Gegen Zweitligist Elversberg

Der Profifußball war in der Stadt – die Stimmen zum DFB-Pokalspiel des VfV 06 Hildesheim

Hildesheim - Unter den 5.186 Zuschauern waren bekannte Gesichter, die Rede und Antwort standen. Die Stimmen zu einem tollen Publikum, einem abgezockten Zweitligisten und tapfer kämpfenden Hildesheimern.

Ernteten trotz der 0:7-Niederlage Applaus: die Fußballer des VfV 06 Hildesheim. Foto: Werner Kaiser

Hildesheim - 47 Jahre musste Fußball-Hildesheim mal wieder auf ein DFB-Pokalspiel warten. Am Sonntagnachmittag empfing der VfV Borussia 06 Hildesheim den Zweitligisten SV Elversberg. Vor 5186 Zuschauern unterlag der Oberligist mit 0:7 (0:3).

Unter den Zuschauern waren bekannte Gesichter, die Rede und Antwort standen. Die Stimmen zu einem tollen Publikum, einem abgezockten Zweitligisten und tapfer kämpfenden Hildesheimern.

Mitglied des Landtags Markus Brinkmann, bekennender HSV-Fan, hatte sogar seine Eintrittskarte vom 20. August 1977 mitgebracht. „Als Glücksbringer“, lachte Brinkmann vor dem Spiel. „Schade, aber trotzdem war es ein aufregender Fußballnachmittag“, erkannte er nach Abpfiff die Dominanz der Zweitligaprofis an.

NFV-Präsident Ralf-Uwe Schaffert war mit seiner Tochter Mareike im Stadion. Nach dem 0:3-Pausenstand war sein Optimismus ein wenig verflogen. Schaffert: „Natürlich braucht man gegen Profis auch das nötige Spielglück. Aber man darf auch nicht naiv sein. Eine Profimannschaft schlägt man als Oberligist nur mit unbändigem Kampfgeist und nicht mit spielerischen Mitteln. Trotzdem war es eine Werbung für den Hildesheimer Fußball. Das würden wir alle gern im nächsten Jahr wieder erleben.“

SV Elversberg-Fan Uwe Müller war schon seit Freitag in der Stadt. „Ich bin in Hildesheim geboren und habe mir die Stadt angesehen. Es hat sich so viel getan. Der Marktplatz ist einzigartig.“ Gastgeschenke wollte er aber auf keinen Fall verteilen. „Ich wünsche dem VfV alles Gute. Aber nach dem 2:2 letzte Woche gegen Köln waren unserer Jungs auch heute gut drauf. Das haben sie cool gemacht.“

EVI-Geschäftsführer Mustafa Sancar kam mit Blick auf die tolle Kulisse aus dem Schwärmen kaum heraus. Sancar: „Ich bin einfach nur glücklich, wenn ich so etwas sehe. Wir können in Hildesheim sehr viel auf die Beine stellen. Das Spiel heute ist dafür der beste Beweis“.

VfV-Urgestein Rainer Burgdorf filmte mit dem Handy den Einzug der Mannschaften. Die gesamte Tribüne klatschte stehend Beifall. „Toll. Ich kann mich nicht erinnern, wann wir das letzte Mal mehr als 5.000 Zuschauer hatten. Das ist ein herrliches Bild.“

Stadt-Bäcker Markus Engelke mochte sich gar nicht entscheiden, ob nun in Hannover oder Hildesheim die bessere Stadionatmosphäre herrscht. „Natürlich ist das Niedersachsenstadion größer. Aber hier im Friedrich-Ebert-Stadion ist es angenehm familiär.“

Die Einlaufkinder vom VfR Ochtersum und dem FSV Algermissen begleiteten die beiden Mannschaften. Das Balltragekind Fynn Völker musste von VfV-Sportkoordinator Maik Thomas noch kurzfristig nach nominiert werden. Thomas: „Beim DFB muss halt alles seine Ordnung haben.“ Die Regionalliga-A-Jugend von Trainer Benni Plaschke haben sich sogar gern als Balljungen zur Verfügung gestellt. „Wir gehören doch auch dazu“, erklärte Plaschke mit einem Augenzwinkern.

Mittelfeld-Mann Jannis Pläschke musste die 90 Minuten verletzt von der Bank aus verfolgen. Pläschke direkt nach dem Abpfiff: „Natürlich sind die Jungs nach einer 7:0-Packung erst einmal enttäuscht. Das dritte Tor durfte nicht so früh fallen. Bis dahin hatten wir gut mitgespielt. In einer Stunde ist der Frust verflogen. Dann überwiegen die Eindrücke dieser tollen Atmosphäre.“

VfV06-Ex-Trainer Andreas Golombek von der Tribüne: „Der VfV-Vorwärtsgang passt. Da wird gut kombiniert und drei Chancen vor der Pause waren der Lohn. Aber leider ist kein Tor gefallen. Am Ende machen die Profis natürlich clever den Sack zu.“

Omar Fahmy ist seit dem 15. August als Vorstand Sport beim VfV 06. „Mir hat die erste Halbzeit gut gefallen. Das Ergebnis ist am Ende nicht wirklich von Bedeutung. Aber das, was die Mannschaft hier heute bewegt hat, ist beeindruckend.“

Innenverteidiger Sean Redemann: „Die Elversberger sind schon enormes Tempo gegangen. Die Umschaltmomente entwickeln großen Druck auf unsere Abwehr. Es war für mich eine tolle Erfahrung im ersten DFB-Pokalspiel meiner Karriere. Davon möchte ich gern noch mehr erleben.“

Spielmacher Erhan Yilmaz: „Nach dem 0:3 zur Pause war das Spiel eigentlich entschieden. Aber wir wollten natürlich unbedingt ein Tor machen. Schade, dass es nicht geklappt hat. Die Atmosphäre im Stadion war wirklich klasse. Vielleicht ist ein kleiner Appell an die Fans gestattet: Mit einer ähnlich guten Unterstützung könnten wir in der Oberliga eine ganze Menge bewegen.“

Mittelfeld-Renner Yusuf Akdas: „Es war eine wirklich starke Erfahrung. Profis sind einfach so viel handlungsschneller. Einfach krass.“

Abwehrchef Yannik Schulze: „In der ersten halben Stunde haben wir es gut gemacht. Dann musst du einfach deine Chancen nutzen, ein Tor erzielen und dann für den Rest des Spiels den Bus vor dem Tor parken. So könnte man vielleicht ein Spiel gegen eine Zweitligaprofis gewinnen. Das schaffst du aber auch nur einmal in hundert Spielen.“

Robert Weissenborn, beim VfV 06 für die Sicherheit im Stadion zuständig, hatte alles im Griff: „Natürlich macht man sich vor einem solchen Tag viele Gedanken. Wir haben aber – zumindest aus organisatorischer Sicht - einen rundum gelungenen Fußballnachmittag erlebt.“

VfV 06-Präsident Michael Salge schaute sich die zweite Halbzeit aus der VIP-Lounge an. „Morgen wache ich sicherlich mit einem Muskelkater auf. Es war schon sehr anstrengend in den vergangenen Wochen. Aber ich bin schon ein wenig stolz auf das, was unsere Mannschaft, unser Organisationsteam, die vielen Helfer und die Hildesheimer Zuschauer hier auf die Beine gestellt haben.“ Und mit Blick ins Stadionrund: „Wir sind durch die Erweiterungen jetzt einen großen Schritt weiter.“

Von: Rainer Fricke

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