Söhre - Claudia Oelve und Hermann Timpe wohnen in einem Anbau eines der wohl geschichtsträchtigsten Gebäude der Region, der ehemaligen Korn- und Ölmühle in Söhre. „Als wir jüngst viele alte Unterlagen über die Mühle vom Großvater meiner Lebensgefährtin sichteten, hat uns das neugierig gemacht“, berichtet Timpe. Hilfesuchend wandten sie sich an den Barienroder Günter Klimmt, der sich schon seit vielen Jahren der Heimatgeschichte widmet und viele Beiträge veröffentlicht hat. Und der 81-Jährige recherchiert nun bereits seit anderthalb Jahren die Geschichte der Mühle.
Erste bekannte Erwähnung stammt aus dem Jahr 1265
„Wann sie erbaut wurde, ist nicht so ganz klar“, sagt Klimmt. Vermutlich sei dies Anfang des 13. Jahrhunderts gewesen. Das älteste Schriftstück, das er bislang gefunden habe, sei eine Schenkungsurkunde aus dem Jahr 1265. Aus der gehe hervor, dass das Kloster Marienrode die Söhrer Mühle von Bischof Otto I. geschenkt bekam.
Erstaunlicherweise liegt die Mühle relativ weit weg von der Beuster an der Hauptstraße des Ortes. Doch Claudia Oelve, in deren Familienbesitz sich das große Grundstück schon seit mehr als 150 Jahren befindet, kann dies erklären. „Das war früher Sumpfland“, berichtet sie. Und dann zeigt sie einen Lageplan aus dem Jahr 1922, aus dem hervorgeht, dass es einen Mühlengraben gab. „Das Wasser wurde über ein Wehr umgeleitet“, erklärt sie.
Klimmt hat bislang vorwiegend im Landesarchiv in Hannover recherchiert. „Die Urkunden zur Mühle sind aber lange noch nicht ausgeforscht“, betont er. So klaffe derzeit noch eine große Lücke. „Fest steht jedoch, dass die Mühle dem Kloster bis zur Säkularisation gehörte, bevor sie an die Klosterkammer ging“, erläutert der Barienroder.
„Verschmitzte Betrügereien“ eines früheren Besitzers
Aus Lehnbriefen geht hervor, dass sich die Mühle ab 1583 lange Zeit im Besitz einer Familie Schiller befand. Es war Otto Schiller, der schließlich 1819 in Konkurs ging. Der habe sich laut Klimmt dann 1834 wegen „verschmitzter Betrügereien“ vor Gericht verantworten müssen. In der Nacht vom 12. auf den 13. April sei er jedoch aus dem Gefängnis geflohen.
Nach Schillers Konkurs wechselten die Besitzer in kurzer Folge, bis schließlich der Tischler Johannes Baule aus Dinklar die Mühle übernahm und zusätzlich ein Sägewerk errichtete. Außerdem eröffnete er einen Kolonialwarenladen. Doch auch Baule meldete im Dezember 1853 Konkurs an.
Als größter Gläubiger übernahm der Ackermann Heinrich Ohlendorf die Mühle. Dessen zweite Tochter heiratete den Müller August Rennebohm. „Hier beginnt die Linie meiner Familie“, erzählt Oelve, eine geborene Rennebohm.
Inventar wird nach Sottrum gebracht
Heinrich Ohlendorf fiel früh im Ersten Weltkrieg. Zu seinem Erben hatte er seinen Enkelsohn Heinrich Rennebohm bestimmt. Bis der jedoch alt genug war, führte zunächst Ehefrau Luise die Mühle weiter. „Das waren immerhin 14 Jahre in Zeiten des Krieges und der Weimarer Republik“, stellt Oelve anerkennend fest. 1928 übernahm Heinrich Rennebohm. Er startete mit Sanierungsarbeiten und baute eines der beiden Wasserräder ab. Den Kolonialwarenladen schloss er. 1943 – Rennebohm war zwischenzeitlich im Krieg gefallen – ließ die Deutsche Reichsregierung das Inventar der Mühle ausbauen und in die Sottrumer Mühle einbauen.
„Nach dem Zweiten Weltkrieg übernahm mein Großvater Alfred Rennebohm die Mühle“, berichtet Oelve. „1956 stellte er dann den Betrieb ein und ich selbst wurde später Erbin.“ Oelve und Timpe haben seither die Gebäude umfangreich saniert. „Uns ist es wichtig, dass hier wieder ein Ort der Begegnung entsteht, so wie früher“, unterstreicht Oelve. Und Timpe ergänzt: „Möglicherweise entsteht hier ein Informationszentrum zum Thema rund ums Wasser.“ Bis dahin können Interessenten auf Anfrage aber schon die Gebäude und das Gelände besichtigen. „Den Mühlenbetrieb können wir den Leuten aber nicht mehr zeigen“, bedauert Oelve.
Klimmt wird derweil schon bald ein erstes Manuskript zur Geschichte der Mühle veröffentlichen. Bereits an diesem Montag stellt er seine bisherigen Recherche-Ergebnisse ab 17 Uhr bei einem Treffen des Männerforums im Garten der Titusgemeinde in Barienrode vor.
