Sammler und Autor

Der Sarstedter Jonas Zaps und seine Leidenschaft für Schreibmaschinen

Sarstedt - Der 24-jährige Jonas Zaps hat überall in seiner Wohnung Schreibmaschinen verteilt. An seinem Buch schreibt er viel lieber auf der mechanischen Schreibmaschine als an der Computertastatur. Die Gründe für seine Leidenschaft, und was das mit Tom Hanks zu tun hat.

Sarstedt - Auf dem Schreibtisch von Jonas Zaps steht ein Computer. Aber zum Schreiben benutzt er den nicht. Die Sicht auf den Monitor ist größtenteils versperrt durch eine Schreibmaschine: Eine Torpedo 6 aus dem Jahr 1949. Die bevorzugt der 24-Jährige, wenn er in seiner freien Zeit an seinem Buch arbeitet: „Weil die einfach unfassbar gut schreibt und leicht zu warten ist.“ Der Computer dagegen biete viel zu viel Ablenkung und wirke mit dem blinkenden Cursor und dem unendlichen Platz allzu fordernd. Der ist daher vor allem zum Spielen da.

Die meisten Schreibmaschinen, die er besitzt, sind deutsche Fabrikate

Jonas Zaps hat durchaus eine Auswahl, wenn er eine Schreibmaschine nutzen will. 16 oder 17 Stück – so genau weiß er das gar nicht – stehen in der Wohnung auf Tischen und in Regalen oder in ihre Koffer verpackt unter dem Schreibtisch. Die meisten sind deutsche Fabrikate, es sind aber auch zwei amerikanische, eine japanische und eine italienische Maschine dabei. Zwei der Maschinen sind nicht mehr ganz vollständig, die nutzt Zaps, um Ersatzteile für die übrigen Schreibmaschinen auszubauen.

Ich mag es, wie die Typenhebel fliegen

Jonas Zaps

Seine Leidenschaft für das mechanische Tippen begann schon in der Jugend: „Ich mag es, wie die Typenhebel fliegen“, erklärt Zaps. Mit 16 Jahren erwarb er die elegante, mattschwarze Olympia SM 2 Reiseschreibmaschine aus dem Jahr 1956. „Eine der Schönsten, meiner Meinung nach“, sagt Jonas Zaps. Die hatte er für 30 Euro auf ebay gefunden. Danach war ersteinmal Ruhe. Doch vor etwa einem Jahr habe es ihn wieder gepackt, erzählt Zaps. Angestachelt durch You-Tube-Videos ging er wieder auf Suche im Internet und kaufte nach und nach seine Sammlung zusammen. In einige Maschinen steckte er viel Arbeit, um sie wieder richtig funktionsfähig zu machen.

Romanhandlung entwickelt sich auf der Tastatur

Nutzlos herumstehen sollen seine Schreibmaschinen nämlich nicht und gaben daher seinem Wunsch, ein Buch herauszubringen, neuen Ansporn. Bei seinem Buchprojekt handele es sich um einen Cyber-Punk-Thriller, dessen Handlung in einer Dystopie angesiedelt sei, erklärt der 24-Jährige. Der größte Teil der Geschichte sei sogar schon fertig, das Weitere gedanklich vorgezeichnet. „Ich weiß, wo es hingehen soll“, erklärt Zaps, „alles dazwischen passiert auf der Tastatur.“ Zeit zum Schreiben hat er jedoch nur in seiner Freizeit. Sein Geld verdient der Sarstedter in einem Baumarkt und macht dort auch gerade eine Weiterbildung, so dass er zusätzlich Zeit zum Lernen braucht.

Ich arbeite viel mit Papier

Jonas Zaps

Auf den ersten Blick erscheint es einfacher, einen Roman auf dem Computer zu schreiben, lassen sich dort doch problemlos Textabschnitte verschieben, umstellen und umschreiben. Doch Zaps empfindet es anders. Er bringt seine Korrekturen handschriftlich an, klebt auch mal einen zusätzlichen Absatz ans Blatt: „Ich arbeite viel mit Papier.“ So kann er später immer noch den Entstehungsprozess nachvollziehen. Hinzu kommt, dass er verschiedene Schreibmaschinen an unterschiedlichen Orten für unterschiedliche Texte nutzt – wie zum Beispiel für seine Kurzgeschichten: „Weil jede sich anders anfühlt“, sagt Zaps.

Was Zaps mit Tom Hanks verbindet

Die älteste Maschine seiner Sammlung ist die Klein-Adler von 1910. Nicht sie ist aber sein größter Stolz, sondern ein Brief, nach seiner Überzeugung selbst geschrieben von Tom Hanks: „Ich glaube, dass er da so ehrlich ist.“ Den Schauspieler bewundert er nicht nur für seine Filmrollen, beide verbindet auch die Leidenschaft für Schreibmaschinen – auch Tom Hanks ist Sammler.

In Hanks Band von Kurzgeschichten „Uncommon Type“ (deutscher Titel „Schräge Typen“) kommt in jeder Erzählung eine Schreibmaschine vor, zudem sind einige Exemplare aus Hanks’ Sammlung in dem Buch abgebildet. Deshalb hatte Zaps den Schauspieler angeschrieben, und nach einigen Monaten kam tatsächlich eine maschinegeschriebene Antwort. Darin wünscht ihm der Hollywood-Star viel Erfolg bei seinem Buch und erklärt, er selbst habe seine Geschichten allerdings am Computer geschrieben.

Auf Social Media als thetypewriterkind

Seine Leidenschaft für das Maschinenschreiben teilt Jonas Zaps als thetypewriterkind unter anderem auf Instagram. Dort gibt es viele schöne Detailaufnahmen von Schreibmaschinen, einen Blog über seinen Schreibfortschritt, Kurzgeschichten oder auch mal einen Podcast. Im vergangenen Jahr habe er während der Nacht der aufgeschobenen Hausarbeiten an der Stiftung Universität Hildesheim auch Studierenden das Angebot gemacht, mal einen Versuch auf einer Schreibmaschine zu wagen, erzählt Jonas Zaps.

Obwohl er stolz auf seine Sammlung ist, will der Sarstedter sich demnächst von einigen Modellen trennen. Schließlich teilt er die Wohnung nicht nur mit seiner Lebensgefährtin, auch die Katze Nana, die Kater Spöki, Paddy und Pablo sowie Hund Snoopy sind dort zuhause. Da nehmen die Schreibmaschinen einfach zu viel Platz ein. Und als echter Fan möchte Zaps jede Schreibmaschine in seinem Besitz auch nutzen: „Sonst sind sie ja nur Staubfänger.“


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