Hildesheim - Das hat es in Hildesheim noch nicht gegeben: Zum ersten Mal sind in der Domstadt am vergangenen Sonntag die Futsal-Niedersachsenmeisterschaften der Frauen ausgespielt worden. Mit dem Veranstalter PSV Grün-Weiß Hildesheim und dem 1. FC Sarstedt waren auch zwei Kreisvertreter am Start. Mit der Entscheidung hatten Hildesheims Topteams am Ende zwar nichts zu tun, trotzdem kamen die 150 Zuschauenden in der BBS-Sporthalle an der Steuerwalder Straße auf ihre Kosten.
PSV als perfekter Gastgeber
Nur Dabeisein – nein! Natürlich ging es auch ums Gewinnen. „Das liegt doch in der Natur der Sache“, echauffierten sich PSV-Torhüterin Jolien Auracher und ihre Mannschaftskollegin Luise Baumgarten mit einem Augenzwinkern. „Die Veranstaltung insgesamt soll aber auch Werbung für den Frauenfußball werden“, ergänzte Jolien Auracher. Denn der Oberliga-Dino von der Marienburger Höhe zeigte sich als perfekter Gastgeber.
Nach der Gruppenphase war Endstation für die beiden Lokalvertretungen. „Sportlich ging das so in Ordnung“, zeigte sich auch PSV-Mannschaftskollegin Luise Baumgarten realistisch – wenn auch zähneknirschend. Zu gern wären die beiden Hildesheimer Uni-Studentinnen nämlich mit ihrem Team vor heimischem Publikum zumindest ins Halbfinale gekommen. „Genau dafür machen wir es doch.“
Beide kicken mit Begeisterung. Für die 24-jährige Baumgarten ist Fußball der perfekte Ausgleich zum Stress im Psychologiestudium. Schon zu Schulzeiten drehte sich zu Hause in Georgsmarienhütte für die damalige Landesligaspielerin alles um die Dribblings mit dem Ball. Seit Beginn des Studiums vor vier Jahren gehört sie nun zu den Leistungsträgerinnen im Oberligateam der Grün-Weißen.
Lehramtsstudentin Jolien Auracher toppt den Fußball-Enthusiasmus ihrer Freundin sogar noch. Die 25-Jährige hat seit 2010 alle Mädchenteams des PSV durchlaufen und bekam schon 2017 von ihrem damaligen Trainer (dem heutigen NFV-Kreisvorsitzenden Andreas Wiese) das Vertrauen im Tor der Grün-Weißen ausgesprochen. „Jolien hat das schon damals klasse gemacht“, erinnerte sich Wiese am Sonntag noch einmal an seine Zeit als Coach auf der Marienburger Höhe. Neun Jahre später trägt Auracher nach wie vor das Trikot mit der Nummer eins. Wirkliche Konkurrenz hat sie seitdem nicht bekommen.
Der Verein will Lücken schließen
Vielleicht liegt es daran, dass der Vereinsfußball auch bei den Mädchen und Frauen an Attraktivität verloren hat? Mit Blick auf den Profifußball überzeugt Auracher diese These nicht. „Aber die Corona-Krise ließ natürlich auch im Mädchenfußball Lücken entstehen“, so die angehende Lehrerin.
Genau daran will man in den kommenden Jahren beim PSV arbeiten. Die Torhüterin kümmert sich bereits intensiv um die Ausbildung der Nachwuchsfußballerinnen. „Das ist die Basis. Dort müssen wir uns wieder breiter aufstellen“, sagte Auracher. Selbst trainiert sie die D-Juniorinnen im Verein. Zusammen mit Nico Gerken, dem Sportlichen Leiter Frauenfußball bei Grün-Weiß, wollen sie künftig wieder für jeden Jahrgang eine sportliche Herausforderung bieten.
Für den kommenden Sommer ist man auf der Marienburger Höhe darauf vorbereitet – am vergangenen Sonntag haben sie in der BBS-Halle dafür zumindest schon Sympathiepunkte gesammelt.
Und so läuft es sportlich
Neun Oberliga- und Regionalliga-Teams waren auf Einladung von Landes-Spielleiterin Isabell Hartmann nach Hildesheim gekommen. Schon in der Gruppenphase trafen mit Veranstalter PSV Grün-Weiß und dem 1. FC Sarstedt die beiden Landkreis-Vertretungen aufeinander. Das 0:0-Unentschieden blieb der einzige Punktgewinn der Sarstedterinnen.
Für das PSV-Team verhinderte ein weiteres Remis gegen den TSV Limmer den Halbfinaleinzug. Den Landesmeistertitel sicherten sich die Oberligakonkurrentinnen der SVG Göttingen.
Von Rainer Fricke

