himmelsthür
- TuSpo Schliekum
- SC Harsum
Von: Rainer Fricke
