Hildesheim - Bestimmt haben Sie schon vom Lieblingsprojekt des amerikanischen Präsidenten gehört, liebe Leserinnen und Leser: dem riesigen Ballsaal, den der orangene Tanzbär sich gerade bauen lässt – für 400 Millionen US-Dollar und Platz für knapp 1000 Gäste. Ein Glück, dass endlich einer größenwahnsinnig genug ist, so ein Giga-Ding zu bauen. Bislang mag das Weiße Haus ja ganz nett gewesen sein, aber ein Ballsaal hat ihm dringend gefehlt, wie Trump unlängst Reportern erklärte: „Ich baue den wunderschönen, großen, prachtvollen Ballsaal, nach dem das Land seit 150 Jahren fragt, nach dem das Weiße Haus seit 150 Jahren fragt.“ Jaja, wer kennt sie nicht, diese dauernde, nervige Fragerei nach einem Ballsaal.
Allerdings muss man bei den Plänen eines bedenken: Es geht hier keineswegs darum, dass sich Donald und Marco und JD einfach amüsieren, mit sehr viel Champagner und sehr jungen Frauen und so. Ganz im Gegenteil: Der Bau dieses Ballsaals ist wahrscheinlich Trumps härteste – und leider wohl auch ehrlichste – politische Aussage. Überlegen Sie mal: Wenn er mit diesem Wahnsinnsbau jetzt loslegt – dann wird der wann fertig sein? Richtig: Wenn Trump ausziehen muss, weil seine Amtszeit zu Ende ist und er laut Verfassung nicht einen Tag dranhängen darf. Trump zieht also aus, damit IRGENDWER in SEINEM Ballsaal tanzt? Das glauben Sie ja wohl selber nicht!
Der Ballsaal ist nicht weniger als Trumps Drohung, nicht abzutreten
Nein, dieser Ballsaal ist die Ankündigung, die Drohung, das schlimme Versprechen Donald Trumps an die Welt, dass er keineswegs vorhat, seinen Platz als Präsident in drei Jahren zu räumen. Dieser Ballsaal sagt: Pfffft! Das könnt ihr vergessen, Freunde! Eure Regeln waren gestern, jetzt bin ich hier und mache meine eigenen! Und dann setzt er sich mit seinem dicken Hintern wieder ins Oval Office, lässt sich zum Mittag ein paar Burger braten – und das war’s. Der Mann tritt nicht ab. Das ist das Gefährliche an ihm wie an allen, die an der Beseitigung der Demokratie arbeiten: Gefährlich sind nicht ihre einzelnen Ideen, ob sie diese oder jene Steuer senken wollen, ob sie grünen Strom voranbringen wollen oder nicht, ob sie die Rentner berücksichtigen, Frauenrechte stärken und bezahlbaren Wohnraum schaffen wollen – über all das ließe sich reden. Das Gefährliche ist, dass sie sich, kaum im Amt, selbst ermächtigen werden.
Sie werden die Verfassung Verfassung sein lassen und sich eigene Gesetze und Grundlagen schaffen. Sie werden sich einfach selbst legitimieren. Die Gewaltenteilung, das Recht, wie wir es kennen – all das wird Vergangenheit sein. Das ist es, was dieser Ballsaal bedeutet: die dritte Amtszeit des orangenen Königs die so lange dauern wird, wie er tanzen mag und kann.
