Musical zu Weihnachten

Der kleine Vampir im Advent für Kinder in Hildesheim: Ist das nicht viel zu gruselig?

Hildesheim - Das Musical „Der kleine Vampir“ hat am 26. November im Theater für Niedersachsen Hildesheim-Premiere. Müssen Eltern da Angst vor Grusel-Szenen haben? Alles, was man zum Stück wissen muss.

Ungewöhnliche Freundschaft: Samuel Jonathan Bertz als Anton mit Rüdiger, dem kleinen Vampir (Louis Dietrich). Foto: Clemens Heidrich

Hildesheim - Eine Vampirgeschichte in der Adventszeit? „Es ist jetzt nicht das klassische Weihnachtsstück“, stimmt Regisseurin Melanie Schweinberger zu. „Aber das zentrale Motiv passt gut in die Zeit: Freundschaft.“ Es ist die Freundschaft des neunjährigen Anton mit den Vampirgeschwistern Rüdiger und Anna, bekannt aus Angela Sommer-Bodenburgs Kinderbuch-Reihe „Der kleine Vampir“. Die Bücher haben sich 12 Millionen mal verkauft, sind in 30 Sprachen übersetzt und verfilmt worden. Nun kommt die Geschichte als Familienmusical ins tfn. Am 26. November ist die Hildesheim-Premiere.

Während Regisseurin Melanie Schweinberger bei einer Probe Details einer Szene durchgeht – die kleine Katastrophe beim Kaffeetrinken der Vampirkinder mit Antons Eltern – fläzt sich das sechsköpfige Ensemble auf den grauen Grabsteinen im Vordergrund der Bühne. Das Kernstück des von Beata Kornatowska entworfenen Bühnenbilds befindet sich dahinter und ist drehbar: So kann sich Antons Zuhause schnell in einen Friedhof verwandeln, der ja in einer Vampirgeschichte nicht fehlen darf.

Lachen statt gruseln

Richtig gruselig sieht der Friedhof natürlich nicht aus – das Stück ist schon für Kinder ab fünf Jahren gedacht. Ein bisschen spannend wird es aber schon, wenn der gemeine Friedhofswärter Geiermeier auf den Plan tritt. Eltern müssten sich aber nicht sorgen, dass das Stück zu viel für ihre Kinder sein könnte, beruhigt Öffentlichkeitsreferentin Eva Zink. Die vermeintlich gruseligsten Passagen seien so gelöst, dass das junge Publikum darüber lachen könne.

Muss man die Story vom kleinen Vampir eigentlich kennen, um das Musical zu genießen? Nein, sagt Eva Zink, „die Geschichte wird von Anfang an erzählt“. Im 80 Minuten langen Stück erleben Kinder und Erwachsene, wie sich Rüdiger, Anna und Anton kennenlernen und Freunde werden. Dazwischen gibt es eine Pause mit Waffeln für Groß und Klein sowie Kaffee aus der Siebträgermaschine für die Eltern.

Drehbares Bühnenbild

Das „Kinderstück zur Winterzeit“ – so die Beschreibung auf der tfn-Homepage – ist die erste Regiearbeit für Melanie Schweinberger überhaupt. Seit 2018 ist sie in Hildesheim, hatte mehrere Regie-Assistenzen im Schauspiel und im Musical. Bei der Probe fällt ihre zurückhaltende, ruhige Art auf. Sie entspricht so gar nicht dem Klischee der exzentrischen, autoritären Regie: „Ich hoffe, dass wir so langsam aus den Zeiten rauskommen“, so ihr Kommentar.

Eigentlich, sagt Schweinberger, müsse jede Darstellerin und jeder Darsteller die Verteidigerin beziehungsweise der Verteidiger der eigenen Rolle sein: „Sie müssen es spielen, und für sie muss es in der Situation stimmig sein.“ Die Umsetzung der Geschichte sei deshalb im Team entwickelt worden: „Es kamen viele tolle Ideen in der gemeinsamen Arbeit auf.“

Aktueller Musicalsound

Für Schweinberger handelt die Geschichte davon, Grenzen zu überwinden und „den anderen so zu nehmen, wie er ist“. Eins oder zwei der insgesamt 21 Bücher hat sie in ihrer Kindheit gelesen und ist, wie so viele andere, „der Faszination an diesem Wesen Vampir“ erlegen – die ja bis heute in unzähligen Filmen und Büchern weitergetragen wird.

Eine entscheidende Rolle in der Bühnenfassung spielt die von Uwe Vogel komponierte Musik. Es ist ein leicht zugänglicher, aktueller Musicalsound mit rockigen Elementen und Ohrwürmern. So jedenfalls beschreibt es Stefan Wurz, den das tfn zum wiederholten Male als musikalischen Leiter ins Boot geholt hat.

„Musicals werden nicht geschrieben, sondern umgeschrieben“, sagt der Hildesheimer Musiker, Arrangeur und Komponist. Das heißt: Anders als in der Oper, wo in der Partitur alles genau festgeschrieben ist, wird die Musik beim Musical immer an die Inszenierung angepasst. „Man muss sehen, wie es auf der Bühne wirkt“, sagt Wurz und fügt hinzu: „Im Vergleich zur Oper ist das Musical flexibler.“ Natürlich nach Absprache: „Ich hatte vorher ein Telefonat mit dem Komponisten, und er hat uns viele Freiheiten gegeben.“

Playbacks bieten Vorteile

Das Ensemble singt zu Playbacks, die Stefan Wurz aufgenommen hat. Kontrabass, Cello, Klarinette, Gitarre und E-Piano sind mit echten Instrumenten eingespielt worden, den Rest hat Wurz am Computer erstellt. Der Vorteil: Die Musik lässt sich sogar im Probenprozess noch verändern. Ist das nicht nervig? „Nein, das macht sogar total viel Spaß“, entgegnet der Musiker. „Es wäre auch unfair, wenn die Musik komplett fertig wäre und alles sich danach richten müsste.“

Nach der Premiere sollten Besucherinnen und Besucher noch ein paar Minuten extra einplanen. Die kostümierten Darstellerinnen und Darsteller geben Autogramme.


Was man sonst noch wissen muss

In Hildesheim ist „Der kleine Vampir“ am Sonntag, 26. November, um 16 Uhr erstmals zu sehen – und dann auch an den folgenden drei Tagen. Das tfn zeigt das Stück mit ukrainischen Übertiteln. Insgesamt gibt es mehr als 30 Vorstellungen in Hildesheim – sowie zahlreiche weitere in anderen Orten, die von einer Extra-Besetzung bespielt werden. An der Garderobe sind Sitzkissen vorrätig, damit kleine Menschen besser sehen können. Für die Anfahrt bieten sich wie immer vor allem Fahrrad und Öffis an.

Wer mit dem Auto kommt, parkt am besten bei der Volksbank am Kennedydamm, beim Ibis-Hotel oder in der Parkgarage am Ratsbauhof. Karten für Kinder, Jugendliche und Studierende kosten auf allen Plätzen 7,50 Euro, Erwachsene zahlen 8,50 bis 18 Euro. Man bekommt sie im Service-Center des tfn, unter Telefon 05121/1693-1693 und über die Homepage des Theaters. Für die Premiere sind nur noch wenige Restkarten erhältlich.

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