Mobilität

Der nächste Boom? Zwei junge Hildesheimer machen sich mit kleinen E-Motorrädern selbstständig

Hildesheim - Nach E-Autos und E-Bikes sind in Deutschland nun auch E-Motorräder im Kommen. Zwei junge Hildesheimer haben einen Handel für kleine Maschinen, Ersatz- und Tuningteile aufgemacht. Überraschender Helfer in der Startphase: Donald Trump.

Marten Hesse (links) und Jonathan Hopp vor ihrem Ladengeschäft in der Burgstraße. Foto: Tarek Abu Ajamieh

Hildesheim - Das kleine Motorrad beschleunigt, dass einem schwindlig wird. Kurz denkt man, dass es einem den Helm vom Kopf pustet. Doch nichts dergleichen passiert. Und noch etwas passiert nicht: Kein Motor heult laut auf oder knattert ohrenbetäubend. Das wirkt irgendwie gespenstisch. Und damit sind schon zwei Gründe genannt, warum zwei junge Hildesheimer meinen, einen absoluten Zukunftsmarkt entdeckt zu haben: Motorroller und kleine Motorräder mit Elektroantrieb.

„Die Nachfrage wächst rasant“

E-Moto-Parts heißt die Firma, mit der sich Jonathan Hopp und Marten Hesse vor einigen Monaten selbstständig gemacht haben. Ihr Ladengeschäft verbirgt sich in einem Hinterhof an der beschaulichen Burgstraße unterhalb der Michaeliskirche. Doch ihr Geschäftsfeld ist alles andere als beschaulich. Es geht um Tempo, Action und Spaß. Zugleich aber auch um Nachhaltigkeit, Bequemlichkeit und Rücksichtnahme, betonen sie.

Während E-Autos und E-Bikes schon lange wie selbstverständlich auf den Straßen unterwegs sind, sind Elektroantriebe bei Krafträdern der 50er- und 125er-Klasse bislang weit weniger verbreitet. Doch das ändert sich gerade, sind Hopp und Hesse überzeugt: „Das boomt, die Nachfrage wächst rasant.“

In Teilzeit bei Bosch

Das liegt vor allem an der vielfältigen Nutzbarkeit der Bikes, glaubt das Duo. „Die haben eine Reichweite von 80 bis 150 Kilometern mit einer Akkuladung für einen Euro, können also im Ortsverkehr ebenso genutzt werden wie offroad“, erklärt Jonathan Hopp. Und Marten Hesse betont: „Vor allem sind sie leise – und bei vielen Interessierten ist es ein Thema, dass sie gern Motorrad fahren, zugleich aber andere nicht mit Lärm belästigen wollen.“ Ein weiterer Vorteil sei, dass schon 15-Jährige die kleineren Modelle mit dem entsprechenden Führerschein fahren dürften.

Die Überzeugung der beiden Hildesheimer ist jedenfalls so groß, dass sie die Gründung eines eigenen Unternehmens wagten. Der 23-jährige Hopp, aus München nach Hildesheim gekommen, hat seinen Bachelor als Wirtschaftsingenieur gemacht und arbeitet in Teilzeit bei Bosch. Der gelernte Industriemechaniker Hesse, 25, hat sich komplett dem gemeinsamen Projekt verschrieben: „Damit bin ich auch zeitlich mehr als ausgelastet“, betont er.

Vom Mountainbike gekommen

Das Duo hat vor allem zwei Standbeine: Die Bikes selbst, die in einer Preisspanne von 4000 bis 10.000 Euro zu haben sind. Und Bau- oder Tuningteile dafür, die sie zum Teil bei Herstellern und Großhändlern kaufen, zum Teil aber auch selbst entwickeln und fertigen lassen. „Wir können jedes Bike komplett nach Kundenwunsch gestalten und aufbauen, optisch und auch für den Komfort“, betont Hesse, als Industriemechaniker prädestiniert für die nötige Tüftelei.

Hinzu komme, dass beide selbst rasend gern auf den E-Motorrädern unterwegs sind. Und nach eigenem Bekunden feststellen, dass sich selbst die größten Benzin-Fans und Skeptiker interessieren – und sich überzeugen lassen, wenn sie einmal Probe gefahren sind: „Die größten Skeptiker sind auch die, die mit dem größten Grinsen zurückkommen“, sagt Jonathan Hopp. So sei es ihm selbst, ursprünglich Mountainbike-Fan, vor knapp drei Jahren auch gegangen, als er erstmals auf einem solchen Fahrzeug gesessen habe. „Das ist ja eigentlich massiv übermotorisiert, hat 20.000 Watt Leistung, während ein Pedelec zum Beispiel 750 Watt haben kann.“

Von Offroad bis Camping

Beim Rennen „444 Minuten von Hönze“ etwa habe es eine lange Schlange für die Probefahrten gegeben – und hinterher jede Menge Lob, berichtet Hopp. Solche Veranstaltungen zu besuchen, auf Messen wie auch bei Renntagen oder anderen Events präsent zu sein, ist den beiden sehr wichtig. „Wir sind sehr community-orientiert“, drückt Hopp es aus. Fans, die anderen Fans die Bikes und Bauteile liefern sozusagen. „Es geht ja gerade auch um die Vernetzung, um den Austausch, darum, im Gespräch mit Gleichgesinnten Verbesserungsmöglichkeiten zu finden“, sagt Marten Hesse.

„Gleichgesinnte“ können dabei ganz unterschiedliche Menschen sein. Pendler, die im Nahverkehr unterwegs sind, Offroad-Liebhaber, die auf angelegten Rennstrecken herumrasen, mit ihren Fahrzeugen springen oder andere Kunststücke machen wollen, aber auch Camping-Urlauber, die solche Zweiräder mitnehmen, um damit die weitere Umgebung zu erkunden.

Trumps Zölle helfen

Beim Aufbau ihres Geschäfts hilft Hopp und Hesse dabei einer, mit dessen Unterstützung sie nun wirklich nicht gerechnet hätten: US-Präsident Donald Trump. Vor allem Bauteile verkaufen Hesse und Hopp schon länger international über ihren Onlineshop. Doch seit Trump höhere Zölle für Lieferungen aus China festgesetzt hat, landen Kunden und Händler aus den USA auf der Suche nach besseren Preisen in Europa – und auch in Hildesheim: „Seitenaufrufe und Bestellungen aus den USA sind signifikant nach oben gegangen“, berichten die beiden Jungunternehmer.

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