Hildesheim - Wer bis Sonntag noch nichts vom viertägigen Schützenfest in Hildesheim mitbekommen hatte, der wurde spätestens – zumindest in der Innenstadt – durch den großen Schützenumzug darauf aufmerksam gemacht.
Die Zuschauer machten jede Menge Handyfotos
Der startete unüberhörbar um 13 Uhr und versammelte kleine Delegationen von 125 Vereinen und Gruppen aus der Stadt und dem Landkreis. Insgesamt hatten sich 2100 Teilnehmerinnen und Teilnehmer angemeldet. Auf geschmückten Wagen, mit Blasinstrumenten und Pauken, in Kostümen und mit knallbunten Perücken, teils verkleidet wie zum Karneval, ausgelassen tanzend, turnend oder singend zogen sie durch die Stadt, während ihnen vom Straßenrand und manchmal auch aus den Fenstern der angrenzenden Häuser die Zuschauer zuwinkten und jede Menge Handyfotos machten. Dabei natürlich auch wieder Hildesheims Stimmungsmacher Nummer eins, der Capt’n.
Insgesamt war der Umzug mehr als vier Kilometer lang. Der große Abschluss eines großen Festes, das bis dato im Wesentlichen auf dem Volksfestplatz stattfand. Und dessen Resonanz die Verantwortlichen froh machte, wie Hagen Heuer als Erster Vorsitzender des Hildesheimer Volksfest-Vereins sagte: „Wir waren zum Beispiel zu den Vesperabenden komplett ausgebucht.“ Für Heuer eine besondere Freude: Entgegen dem allgemeinen Trend waren in Hildesheim wieder mehr Musikzüge und -vereine dabei als in den Jahren zuvor. Allein beim Umzug waren 17 von ihnen vertreten. „Das trägt viel zur Stimmung bei.“
Viele neue Fahrgeräte – und allein 17 Musikvereine
Auch ansonsten sei das Programm vom Festbetrieb auf dem Platz über das große Höhenfeuerwerk bis zur Party am Samstagabend prima gelaufen. Man habe in diesem Jahr nach Corona und den Nachwirkungen der Pandemie nun wieder auf großer Fläche und ohne jede Einschränkung gearbeitet. „Wir hatten in diesem Jahr auch mehrere ganz neue Fahrgeräte auf dem Platz, sowas zieht die Leute dann natürlich auch an.“ Und das war am Sonntag für alle Verantwortlichen dann wiederum ein Grund zu feiern.
Vor dem Vergnügen allerdings stand die Proklamation der besten Schützinnen und Schützen durch Hildesheims Oberbürgermeister Ingo Meyer auf dem Marktplatz. Obwohl der seine Aufgabe nicht durchgehend erfüllen konnte, sondern zwischendurch an Hagen Heuer abgeben musste – denn auch Meyer war unter den Preisträgern, ganz unverhofft, wie er mehrfach versicherte.
Aus Versehen hat Ingo Meyer beim Schießen gewonnen
Doch zunächst übergab er Preise. Die Jubiläumsscheibe ging an Jörg Bokelmann, die Handwerksscheibe an Daniel Schwabe. Zum Stadtjugendkönig 2024 wurde Luca-Rocco Vogt und zum Stadtkönig dieses Jahres Günther Ender. Den Jugendbürgerbecher hatte sich Fabius Dammer verdient, und den Bürgerbecher der Stadt, ja tatsächlich: Ingo Meyer. „Dabei wollte ich das Schießen nur ganz kurz eröffnen“, sagte der fast entschuldigend – sein Sieg sei der Beweis, dass wirklich jeder mitmachen könne. Die Bürgerscheibe der Stadt ging als zweiter Preis an Birgit Lehne, den dritten erhielt ihr Mann Ansgar. Der räumte dafür aber auch noch eine von Walter Maciejewski neu gestiftete Kette als Ehrung ab.
Dann aber, endlich: der Umzug. 20 Einsatzkräfte des THW formierten den Zug, der diesmal wegen der Sperrung der Rathausstraße eine etwas andere Route nehmen musste als in den Jahren zuvor. Die Teilnehmer mussten zunächst in die Scheelenstraße abbiegen. Dort wurden die Fußgänger-Gruppen in die Wagenkolonne vom THW laut Plan eingereiht, und dann konnte der geordnete Zug über die Schuhstraße und den PvH auf die übliche Route stoßen. Die führte wie gewohnt über die Goslarsche Straße, Sedanstraße, Keßlerstraße, Wollenweberstraße zurück auf den PvH – und anschließend über die Schuhstraße, Kardinal-Bertram-Straße und Schützenallee in Richtung Volksfestplatz.
Wo ab 15.30 Uhr im Festzelt nochmal so richtig gefeiert wurde. Aus gutem Grund, denn schließlich ist es jetzt noch ein ganzes Jahr hin bis zum nächsten Schützenfest. Da lässt man dieses nicht schneller zu Ende gehen als unbedingt nötig.



